GöTTLICHE ÜBERTREIBUNG

MV-Justizministerin liest die Bibel ganz neu

Weniger motivierend als gedacht: 6000 Mal will MV-Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) die „ermutigenden Worte 'Steh auf!'" in der Bibel gezählt haben. Da hat sie allerdings 5930 mal falsch gelesen.
Daniel Focke Daniel Focke
Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) unterstützt den 8. Bibelwettbewerb für Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Hat sie sich in ihrem Grußwort verzählt?
Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) unterstützt den 8. Bibelwettbewerb für Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Hat sie sich in ihrem Grußwort verzählt? Jens Büttner
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Schwerin.

Unter dem Motto „Aufsteh’n. Losgeh’n. Was bewegen“ veranstalten der Arbeitskreis Bibelwettbewerb in diesem Jahr den 8. Bibelwettbewerb für Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Justizministerin und Schirmherrin Katy Hoffmeister (CDU) lädt dazu in einem Grußwort ein.

Dazu schreibt die Ministerin bezugnehmend auf das Motto, dass in der Bibel „die ermutigenden Worte „Steh auf“ mehr als 6000 Mal vorkommen.” Eine Zahl die überrascht, da die Bibel mit über 31.000 Versen dann durchschnittlich alle fünf Verse diese Aufforderung enthalten müsste.

Der Nordkurier hat nachgezählt…

In Zeiten der digitalen Durchsuchbarkeit der Bibel kann in der Luther-Bibel insgesamt 57 Mal die Wortkombination „Steh auf” gefunden werden. Die katholische Einheitsübersetzung kommt indes sogar auf 70 Stellen. Selbst wenn die Wörter einzeln gesucht werden, kommen "Steh" (70 Mal in der Luther-Bibel) und "auf" (5138 Mal) nicht auf die Summe im Grußwort der Justizministerin. Da Hoffmeister auch als Schirmherrin sicher nicht alle Verse selbst gezählt hat, besteht die Frage, wie es die hohe Zahl in das Grußwort geschafft hat.

Im zuständigen Arbeitskreis Bibelwettbewerb sind neben dem Erzbischöflichen Amt Schwerin sowie dem Erzbistum Hamburg und dem Justizministerium, auch neben Anderen das evangelische Bibelzentrum Barth, der Religionslehrerverband und die Mecklenburgische und Pommersche Bibelgesellschaft aufgeführt.

Eine Möglichkeit wie es zu der hohen Zahl kommen konnte, liegt womöglich in der Suchfunktion der Webseite der Deutschen Bibelgesellschaft: Werden hier die Worte „Steh auf” zusammen gesucht, werden über 6100 Ergebnisse angezeigt. Die Suche schließt aber nicht nur zahlreiche Bibel-Übersetzungen, sondern auch viele andere Publikationen ein – darin tauchen die beiden Wörter vielfach auf.

Aufgefallen war dies dem atheistischen Autor Matthias Krause, der die Zahl im Grußwort des Bibelwettbewerbs als Erster kritisiert hat. Sowie auch die Beteiligung eines Ministeriums, da es aus seiner Sicht " nicht die Aufgabe der Landesregierung ist, die Bibel und das Christentum zu bewerben."

Antwort des Justizministeriums

Der Pressesprecher des Justizministeriums MV, Tilo Stolpe, antwortet im Namen des Arbeitskreises Bibelwettbewerb auf die Anfrage des Nordkuriers:
"Die beiden Worte „steh“ und „auf“ kommen über 6.000 Mal in der Bibel vor. Die Bedeutung der Worte im gedachten Zusammenhang mit „etwas bewegen“ bleibt unbenommen: Wir können in der Gesellschaft etwas bewegen und aufbauen, wenn wir aufstehen und es anpacken. In der Tat kommt die Kombination „steh auf“ seltener vor."

"Ganz unabhängig von der genauen Anzahl der Aufforderung „steh auf“ in der Bibel sieht der Arbeitskreis Bibelwettbewerb in dem Motto „Aufsteh’n. Losgeh’n. Was bewegen“ eine wichtige Botschaft, mit dem sowohl christliche als auch nichtchristliche Schülerinnen und Schüler einen wertvollen Beitrag zum Wettbewerb leisten können."

Dazu weißt er darauf hin, dass "nicht die Katholische Kirche und das Justizministeriumallein zum Bibelwettbewerb aufrufen, sondern der Arbeitskreis Bibelwettbewerb, zu dem unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern [...] und aus dem Geschäftsbereich des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur gehören."

Aktualisierung 7. Mai 2019 - 12:15 Uhr:

Im Telefongespräch mit dem Nordkurier sieht der Pressesprecher die Möglichkeit, dass das Grußwort geändert werden könnte, da man sich nicht an einer Zahl aufhängen sollte. Auch soll es im Sommer ein nächstes Treffen des Arbeitskreises  Bibelwettbewerb geben, bei dem dieses Thema nochmal zur Sprache kommt.

 

 

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Kommentare (1)

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