Die Schulschließungen während der Corona-Pandemie haben sich extrem negativ auf die Leistungen der Schüler aus
Die Schulschließungen während der Corona-Pandemie haben sich extrem negativ auf die Leistungen der Schüler ausgewirkt. Julian Stratenschulte
Corona-Pandemie

MV-Schüler mit enormen Defiziten in Deutsch und Mathe

Die Corona-Pandemie mit mehrmonatigen Schulschließungen hinterlässt Spuren. Das aktuelle Bildungsmonitoring liefert erschreckende Ergebnisse – Bildungsministerin Simone Oldenburg ist besorgt.
Schwerin

Deutschlands Hardliner-Kurs in der Corona-Pandemie hat Folgen: Der am Freitag veröffentliche IQB-Bildungstrend offenbart große Mängel bei den Leistungen Grundschülern. Im Auftrag der Kultusministerkonferenz hatte das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) von April bis August 2021 in einer großen Stichprobe 26.844 Viertklässler aus allen Bundesländern auf ihre Leistungen in Deutsch und Mathematik getestet.

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MV-Bildungsministerin Simone Oldenburg zeigte sich Freitagabend erschrocken. „Auch wenn die Studie für MV nicht vollständig ist, da aufgrund der frühen Ferien nur 36 Schulen aus unserem Bundesland teilgenommen haben, haben auch die Grundschüler unseres Bundeslandes Defizite.”

In Zahlen ausgedrückt: Im Kompetenzbereich Lesen sank der Leistungsstand der Schüler um 22 Punkte von 493 auf 471 Punkte. Im Bereich Mathematik ging es um 21 Punkte von 483 auf 462 Punkte bergab. In der Orthografie wurden nur noch 473 Punkte erreicht – nach zuvor 500 Punkten. Die größte Talfahrt gab es im Kompetenzbereich Zuhören. Dort sank der Leistungsstand um 28 Punkte von 484 auf 456 Punkte.

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Nach Experteneinschätzung sei gerade die Abwärtsspirale beim Zuhören ein klares Indiz, dass die Kinder in der Pandemie allein gelassen worden seien und sich nur noch mit Tablets, Smartphones oder anderen elektronischen Geräten beschäftigt hätten. Die Kommunikationen untereinander, zu dem auch das Zuhören gehört, sei extrem vernachlässigt worden.

Deshalb ist für Simone Oldenburg klar: „Wir müssen intensiv an einer Verbesserung der Kernkompetenzen in allen Schularten und in allen Jahrgangsstufen arbeiten. Die Defizite im mathematischen Bereich sowie im Fach Deutsch fallen nicht vom Himmel. Wir müssen dringend die Förderung der Kinder in der Grundschule erhöhen, um weniger Lücken entstehen zu lassen und ihnen mehr Zeit zum Üben in der Schule zu geben.”

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Gesagt, getan. „Wir planen eine verbesserte Förderung in den Fächern Mathematik und Deutsch auch in der Grundschule“, erklärte die Bildungsministerin. Dem Nordkurier nannte die Bildungsministerin vier Maßnahmen, die beim Defizitabbau helfen sollen: „Schulschließungen durch das Phasenmodell vermeiden, vor allem die Grundschulen mit mehr als 100 Schulassistenzkräften ausstatten, das Programm „Aufholen nach Corona” fortführen und Angebote des ganztägigen Lernens nutzen, um die mathematischen Kenntnisse sowie die in der deutschen Sprache zu stärken”

Und noch etwas betonte die Politiker der Linken: „Kinder brauchen dringend Schule – für Unterricht, für Struktur und das soziale Miteinander.”

Die Studie belegte im übrigen auch, dass gerade Kinder aus sozial schwächeren Gesellschaftsschichten wesentlich schlechter durch die Pandemie gekommen seien. Die Schere zwischen armen und reicheren Schülern sei auch im Bereich des Leistungsstandes nochmals weiter auseinandergeklappt.

 

 

 

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