Genting Hongkong

„MV rettet seit 30 Jahren seine Werften”

3200 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel – die in ihrer Existenz bedrohten MV Werften lassen auch im Landtag alle Alarmglocken schrillen. Dabei erhob der Wirtschaftsminister schwere Vorwürfe.
In ihrer Existenz bedroht: die MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund.
In ihrer Existenz bedroht: die MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund. Jens Büttner
Schwerin

Dringlichkeitsanträge von AfD, Linke, CDU und SPD zu einem Thema – allein dies zeigt, dass der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstagmittag eine außergewöhnliche Debatte geführt hat. Die in in der Corona-Krise in finanzielle Schieflage geratenen MV Werften, Teil des asiatischen Mutterkonzerns Genting Hongkong, kämpfen ums Überleben, 3200 Arbeitnehmer bangen gemeinsam mit ihren Familien um ihre Existenz.

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„MV Werften nicht in die Pleite reden”

Grund genug für die Politik, Transparenz zu verlangen, um die Öffentlichkeit zu informieren, was für Zukunftsmodelle in der Werftindustrie möglich sind und was mit möglichen öffentlichen Rettungsgeldern passiert. Doch unter Transparenz verstehen die einzelnen Parteien offenbar etwas anderes: Während Gunther Jess von der AfD darauf verwies, dass sich die SPD liebend gern an einer öffentlichen Debatte vorbei geschummelt hätte, machte Jochen Schulte als Parlamentarischer Geschäftsführer der Sozialdemokraten deutlich, dass man unbedingt vermeiden wolle, die MV Werften in die Pleite zu reden.

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„Werften-Krise muss Chefsache werden”

Simone Oldenburg, Vorsitzende der Linksfraktion, betonte, dass MV seit 30 Jahren seine Werften rette. „Ich erwarte, dass die Ministerpräsidentin die aktuelle Werftenkrise zur Chefsache macht und in der September-Sitzung des Landtages eine Regierungserklärung abgibt, forderte Oldenburg.

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„Es muss nicht jeden etwas in der Presse stehen”

Wirtschaftsminister Harry Glawe machte in einem emotionalen Statement deutlich, dass er sich über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren eine stille Beteiligung des Staates vorstellen könne. „Das hat aber nichts mit einer Verstaatlichung zu tun”, stellte Glawe unmissverständlich klar. Gleichzeitig beklagte sich der CDU-Politiker, dass Einzelheiten aus vertraulichen Sitzungen zehn Minuten später in der Öffentlichkeit durchgestochen werden. Dies sei bei solch sensiblen Themen nicht immer förderlich.

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„Bei den Mitarbeitern auf der Werft hat dieses Durchstechen von Informationen ein mittleres gedankliches Chaos ausgelöst”, sagte Glawe. Man könne ein Unternehmen auch an die Wand reden. „Es muss nicht jeden Tag etwas in der Presse stehen”, so der CDU-Mann.

Sondersitzung des Finanzausschusses

Die Führung der Unternehmensgruppe MV Werften hatte am Mittwoch in einer Mitteilung an die Mitarbeiter bekräftigt, dass der Gesellschafter Genting keine Anteile an der Werft abgeben wolle. Derzeit werde die ganze Kraft in die Beantragung eines Kredits aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds investiert, hieß es in der Mitteilung. Im Rahmen der notwendigen Finanzierung unter dem Fonds habe Genting lediglich die Bereitschaft erklärt, Anteile der Werft als Sicherheit für die Kredite anzubieten.

Zu einem Treffen mit Kreditgebern am Montag sagte Cheah Yoke Sim, Berater der Genting Hongkong, die Finanzpartner zeigten Unterstützung. Es solle eine einvernehmliche Lösung zur Neustrukturierung gefunden werden, die so viel Wert wie möglich für die Gläubiger bewahre, während die Wirtschaftlichkeit der Gruppe wiederhergestellt werde, sobald die Pandemie unter Kontrolle gebracht worden sei. „Einige langfristige Finanzpartner haben zugestimmt, sich einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Gruppe anzuschließen, um der Gruppe ihre Unterstützung zu geben”, sagte der Berater.

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Genting hatte Werften 2016 vor Insolvenz gerettet

Am Freitag tagt der Finanzausschusses in Schwerin in einer Sondersitzung zu dem Thema. Ziel der Landesregierung bleibe es weiterhin, die MV Werften unter den Rettungsschirm des Bundes zu bringen.

Der Multikonzern Genting hatte 2016 die Werften in Wismar, Rostock und Stralsund übernommen, um dort Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf bauen zu lassen. Die erteilten Aufträge reichten weit in die Zukunft und versprachen sichere Arbeitsplätze für zuletzt insgesamt 3100 Beschäftige. Doch wurden infolge der Corona-Pandemie und fehlender Einnahmen die Arbeiten auf den Werften im März eingestellt. Bis zum Jahresende wurde Kurzarbeit beantragt. Vor vier Jahren hat Genting die Werften in MV vor der Insolvenz gerettet”, erinnerte Glawe.

Mit Hilfe des Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes soll die Finanzierung der milliardenschweren Schiffsneubauten für den asiatischen Kreuzfahrtmarkt nun gesichert werden. Die MV Werften hoffen auf 570 Millionen Euro. Das Land hatte seinen Bürgschaftsrahmen im Juni bereits um 175 Millionen Euro aufgestockt.

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Kommentare (1)

Wenn seit 30 Jahren die Werften in MV nur exisitieren können durch Staatliche Hilfe dann sind sie bereits verstaatlicht. Durch immer wieder neue Bürgschaften ( Steuergeld) verschleppt sich nur das Sterben der Werften aber aufzuhalten ist es nicht. Und wielange soll der Steuerzahler dafür noch aufkommen? Geht es der Landesregierung nur darum Werften zu erhalten weil wir das Wasser direkt vor der Tür haben und der Schiffsbau eine gewisse Tradition hat? Viele Berufe hatten Tradition und sind nach und nach verschwunden aufgrund des demografischen Wandels. Aber im Falle der Werften wird der Patient, der längst im Koma liegt, künstlich beatmet. Das muss endlich aufhören.