NEUE UMFRAGE

MV-SPD führt jetzt bei Landtags- und Bundestagswahl

Eine neue Umfrage im Auftrag des Nordkurier sieht die SPD im Höhenflug. Hier gibt es alle Zahlen und Fakten – und erste Reaktionen.
Die SPD ist die große Siegerin einer neuen repräsentativen Nordkurier-Umfrage für Mecklenburg-Vorpommern
Die SPD ist die große Siegerin einer neuen repräsentativen Nordkurier-Umfrage für Mecklenburg-Vorpommern Jens Büttner / NK-Kombo
Schwerin ·

Jetzt bloß nicht übermütig werden: Sechs Wochen vor der Bundestagswahl und der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wird die SPD immer stärker – so sehr, dass Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sich angesichts einer neuen Nordkurier-Umfrage demonstrativ in Zurückhaltung übt: „Umfragen sind noch keine Wahlergebnisse”, sagte sie am Sonntag: „Die SPD wird deshalb in den nächsten sechs Wochen einen engagierten Wahlkampf führen.”

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Die neue repräsentative Umfrage des Instituts INSA im Auftrag des Nordkurier (1000 Befragte in der Zeit vom 6.8. bis 12.8., telefonisch+online) sieht die MV-SPD bei der Landtagswahl bei 28 Prozent. Das sind noch einmal zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Umfrage vor drei Wochen. Auch bei der Sonntagsfrage für die Bundestags liegt die SPD im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern nun bei 25 Prozent und damit klar vor der CDU, die auf 21 Prozent kommt. Bislang hatte die Union bei der Bundestagswahl in MV stets geführt.

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Für Manuela Schwesig natürlich gute Nachrichten, zumal die SPD in einer weiteren, bundesweiten INSA-Umfrage ebenfalls zulegte und jetzt mit 20 Prozent sogar vor den Grünen liegt. „Großartig” seien die bundesweiten SPD-Werte, so Schwesig: „Das liegt ganz entscheidend an Olaf Scholz. Deutschland braucht gerade in diesen schwierigen Zeiten einen Kanzler mit Erfahrung.” Ob Scholz mit diesen Zahlen allerdings wirklich Kanzler würde, ist offen – wahrscheinlicher sind derzeit noch Dreier-Koalitionen unter Führung der CDU – etwa Schwarz-Grün-Gelb oder Schwarz-Rot-Grün. Das könnte sich in den kommenden Wochen allerdings noch ändern.

Sack warnt: Es läuft auf Rot-Rot-Grün heraus

Doch zurück nach Mecklenburg-Vorpommern, wo die übrigen Parteien, allen voran CDU und AfD, eher bedrückt auf die neuen Zahlen reagierten. CDU-Spitzenkandidat Michael Sack erklärt die schlechten Werte seiner Partei mit der geringen Sichtbarkeit der Union auf Bundesebene – Armin Laschet sei damit beschäftigt gewesen, die Folgen der Flut zu bekämpfen. Nun wolle man sich voll und ganz auf den Wahlkampf konzentrieren. Sack warnte: „Nach den derzeitzigen Zahlen liefe es in MV auf die Wunschkonstellation der SPD hinaus, nämlich auf eine rot-rot-grüne Koalition.”

Auf jeden Fall bleibt sechs Wochen vor der Wahl die Erkenntnis: Die Wähler sind nicht zufrieden mit der Union – und das gilt offenbar auf Bundes- wie auf Landesebene. Immerhin sich Spitzenkandidat Sack damit trösten, dass das CDU-Wahlprogramm auf genau die Themen setzt, die von den Wählern in der Nordkurier-Umfrage als die wichtigsten angegeben wurden: Bildung, Arbeitsplätze und Sicherheit.

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Diese Themen blieben die Hauptthemen der Union, sagte Sack – und außerdem: „Die Pandemie verliert nach und nach ihren Schrecken, ich kann nachvollziehen, dass viele Menschen von dem Thema schlicht nichts mehr hören wollen.” Denn neben dem Thema „Werften” fällt die Bedeutung, die die Bürger dem Thema Corona beimessen, in der Umfrage vergleichsweise niedrig aus.

