Der Bund will die Windkraft stark ausbauen – Anlagen wie hier bei Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) würden
Der Bund will die Windkraft stark ausbauen – Anlagen wie hier bei Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) würden dann verstärkt in Mecklenburg-Vorpommern zu sehen sein. Jens Büttner
Windenergie

MV soll Anteil der Flächen für Windkraft verdreifachen

Fluch oder Segen? An der Windkraft scheiden sich die Geister – in Mecklenburg-Vorpommern und auch im Bund. Letzterer macht in Form der neuen Ampelkoalition jetzt mächtig Druck.
Schwerin

Im gerade frisch vorgestellten 77 Seiten dicken Koalitionsvertrag für MV sind es drei Sätze, mit denen die rot-rote Landesregierung explizit etwas zum umstrittenen Thema Windkraft sagt. „Wir wollen bis 2035 rechnerisch den gesamten Energiebedarf des Landes für Strom, Wärme und Mobilität aus Erneuerbaren Quellen decken. Dafür wollen wir den Solar- und Windenergieausbau an Land in Mecklenburg-Vorpommern deutlich beschleunigen, ebenso den Windkraftausbau auf See und schwimmende Photovoltaik (PV). Dabei kommt der Windkraft eine Schlüsselrolle zu“, heißt es als Richtlinie für die neue Legislaturperiode in MV.

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Von konkreten Zahlen, wie deutlich der Ausbau beschleunigt werden soll, kein Wort. Dabei gibt es mittlerweile ein klares Ziel – doch das kommt nicht aus der Landeshauptstadt Schwerin, sondern aus der Bundeshauptstadt Berlin. Denn SPD, Grüne und FDP, jene drei Parteien, die zurzeit eine Ampelkoalition für den Bund aushandeln, haben sich auf eine eindeutige Ansage an die Länder verständigt: Demnach sollen zwei Prozent der Fläche in Deutschland für Windkraft zur Verfügung stehen. So viel sei nötig, um einerseits die Klimaziele zu erreichen und andererseits die Stromversorgung sicherzustellen.

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Zwei Prozent der Fläche – ein Ziel, von dem Mecklenburg-Vorpommern weit entfernt ist. Auf Nordkurier-Anfrage heißt es dazu aus dem von Christan Pegel (SPD) geführten Energieministerium: Nach den derzeitigen Entwürfen aus den Regionalen Raumordnungsprogrammen seien insgesamt etwa 17.000 Hektar für die Nutzung der Windenergie an Land vorgesehen, das seien 0,7 Prozent der Landesfläche. Diese Zahl beinhalte die bestehenden und die geplanten Flächen, also die gesamte zur Verfügung stehende Fläche einschließlich der bebauten Bestandsflächen.

MV vom Zwei-Prozent-Ziel aktuell weit entfernt

Mit anderen Worten: MV müsste, um die Vorgaben des Bundes zu erfüllen, den Anteil seiner Flächen zur Windkraftnutzung verdreifachen. Gleichzeitig räumt das Energieministerium ein, dass eine Übersicht über die Bebauung der für die Nutzung der Windenergie vorgesehenen Flächen (Windenergie-Eignungsgebiete) seitens der Landesregierung nicht geführt werde.

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Spannend in dem Zusammenhang: Von den 16 Bundesländern erreicht bisher nur Schleswig-Holstein das Zwei-Prozent-Ziel für Windkraftflächen. Aktuell sind bundesweit nur 0,8 Prozent Fläche planerisch für eine Windenergienutzung festgelegt. In Bund und Länder wird jetzt die Frage diskutiert, ob die zwei Prozent für jedes einzelne Land gelten sollen – oder für den Bundesdurchschnitt. Könnte beispielsweise ein windstarkes Land wie Schleswig-Holstein mit einem höheren Prozentanteil den geringeren Anteil von windschwächeren oder weniger politisch windaffinen Ländern ausgleichen? Stoff für eine beinharte politische Auseinandersetzung.

 

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