Nato-Übung
MV-Soldaten richten Raketen auf Himmel über Norwegen

Das Waffensystem "Patriotein" ist Raketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen
Das Waffensystem „Patriotein” ist Raketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen
Bundeswehr/Lars Koch

In dieser Woche beginnt in Norwegen eine der größten Militär-Übungen in der Geschichte der Nato. Die Soldaten der Flugabwehr aus Mecklenburg-Vorpommern präsentieren sich bereits voll einsatzbereit.

Wenn der Feind aus der Luft angreift, sind sie gefragt: Die Bundeswehrsoldaten der Flugabwehrraketengruppe 21 aus Sanitz haben ihre Stellung in Rena bezogen und sind ab sofort voll einsatzbereit.

Vor etwa vier Wochen waren die Sanitzer zusammen mit einer Einheit der Flugabwehrraketengruppe 24 aus Bad Sülze zur Nato-Großübung „Trident Juncture” in Norwegen aufgebrochen. Die Soldaten aus Bad Sülze werden zusammen mit einer Fulgabwehrraktetengruppe aus Husum etwa 120 Kilometer weiter nördlich Stellung beziehen.

Das Manöver soll zeigen, dass das westliche Militärbündnis in der Lage ist, etwa 50.000 Soldaten aus 29 verschieden Nationen zu koordinieren, um „unsere Bevölkerung und Territorien zu verteidigen und potentielle Gegner abzuschrecken”, heißt es von der Nato. Dies geschehe bei „Trident Juncture” zur See, an Land und in der Luft. Erst vor wenigen Tagen hatte US-Admiral James G. Foggo, Kommandeur des Joint Forces Command der Nato in Neapel angekündigt, dass auch ein Flugzeugträger der US-Marine in Norwegen zum Einsatz kommen wird. Die "USS Hary S. Truman" wird inklusive Flugzeugen und Begleitschiffen mit einer Besatzung von etwa 6000 US-Soldaten an der Übung teilnehmen.

Beim Beziehen der Stellungen im norwegischen Gelände war so manche Unwegsamkeit zu überwinden.

Die Flugabwehrraketengruppen sollen bei der Großübung eine Verteidigung vor Angriffen aus der Luft ermöglichen. Mit dem Waffensystem „Patriot” – ein Raketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen – sollen sie konkret Infrastruktur, Gefechtsstände und mobile Heeresverbände vor Bedrohungen aus der Luft schützen, wie die Bundeswehr mitteilt.

Die Bundeswehr stellt nach eigenen Angaben bei der Nato-Großübung mit fast 10.000 Soldaten und mehr als 4000 Fahrzeugen nach den USA das zweitgrößte Kontingent. Dass deutsche Soldaten in so großer Truppenstärke bei „Trident Juncture“ vertreten sind, liegt auch daran, dass die Bundeswehr im kommenden Jahr die sogenannte Speerspitze der Nato stellen wird. Diese schnelle Eingreiftruppe soll ab Januar 2019 innerhalb von drei Tagen an jedem Ort der Welt eingesetzt werden können.

Doch es geht nicht um jeden Ort der Welt, sondern um Russlands Nachbarn. Die Gründung der schnellen Eingreiftruppe mit dem offiziellen Namen Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) war ein Ergebnis des Nato-Gipfels in Wales im Jahr 2014. Dieser stand ganz im Zeichen der Ukraine-Krise. Zuvor waren russische Kampfverbände auf der Krim einmarschiert.

Letzte Feinjustierung im Feuerleitbereich durch das Wartungspersonal

Später hatte Russland die Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer völkerrechtswidrig annektiert. Bis heute dauern Kämpfe zwischen sogenannten pro-russischen Separatisten und dem ukrainischen Militär an. Die Staaten im Baltikum fordern seitdem aus Furcht vor Russland eine verstärkte Präsenz der Nato in ihren Ländern.

Zwar werden Nato-Offizielle nicht müde zu betonen, dass sich „Trident Juncture” nicht gegen einen konkreten Gegner richtet. Dass die Großübung jedoch in einem Land stattfindet, das sich eine Grenze mit Russland teilt, ist für Kritiker alles andere als Zufall. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wird die Bundeswehrbeteiligung an der Nato-Großübung den deutschen Steuerzahler etwa 90 Millionen Euro kosten.