Enge Verbindung: Stefan Sternberg (am Rednerpult) mit Generalmajor Carsten Breuer (links daneben) nach der Bekämpfung der
Enge Verbindung: Stefan Sternberg (am Rednerpult) mit Generalmajor Carsten Breuer (links daneben) nach der Bekämpfung der Waldbrandkatastrophe von Lübtheen. Jetzt treffen sich die beiden Krisenmanager in der Corona-Pandemie wieder. Bodo Marks
Landrat Sternberg

MV-Mitglied im Corona-Expertenrat rechnet mit vierter und fünfter Impfung

Stefan Sternberg aus Ludwigslust-Parchim ist der einzige Landrat, der im Expertenrat der Bundesregierung sitzt und jetzt mit Drosten, Streek und Co. die Politik berät. Er geht von weiteren Impfungen aus.
Schwerin

Es war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bundeskanzlers Olaf Scholz – die Einberufung eines Expertenrates, der die Bundesregierung ganz eng bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie begleitet. Ob RKI-Chef Lothar Wieler, die Top-Virologen Christian Drosten und Hendrik Streek oder der Leiter der Impfforschung an der Charité in Berlin, Leif Erik Sander – 17 hochkarätige Wissenschaftler konferieren in enger Taktung.

Mit am virtuellen Tisch sitzt auch Stefan Sternberg. Der Landrat von Ludwigslust-Parchim berät mit und soll vor allem die Probleme aus Sicht der Kommunen vor Ort beleuchten.

„Große Wertschätzung miteinander”

Nachdem sich das Gremium am vergangenen Dienstag das erste Mal per Videoschalte traf, galt es im Zuge der heraufziehenden Omikron-Variante schnell eine Empfehlung abzugeben, wie sich die Politik kurzfristig verhalten sollte. „Wir haben uns in der ersten Woche vier Mal zusammengeschaltet und intensiv in kleineren und größeren Runde beraten”, berichtet Sternberg, der sich nach eigenen Worten als „kleiner Kommunalpolitiker” zunächst in dem Expertenrat zurechtfinden musste.

Doch dies sei dann ganz schnell gegangen – alle Mitglieder würden mit großer Wertschätzung miteinander umgehen, plaudert der SPD-Politiker aus der vermeintlichen Provinz aus dem Innenleben des Gremiums. „Die Meinung jedes Einzelnen wird zugelassen und respektiert”, sagt Sternberg. Aufgabe des Expertenrates, der sich jeden Dienstag berät, sei, der Politik Instrumente bei der Pandemie-Bekämpfung an die Hand zu geben – unabhängig vom politischen Mainstream.

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Wie kommen Polizei, Feuerwehr und Landwirtschaft durch die Pandemie?

Er spüre auch, wie interessiert beispielsweise die Virologen an der kommunalen Ebene seien. Sternberg befasste sich in den ersten Treffen in einer kleineren Gruppen mit der kritischen Infrastruktur. „Was passiert beispielsweise, wenn Feuerwehr, Polizei oder auch Lebensmittelproduzenten – und davon haben wir in Mecklenburg-Vorpommern genügend – in ihrer Arbeitsweise durch Corona-Erkrankungen von Mitarbeitern oder Quarantäne bedingten personellen Ausfällen massiv eingeschränkt sind?”, mahnt der Landrat.

Und blickt dabei auf die Weltstadt London: Dort sei die Infrastruktur binnen 48 Stunden durch die enorme Ausbreitung der Omikron-Welle fast zusammengebrochen. „Viele bei uns in Deutschland ahnen noch gar nicht, welche Gefahr durch Omikron auf uns zukommt”, befürchtet Sternberg. Deshalb laute auch die Empfehlung des Expertenrates für die am Dienstag tagende Runde von Kanzler und Länderchefs, unbedingt die Kontakte zu reduzieren. Sternberg wörtlich: „Das Virus verteilt sich durch Reisen. Deshalb muss sich jeder einzelne ganz bewusst fragen, welche Reisen er zu Weihnachten wirklich unternehmen möchte.”

„Corona-Pandemie ist ein Marathon – kein Sprint”

Für Stefan Sternberg ist klar: „Die Corona-Pandemie ist ein Marathon – kein Sprint. Es wird noch eine vierte und fünfte Impfung benötigen, um die Pandemie zu bekämpfen.” Man müsse eher in Jahren als in Wochen und Monaten rechnen.”

Der Landrat weiß wo von er spricht – und blickt auf die Waldbrandkatastrophe vor gut zwei Jahren in Lübtheen inmitten seines Landkreises. „Da hatten wir 14 Tagen Horror und dann war das Feuer aus. Jetzt aber haben wir seit mehr als 1,5 Jahren eine Dauerkrise. Das heißt für mich aus kommunaler Sicht: Ich habe meinen Krisenstab im Landkreis entsprechend umgebaut. Ich habe jetzt Mitarbeiter, die dauerhaft Expertise aufbauen können und nicht nach drei Monaten wieder in ihre eigentlichen Jobs abgeordnet werden.”

Empfehlung von Bundeswehr General?

Doch wie kommt ausgerechnet der Landrat aus Ludwigslust-Parchim in den Expertenrat der Bundesregierung? Durch die Kontakte von MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihren kurzen Draht zu Bundeskanzler Olaf Scholz?

Sternberg selbst hat eine eigene Idee: „Bei der Bekämpfung der Waldbrandkatastrophe von Lübtheen hat mich Carsten Breuer von der Bundeswehr stets als seinen ,kleinen Kommunalgeneral' bezeichnet”, erinnert sich der Landrat. Und jetzt ist General Carsten Breuer Chef des Krisenstabes der Bundesregierung – dessen gute Verbindung nach Ludwigslust-Parchim könnte Auslöser der Berufung gewesen sein.

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