NACH CORONA

MV-Tourismus drohen herbe Umsatzverluste und Pleiten

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern ist zwar wieder angelaufen – doch die Krise hat tiefe Spuren hinterlassen. Sie werden wohl noch zu Pleiten führen, befürchtet der Dachverband.
Die Strände in Mecklenburg-Vorpommern sind voll – doch die Tourismus-Branche darbt aus verschiedenen Gründen d
Die Strände in Mecklenburg-Vorpommern sind voll – doch die Tourismus-Branche darbt aus verschiedenen Gründen dennoch. Stefan Sauer
Rostock.

Er ist seit Jahren im Geschäft – kennt Ostseeküste, Seenplatte und Inseln wie seine Westentasche. Weiß um Stärken und Schwächen der Tourismusbranche. Doch in diesem Sommer ist für Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, alles anders – die Corona-Krise stellt die wirtschaftliche Lebensader Mecklenburg-Vorpommerns vor nie da gewesene Herausforderungen.

Auslastung liegt keineswegs bei 100 Prozent

Ja, die Strände seien derzeit gut gefüllt – Nein, die Auslastung liege nicht bei 100 Prozent, wie manche Beobachter vermuteten, sagt Woitendorf – und wählt einen ungewöhnlichen Vergleich aus der Schulzeit: „Wenn ich eine Note für den aktuellen Zustand des MV-Tourismus geben müsste, würde ich 2- oder 3+ sagen. Und trotzdem sind wir am Jahresende versetzungsgefährdet.“ Denn die entscheidenden Monate würden noch kommen, macht der Tourismusmanager deutlich.

Nach den Totalausfällen im April und Mai (inklusive des sonst so lukrativen Ostergeschäfts) stehen etliche Betriebe im Tourismus bereits mit dem Rücken zur Wand – härter formuliert: am wirtschaftlichen Abgrund. Denn trotz des derzeitigen guten Zuspruchs an Gästen – „ein Besucheransturm ist das aber lange nicht“, so Woitendorf – fehlen traditionelle Urlaubergruppen. Der Tourismus-Geschäftsführer zählt auf: „Spontanurlauber, Tagestouristen, mehrtägige Busreisen-Gäste und dann jene große Gruppe in Deutschland, denen in diesen Corona-Wochen einfach die Lust auf Sonne und Strand verloren gegangen ist.“

Jeden Tag fehlen 200.000 Tagestouristen in MV

Zu letzterer Klientel gehörten gesundheitliche Risikogruppen, aber auch Menschen, die in Kurzarbeit seien oder bereits ihren Job verloren hätten. „Denen fehlt einfach das Geld zum Urlaub“, weiß Woitendorf.

Und somit ist es für Hotel und Gastronomie in MV extrem schwer, in dieser vermeintlichen Hochsaison den notwendigen finanziellen Speck für die langen und wirtschaftlich eher kargen Wintermonate anzufressen. „Daher sehe ich Ende diesen Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres eine potenzielle Insolvenzgefahr für Teile des Tourismus“, warnt Woitendorf, der von einem durchschnittlich geringeren Jahresumsatz zwischen zehn und 20 Prozent im MV-Tourismus ausgeht. In dem Zusammenhang nennt Woitendorf eine Zahl, die den drohenden finanziellen Verlust veranschaulicht. „Allein durch das Verbot des Tagestourismus fehlen aktuell rund 200 000 Gäste. Täglich!“

Event-Tourismus ist ebenfalls noch nicht vorhanden

Doch jammern möchte der Tourismusmanager nach eigenen Worten auch nicht – verweist auf Großstädte wie Frankfurt/Main, Düsseldorf oder Berlin. „Dort liegt aktuell die Hotelauslastung oftmals nur bei zehn Prozent – der lebensnotwendige Event-Tourismus fast komplett am Boden. Da sind wir in MV doch froh, dass wir zu 85 Prozent belegt sind. Eine gute Entwicklung – gerade vor dem Hintergrund, dass vor acht Wochen noch totale Flaute in den Kasse herrschte.“

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Rostock

Kommende Events in Rostock (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (14)

Ich frage mich ernsthaft wo die 200.000 Urlsuber fehlen. Hier auf Usedom wohl nicht. Lange Schlangen bis auf die Straße hinaus vor den Backstuben, Urlauber stehen Schlange vor dem Hotel zum Frühstücken da sie Ferienapartments des Hotel gebucht haben, volle Supermärkte schon jetzt um 8:30h. Nein, die angeblich fehlenden Urlauber sehe ich nicht. Aber ich sehe die mittelschweren bis schweren Unfälle hier auf Usedom, jeden Tag mit schweren Folgen. Weiter so, oder mehr, ist das die Forderung des Tourismusverband?

