60 Prozent der Menschen in MV sind zu dick (Symbolbild).
60 Prozent der Menschen in MV sind zu dick (Symbolbild). Sebastian Kahnert
Fettleibigkeit

MV ist das Schwergewicht beim Übergewicht

Mecklenburg-Vorpommern führt die deutschlandweite Statistik über Adipositas an. Davon sind auch zunehmend Kinder betroffen. Politiker kündigen eine neue Ernährungsstrategie an.
Schwerin

Mecklenburg-Vorpommern liegt bundesweit auf dem ersten Platz beim Anteil stark übergewichtiger Bürger, das geht aus einer aktuellen Statistik hervor. 21,8  Prozent leiden demnach hierzulande unter Adipositas, 38,2 Prozent unter leichtem Übergewicht. Insgesamt seien 60 Prozent der Menschen in MV zu schwer, im Bundesdurchschnitt sind es 52,7 Prozent. Geschlagen wird MV in dieser Disziplin nur von Sachsen-Anhalt.

Der Messung aus dem letzten Mikrozensus 2017 liegt der Körpermasseindex (BMI) zugrunde, für dessen Ermittlung das Körpergewicht durch die Größe in Metern zum Quadrat geteilt wird. Ein BMI zwischen 18,5 und unter 25 gilt als ideal. Ab 25 stuft das Statistische Amt Personen als leicht übergewichtig, ab 30 als adipös ein. Doch die Messmethode ist umstritten, weil sie wichtige Faktoren wie Geschlecht, Alter, Muskelmasse und Fettverteilung außer Acht lässt.

Übergewichtige in MV

Trotz solcher statistischer Ungenauigkeiten ist unbestreitbar, dass Übergewicht zu einem Massenphänomen geworden ist. In den letzten 15 Jahren habe der Anteil Übergewichtiger in MV kontinuierlich zugenommen, vermeldet das Statistische Amt – seit der vorletzten Messung 2013 stagniert er nun auf hohem Niveau.

Gründe für die alarmierenden Zahlen sind Bewegungsmangel, auch durch erhöhten Medienkonsum und falsche Ernährung, wobei die Ursachen hierfür tief in der Psyche liegen können, Stress und Gene spielen auch eine Rolle. Menschen aus sozial benachteiligten Schichten seien tendenziell gefährdeter, informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Das Problem Übergewicht umfasst alle Altersgruppen. Doch mit zunehmendem Alter nimmt auch der Anteil an Übergewichtigen zu. Am meisten fallen dabei die 65- bis 70-Jährigen ins Gewicht, von denen laut Statistik 71,9 Prozent zu dick sind.

Viele Kinder zu schwer

Doch auch schon 15,4 Prozent der Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahre sind in Deutschland übergewichtig, 5,9 Prozent sogar adipös, meldet die „Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter“. In MV war im Schuljahr 2017/2018 jedes siebte Vorschulkind zu schwer.

Leichtes Übergewicht sei nicht pauschal ein Gesundheitsrisiko, klärt Dr. Uwe Beiser in einer Fachzeitschrift auf. Bei „Molligen“, also Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 29,9, sei die Mortalität insgesamt nicht höher als bei Normalgewichtigen, manche Krankheiten steckten sie sogar leichter weg.

Mehr Spaß am Sport

Ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko bestehe bei Adipositas, also für fast 22  Prozent der Bevölkerung in MV. Die Politiker des Landtags beraten derzeit über Maßnahmen für abnehmende Zahlen und Bürger, insbesondere bei Schülern: Die Linke fordert Schulen dazu auf, mehr Spaß am Sport zu vermitteln, „anstatt den Leistungsdruck zu erhöhen.“ Ein Antrag der AfD, eine dritte Sportstunde für alle Klassen einzuführen, wurde abgelehnt.

Schulen sollen auf Anregen des Landtags künftig zu den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verpflichtet werden, die etwa Fleisch höchstens zwei Mal pro Woche empfehlen. Die Essenszeiten sollen verlängert werden, eine Vernetzungsstelle für Seniorenverpflegung sei in Vorbereitung. Agrarminister Till Backhaus (SPD) kündigt eine Ernährungsstrategie an. Dort sollen die ernährungspolitischen Instrumente für MV zusammenfasst werden, sagte er im Landtag. „Politisches Handeln ist gefragt.“

Die Freien Wähler schlagen einen Wettbewerb für Schulessen vor. Ein Elf-Punkte-Plan wurde jetzt von der CDU veröffentlicht, der auch Kitas einschließt und zudem vorsieht, die Einführung einer Zuckersteuer für Deutschland zu prüfen und süße Versuchungen von Supermarktkassen zu verbannen. Die Linke spricht sich gleich für ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel aus.

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