CORONAVIRUS

MV-Inzidenz ins Mittelfeld abgerutscht – „Wir sind keine besseren Menschen”

Monatelang schaute der Rest der Republik fast neidisch auf die niedrigen Corona-Fallzahlen in MV. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die zweite Welle drückt laut Schwesig massiv ins Land hinein.
dpa
Andreas Podbielski ist der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universit&aum
Andreas Podbielski ist der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene der Universitätsmedizin Rostock (Archivbild). Bernd Wüstneck
Rostock ·

Nachdem Mecklenburg-Vorpommern von Beginn der Corona-Pandemie an stets einen der hinteren Plätze in der Inzidenz-Rangliste der Bundesländer belegt hatte, nimmt das Land nun nur noch einen Mittelfeldplatz ein.

„Wir waren zuvor zu einem gewissen Grad auf der Seite der Glücklichen”, sagte der Chef des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Unimedizin Rostock, Andreas Podbielski. Zwischen den Menschen im Nordosten und den anderen Ländern gebe es weniger Bewegungen, das Land habe von seiner Randlage profitiert.

Mehr lesen: Mehr als 50.000 Corona-Tote in Deutschland

„Wenn woanders hohe Inzidenzen sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei uns reinschwappt.” Mecklenburg-Vorpommern hole jetzt das auf, was die anderen Länder schon durchgemacht haben. „Wir sind keine besseren oder disziplinierteren Menschen”, begründete Podbielski die Entwicklung.

Sieben-Tage-Inzidenz stetig verschlechtert

Etwa von Ende Dezember an hatte sich die Sieben-Tage-Inzidenz von Mecklenburg-Vorpommern stetig verschlechtert. Der Nordosten verlor gegenüber anderen Bundesländern spürbar an Boden, deren Inzidenzen verbesserten sich im Gegenzug. So hatte beispielsweise Baden-Württemberg neben Bayern monatelang die schlechtesten Werte, und steht nun Mitte Januar besser als Mecklenburg-Vorpommern da.

Mehr lesen: Schwesig wirft Merkel und von der Leyen „Impfzockerei” vor

Das tägliche Datenblatt von Mittwoch sieht Mecklenburg-Vorpommern mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 113,4 auf Platz 9 der 16 Bundesländer. Am besten liegt Bremen mit einem Wert von 76,6, die höchste Inzidenz weist Thüringen mit 225,0 auf. Der bundesweite Mittelwert liegt bei 119,0.

„Die zweite Welle trifft den Osten hart. Darauf weise ich seit Wochen hin”, betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Im Osten ist MV noch das Land mit den niedrigsten Werten. Aber die zweite Welle drücke massiv ins Land hinein. Dies sei an den hohen Zahlen in den Kreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim zu sehen. Alle Menschen im Land müssten sich weiter an die Schutzmaßnahmen halten. „Nur dann werden wir gut durch die nächsten Wochen kommen.”

Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger sieht die sinkenden Werte der anderen Bundesländer als eine gute Entwicklung an. Das werde mit einer gewissen Verzögerung auch in Mecklenburg-Vorpommern seine Wirkung zeigen.

Mehr lesen: So viel Unsinn wird über die Corona-Impfung verbreitet

Linke: Lücken im System

Für den gesundheitspolitischen Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, ist die Erklärung der Landesregierung für die schlechteren Werte nicht ausreichend. Pendlerbewegungen spielten sicher eine Rolle, seien aber nicht alleine verantwortlich. Für ihn steht fest, dass es dort, wo es Ausbrüche sind, Lücken im System gibt. Dazu gehörten beispielsweise die Alten- und Pflegeheime. Die Ursachenforschung dazu sei aber noch nicht weit genug gediehen.

Mehr lesen: Merkel wirbt für längeren Lockdown

Auch der Landrat von Vorpommern-Greifswald, Michael Sack (CDU), sieht im Grenzverkehr zu Polen eine Mitursache für die hohen Werte in seinem Kreis. „Eine völlige Schließung der Grenze würde sich jedoch unzweifelhaft negativ auf die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems im Kreis auswirken, da ein großer Teil des medizinischen Personals der Region aus Polen einpendelt”, betonte er.

Um das Pandemiegeschehen in den Griff zu bekommen, sei der Wunsch nach weiteren Einschränkungen des Grenzverkehrs absolut nachvollziehbar. Andererseits sei Grenzregion strukturell/ökonomisch mittlerweile derart eng verflochten, dass die Auswirkungen sehr differenziert betrachtet werden müssen.

JETZT NEU: CORONA-UPDATE PER MAIL

Der tägliche Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Rostock

zur Homepage

Kommentare (4)

Atemwegsviren ernten, egal was man dagegen macht, Natur findet einen Weg (Sorry, liebe Extrem-Naturschützer). Auch Grippeviren töten nicht ständig flächendeckend, sie können auch regional tödlicher sein. Viele Faktoren spielen eine Rolle: Genetik, Blutgruppen, Umweltbedingungen, Infrastruktur usw. Viren entwickeln sich bekanntlich weiter. Na gut, bekannt ist das leider kaum, obwohl seit Jahrzehnten erforscht. Es wird nur selten in der Öffentlichkeit wahrgenommen oder wiedergekäut. Das Starren auf Corona macht es hier trotzdem nicht einfacher, weil man weiter auf Corona fixiert ist. Bei einer anderen Zeitung wurde meine Meinung zensiert, weil das Wort Grippeverharmlosung vorkam. Dort ist man der Meinung, ich umschreibe mit diesem Wort die Verharmlosung von Corona. Die Gehirne sind eben noch nicht überall frei.

Es befällt Lunge, Gehirn, Nieren usw. Schlaganfälle sind nicht selten.

Hat die Bestrahlung schon gewirkt. Professor Pommes. Der Weltenverbesserer. Omg sein Umfeld tut mir leid den in der Verwandtschaft und ich wäre geplatzt.

Die Rechten Viren können dich auch befallen.