Warteschlangen entstehen, weil viele Selbstversorger sind, Hotels und Gaststätten irre Sicherheits- und Abstandsregeln umsetzen müssen und somit die Hotel-Restaurants ohne Buffet (Corona-Auflage) mittelalterlich arbeiten müssen.

und so soll Urlaub erholsam sein? Dann bleibt man am besten zu Hause, fährt verstärkt Rad in die Umgebung, die man zum Teil gar nicht mehr kennt. Das ist dann Entspannung pur. Weniger ist manchmal mehr!

sorgt dafür, dass Sie den Überblick verloren haben. Buffets sind seit 2 Wochen wieder erlaubt. Ihr Argument ist daher mittelalterlich.

Redet man mal mit Rezeptionistin, dann bekommt man bspw. auf Rügen schon seit 4-5 Jahren die Antwort, dass das ganze Jahr Saison sei.
Karge Wintermonate - Mann oh Mann, allenfalls für Radfahrer, aber gerade über Weihnachten und Silvester ist alles so gut wie ausgebucht. Zumindest Hotels auf Rügen. Meine Erfahrung.

Man kann sich auch alles schlecht reden.

... dass der Winter in MV offenbar nur zwei Wochen dauert, von Weihnachten bis Silvester.

... ausgemachter ...
... Rezeptionisten ...

Ok der Corona Einschnitt war hart, zwang zu neuen Wege und Denkansätzen - die Umsätze verschoben sich und werden sich wieder positiv ausbalancieren

Ok, meine Erfahrung seit 5 Jahren Usedom als Wohnsitz: Sommer immer voll, seit 3 Jahren überfüllt, Vorsaison und Nachsaison: gut besucht und angenehm, Brückentage: voll bis übervoll, Weihnachtszeit:voll, Ostern: übervoll (außer 2020), Pfingsten übervoll, Vatertag: voll. Die einzige Zeit die es nicht voll ist, ist Februar und November.
Das Jammern ist völlig daneben, zudem auch noch Millionen an Steuergeldern durch unsere Landesregierung in Schwerin für die Tourismuswerbung ausgegeben werden soll.
Das Geld ist besser in die Infrastruktur gesteckt, für gute Radwege (im Gegensatz zu keinen oder derzeit lebensgefählichen), Ausbau der Zubringerstraßen, Ausbau der Bahnstrecken. Der Ausbau der Zubringerstraßen ist dringend angesagt, denn im Moment gibt es JEDEN Tag mittelere bis schwere Autounfälle auf unseren Straßen. Lebensgefährlich, und so gut wie keine Kontrollen.

und zahlt vor allen euren Mitarbeitern endlich mal eine Lohn der auch ein Auskommen ermöglicht, und nicht noch dazu veralasst, zusätzlich Aufstockung beim Jobcenter zu beantragen!

Wird eigentlich noch über eine WIderaufnahme des Bahnverkehrs auf der kürzeren Strecke von Berlin nach Usedom über die ehemaige Karniner Hubbrücke nachgedacht ? Zu den Kaiserbädern und nach Swinemünde dürfte das eine Stunde Zeiteinsparung ergeben.

Anfrage bei meiner favorisierten Buchungsplattform für (morgen) Mittwoch bis Freitag:
23 Angebote auf Usedom, darunter 17 mal 4-Sterne-Hotel und nur 2 Ferienwohnungen;
"99% der Unterkünfte sind an Ihren Reisedaten auf unserer Seite nicht verfügbar."

Letzte Woche war das Kulturangebot in den Kaiserbädern deutlich zusammengestrichen, obwohl die Open-air-Aufführungsstätten ja gerade in Corona-Zeiten gut zu nutzen wären. Hat man wohl derzeit nicht nötig...

PS: Und das eine Prozent der Beherbungsstätten, die noch freie Zimmer haben, ist natürlich auch nicht leer, sondern hat nur ein paar einzelne Zimmer verfügbar.
Preislicher Schwerpunkt zwischen 200 und 300 € pro Nacht, und das ohne Wochenende. Der Belegungsgrad dürfte damit eher bei 99,9% liegen.
Bezogen auf die Zahl der Betten ist es natürlich etwas weniger, denn manchmal wereden Doppelzimmer zur Einzelbelegung gebucht, und Ferienwohnungen werden seltener bis zur maximalen Kapazität ausgereizt.

Sag ich doch, alles voll, alles belegt und es wird gejammert als würde morgen die Welt untergehen. Eigentlich ist das unverschämt.