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MV setzt alles auf die russische Karte

In der Schiffbauhalle der insolventen P+S-Werft Volkswerft in Stralsund wird am zweiten Spezialfrachter mit der Baunummer 501 für die dänische Reederei DFDS A/S gearbeitet. Die Hoffnungen liegen in Russland.
In der Schiffbauhalle der insolventen P+S-Werft Volkswerft in Stralsund wird am zweiten Spezialfrachter mit der Baunummer 501 für die dänische Reederei DFDS A/S gearbeitet. Die Hoffnungen liegen in Russland.
Stefan Sauer

Wirtschaftsminister Harry Glawe reist mit einer großen Delegation zur Schiffbau-Messe nach St. Petersburg. Moskau will im Gerangel um die insolvente Volkswerft offenbar den Nordic-Yards-Chef Witali Jussufow unterstützen.

Nur drei Tage nach seiner Rückkehr aus Moskau ist am Montag Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) in Begleitung von 37 Managern aus Mecklenburg-Vorpommern erneut nach Russland gereist. Bis Freitag wolle er auf der am Dienstag beginnenden internationalen Fachmesse für Schiffbau, Schifffahrt und Offshore-Technik (NEVA) in St. Petersburg für die ostdeutsche Werftindustrie und ihre Zulieferer werben, sagte er. Insgesamt zwölf Aussteller aus Mecklenburg-Vorpommern sowie das Zustellernetz MAZA sind in Petersburg vertreten, so viele wie nie zuvor. In einem Workshop will Glawe russische Unternehmer vom Investitionsstandort Mecklenburg-Vorpommern überzeugen.

Die Präsenz unterstreicht, wie sehr die angeschlagene Schiffbaubranche inzwischen auf die russische Karte setzt. Nachdem schon die Schiffbaustandorte Wismar und Warnemünde an Nordic-Yards gingen, zeichnet sich möglicherweise auch eine Übernahme der insolventen Volkswerft durch den russischen Großunternehmer Witali Jusufow ab. Glawe sagte, nach seinen Gesprächen mit Vertretern des russischen Industrieministerium in der vergangenen Woche, habe er den Eindruck gewonnen, dass Moskau ganz klar das Konzept von Jusufow und nicht die Kauf-Offerte der staatlichen Holding AK BARS aus Tatarstan favorisiere.

Deutsche Technik ist beliebt

Nach Angaben des deutschen Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik genießt deutsches Knowhow in Russland einen guten Ruf. Jüngster Beleg dafür dürfte die neuartige Technologie „Automatisches Rohrknotenschweißen“ sein, die in Petersburg von der Rostocker IMG-Group vorgestellt werden soll. Auf dieser Produktionsanlage können Rohre mit einem Durchmesser von zwei bis vier Metern punktgenau zu Konstruktionen verschweißt werden, die unter anderem als Offshore-Fundamente oder bei Brückenbau zum Einsatz kommen. Gegenüber bisherigen Verfahren steige die Produktivität um 40 Prozent, sagte IMG-Chef Reinhart Kny.