Schwesig: Corona bleibt wichtig

Auch die SPD sieht sich allerdings bei den Politikfeldern bestätigt. Manuela Schwesig sagte: „Es geht bei der Wahl um die Zukunft unseres Landes.” Die SPD setze auf die drei Themenfelder „Arbeitsplätze und Löhne”, „Kitas und Schulen” sowie Natur- und Klimaschutz. Was die vergleichsweise niedrigen Werte für das Thema Corona angeht, sagte sie: „Corona bleibt wichtig. Aber die Bürgerinnen und Bürger spüren, dass wir alles tun, um das Land gut durch die Corona-Krise zu bringen.“

Das sieht man bei der AfD naturgemäß anders. Spitzenkandidat Nikolaus Kramer sagte, die Menschen erlebten derzeit zwar eine vermeintlich sorgenfreie Zeit ohne Lockdown. Aber: „Die Regierungsverantwortlichen arbeiten an der Zwei-Klassengesellschaft und bedeutende Nachteile für Nicht-Geimpfte drohen. Eine Beibehaltung der Testpflicht bei gleichzeitiger Abschaffung der kostenlosen Tests werden vor allem einkommensschwache Familien treffen und soziale Spannungen verschärfen. Es ist kein Zufall, dass diese Maßnahmen erst alle nach der Wahl in Kraft treten sollen.” Kramer glaubt: „Und dann wird Corona auch wieder ein Thema bei den Menschen in MV sein.”

Linke erfreut über "sehr solides Ergebnis"

Linken-Spitzenkandidatin Simone Oldenburg zeigte sich erfreut über die Zahlen: „Wir freuen uns über unser sehr solides Ergebnis. Es zeigt, dass wir mit unseren Themen, gute Bildung, gute Löhne, gute Arbeit, die wir beharrlich und konsequent vorantreiben, überzeugen. Wir bieten Lösungen genau für die Sorgen, die die Frauen und Männer am meisten bewegen.” Dass das Thema Corona auf der politischen Agenda der Bürger gegenüber anderen weiter nach unten gerutscht ist, erklärt Oldenburg so: „Corona rutscht aus mehreren Gründen nach hinten: zum einen sind nach fast zwei Jahren die Menschen müde, ständig die Gefahrenmeldungen zu hören und mit Einschränkungen leben zu müssen, zum anderen sind viele durch eine Impfung geschützt und zudem der Auffassung, dass eine Regierung nach so vielen Monaten in der Lage sein muss, die Krise ohne Lockdown in den Griff zu bekommen.”

Grüne attackieren Corona-Bildungspolitik

Weike Bandlow, Co-Vorsitzende der Grünen in MV, nutzt die Werte für eine Wahlkampf-Attacke auf die Schwesig-Regierung:„Wir erlebten diesen Sommer nach einem harten und langen Lockdown, wie sich das öffentliche Leben wieder normalisiert hat. Damit ist auch die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Landesregierung in den Hintergrund getreten. Wir erleben jetzt, dass unsere Schulen und Kitas aber bislang für eine vierte Welle nicht gewappnet sind. Die Menschen erwarten zu Recht, dass hier schnellstmöglich nachgesteuert wird. "

FDP-Landeschef René Domke schlussfolgert: „Die Politik ist jetzt in der Pflicht alles zu tun, diese Erwartung zu erfüllen, damit Corona kein bestimmendes Thema mehr wird und wir uns auf die schon vor der Pandemie vorhandene Probleme konzentrieren können.”

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Und wie steht es um die Beliebtheit der Landesminister? Hier ermittelte die Nordkurier-Umfrage durchweg eher durchwachsene Zahlen. Außer dem Altvorderen Till Backhaus (SPD) und Harry Glawe (CDU) ist nur Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) überhaupt halbwegs bekannt bei den Wählern. Sie erhält allerdings, anders als Glawe und Backhaus, auch besonders schlechte Werte. Am schlechtesten schneidet allerdings Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann ab, der sich aber immerhin damit trösten kann, dass ihn besonders viele Bürgerinnen und Bürger nicht kennen.

Bei den Spitzenkandidaten ist die Lage hingegen kaum verändert: So richtig glänzen kann nur Manuela Schwesig - insgesamt gibt es kaum Veränderungen zur letzten Umfrage aus dem Juli.

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Kommentare (5)

Die meisten Wähler unter 45 sind ja auch nichtmehr für eine Wahlumfrage auf dem Festnetz erreichbar.

Die unter 45Jährigen entscheiden auch nicht die Wahl, dass sind eher die älteren Semester.

Der Altersschnitt der unentschlossenen Wähler liegt deutlich höher. Trennung von Person und Partei.

80% finden die Arbeit der CDU unbefriedigend. 80% finden die Arbeit der Kanzlerin zufriedenstellend.

Vermutlich sind das die gleichen 80%.

was sie denkt, sagt, meint, glaubt, tut spielt dabei kaum eine Rolle.
Davon profitiert die SPD in MV offenbar, besonders unter den männlichen? Wählern.
Also ich würde die einst als "Küsten-Barbie" verspottete SPD-Frau ggf. auch wählen,
ja wenn sie denn eine gute Politik für MV gemacht hätte und ich dort in MV noch meinen Wohnsitz hätte.

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus233084763/Bundestag-Epidemische-Lage-das-5te-Mal-verlaengern-Ein-Sinneswandel.html