Bildungsministern Bettina Martin (SPD) stellte am Montag in Schwerin eine Werbekampagne des Landes vor, um neue Lehrkräft
Bildungsministern Bettina Martin (SPD) stellte am Montag in Schwerin eine Werbekampagne des Landes vor, um neue Lehrkräfte zu gewinnen. Jens Büttner
Schulen

MV muss bis zum Jahr 2026 rund 4000 Lehrer einstellen

MV benötigt so schnell wie möglich tausende Lehrer. Hat das zuständige Ministerium eine Entwicklung verschlafen oder ist es Opfer von Altlasten? Bildungsministerin Martin will nicht in der Vergangenheit rühren.
Schwerin

Hinter dem sperrigen Wortungetüm „Lehrerbedarfsprognose“ verbergen sich alarmierende Zahlen. Demnach muss das Land Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten fünf Jahren rund 4000 Lehrer einstellen, um den Unterricht in den Schulen zu gewährleisten. Grundlage der Berechnung ist eben jene Lehrerbedarfsprognose, die Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Dienstag im Landeskabinett vorgestellt hat.

„MV hat auch in den kommenden Jahren einen großen Lehrerbedarf, weil viele Lehrer altersbedingt in den wohlverdienten Ruhestand gehen“, erläuterte Martin die Zahlen. Nach Ministeriumsangaben wird die Prognose alle fünf Jahre fortgeschrieben und ist an demografischen Rahmenbedingungen ausgerichtet.

„Von 2017 bis 2020 sind landesweit insgesamt 2861 neue Lehrkräfte eingestellt worden. Im vergangenen Jahr waren es mit 877 Neueinstellungen so viele wie noch nie in der Geschichte des Bundeslandes“, gab sich Martin bei der Rekrutierung von neuen Lehrern in den kommenden Jahren optimistisch. Mit attraktiver Bezahlung und einer avisierten Verbeamtung sollen Pädagogen in den Nordosten gelockt werden.

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Es fehlt eine ganze Lehrergeneration

Doch dies ist nur eine Wahrheit in der Geschichte der Lehrerbedarfsprognose in MV. Denn: In den 90er Jahren war die Schülerzahl in MV aufgrund des Geburtenrückgangs auf ein Drittel seiner vorherigen Größe abgesackt – mit der Folge, dass in MV bis zum Jahr 2014 kaum Lehrer eingestellt worden waren. Es fehlt laut Ministerium eine ganze Lehrergeneration.

Während Ministerin Martin darauf verweist, dass sie seinerzeit noch nicht im Amt gewesen sei und deshalb nicht in die Vergangenheit blicken möchte, sieht Oppositionspolitikerin Simone Oldenburg (Die Linke) genau in der Historie das Problem. „Heute rächt sich, dass die Landesregierung eine tatsächliche Reform zur Verbesserung des Lehramtsstudiums seit Jahren scheut wie der Teufel das Weihwasser.” Immer noch seien zahlreiche der ausgeschriebenen Referendarplätze nicht besetzt, so Oldenburg. 2020 sollen es knapp 150 gewesen sein. 240 Lehrstellen seien zudem nicht besetzt. Zusätzliche Lehrkräfte für die Beseitigung der coronabedingten Wissenslücken, der Förderung und Betreuung der Schüler seien noch nicht einmal berücksichtigt. Gleichzeitig äußerte Oldenburg den Verdacht, dass es sich bei der nun vorgestellten Prognose um veraltete Zahlen aus dem Jahr 2017 handeln würde.

FDP: Lehrermangel verhagelte Berufsschülern fast den Abschluss

Im übrigen bezeichneten es die Linksfraktion und die FDP als „Riesensauerei“ beziehungsweise „Skandal“, dass die Lehrerbedarfsprognose trotz mehrmaliger Anmahnung mit einem halben Jahr Verspätung vorgestellt worden sei. „Die Landesregierung hat es in den letzten fünf Jahren nicht geschafft eine Lösung zu finden und nun die Zahlen verzögert. Der Mangel an Lehrkräften hat schon in diesem Jahr beinahe dazu geführt, dass Berufsschüler ihren Abschluss nicht machen konnten“, kritisierte der FDP-Bundestagsabgeordnete Hagen Reinhold aus MV.

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