UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS

MV-Landtag will Awo-Affäre aufklären (Video)

Hat sie weggeschaut? Wollte sie nichts wissen? Oder hat es sie einfach nicht interessiert? Die Awo-Spitze muss sich ab Montag unangenehmen Fragen stellen.
Dass die Landesspitze sich wenig für die Vorkommnisse an der Basis interessiert hat, ist spätestens mit Beginn der A
Dass die Landesspitze sich wenig für die Vorkommnisse an der Basis interessiert hat, ist spätestens mit Beginn der Awo-Affäre im Awo-Kreisverband Müritz deutlich geworden. Bernd Wüstneck
Schwerin.

In Sonntagsreden spricht die Landesspitze der Arbeiterwohlfahrt in Mecklenburg-Vorpommern gerne von Transparenz – im Alltag aber ist davon nichts zu spüren. Und für noch etwas rühmt sich der Awo-Landesverband – als große Dachorganisation für seine 15 Regional- und Kreisverbände. Dass die Landesspitze sich aber herzlich wenig für die Vorkommnisse an der Basis interessiert hat, ist spätestens mit Beginn der Awo-Affäre im Awo-Kreisverband Müritz deutlich geworden.

Dort hatten sich Geschäftsführung und Vorstandsvorsitzender über Jahre gegenseitig lukrative Verträge zugeschanzt – der Awo-Landesverband in Schwerin bekam dies trotz engster personeller Verflechtungen nicht mit. Und das, obwohl der Awo-Vorsitzende an der Müritz, Götz-Peter Lohmann, sogar Vize-Chef des Landesverbandes war. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Schwerin, Lohmann und Awo-Geschäftsführer Peter Olijnyk stehen unter schwerem Untreueverdacht. Zivilrechtlich ist Olijnyk bereits zur Rückzahlung von 400.000 Euro an zu viel kassierten Gehältern rechtskräftig verurteilt worden.

Der Landesverband wusste von all dem angeblich nichts und interessierte sich offenbar auch nicht für die wirtschaftlichen Jahresberichte, die die Regionalverbände regelmäßig ihrem Schweriner Dachverband vorlegten. Ein Spitzenfunktionär der Awo-Landesspitze verstieg sich sogar einmal zu der Aussage, dass man doch wohl nicht ernsthaft erwarte, alle Jahresberichte detailliert zu lesen.

Misstände auch in anderen Wohlfahrtsverbänden

Nun, nicht nur an der Müritz wurde getrickst, auch andere Regionalverbände machten sich mit wirtschaftlichen Verquickungen zwischen ehrenamtlichem Vorstand und hauptamtlicher Geschäftsführung angreifbar.

All diese Missstände in der Awo, aber auch in anderen Wohlfahrtsverbänden kommen ab Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtages zur Sprache. Den Anfang im Zeugenstand macht Ulf Skodda, Awo-Landeschef in den Jahren 2008 bis 2012. In späteren Vernehmungen knöpft sich der Landtag den früheren Landes-Vorsitzenden Rudolf Borchert vor – er war über Jahrzehnte einer der engsten Freunde von Peter Olijnyk, will aber von all den kriminellen Machenschaften an der Müritz nichts mitbekommen haben. Obwohl Borchert selbst auch Kreisvorsitzender der Awo-Müritz gewesen war und Verträge Olijnyks mit unterzeichnet hat.

 

 

 

Der Awo-Untersuchungsausschuss des Landtages befasst sich seit zwei Jahren mit den dubiosen Geldflüssen von den staatlichen Kassen des Sozialministeriums in die Portemonnaies der Wohlfahrtsverbände. Diese Geldflüsse liefen zum größten Teil wenig kontrollierbar und nach einem Geheimschlüssel der in der Liga der Spitzenverbände zusammengeschlossenen Wohlfahrtsorganisationen. Um diese Geheimniskrämerei künftig auszuschließen, arbeiten Sozialministerium und Landtag gerade ein Wohlfahrtsgesetz aus. Dies soll ab dem kommenden Jahr in Kraft treten.

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