Getümmel an der Schleuse in Malchow – die Tourismusunternehmen der Region hoffen, dass in den kommenden Monaten Bil
Getümmel an der Schleuse in Malchow – die Tourismusunternehmen der Region hoffen, dass in den kommenden Monaten Bilder wie diese wieder zum Alltag gehören. Jens Büttner
Wie wird der Sommer? Touristiker blicken hoffnungsvoll auf die Saison 2022.
Wie wird der Sommer? Touristiker blicken hoffnungsvoll auf die Saison 2022. Stefan Sauer
Eine Postkarte von der Ostsee? Viele reisen wieder ins Ausland.
Eine Postkarte von der Ostsee? Viele reisen wieder ins Ausland. Stefan Sauer
Sommer-Saison

MV-Tourismus kämpft noch immer mit den Corona-Folgen

Branchenvertreter hoffen nach einem eher mäßigen Saisonstart auf den Sommer. Die Vorbuchungslage verspricht Gutes – wenngleich die Branche noch krisengebeutelt scheint.
Neubrandenburg

Nichts ist mehr wie vor Corona, konstatiert Dirk Klein. Als Vorstandsmitglied im Tourismusverband Vorpommern und Manager des Hotel Haffhus Ueckermünde spricht er für das Befinden einer ganzen Branche hierzulande. „Wir sind zwar nicht unzufrieden, aber nichts ist mehr wie gewohnt“, schätzt er ein.

Die Buchungsanfragen seien verhaltener. Sei es, weil die Urlauber wieder preiswert ins Ausland dürfen, sei es, weil sie vorsichtiger geworden sind beim Geldausgeben, weil niemand wisse, was infolge des Ukrainekrieges auf die Haushalte zukomme. Viele Anbieter würden ja auch die durch die Bank gestiegenen Kosten an die Verbraucher weitergeben. Das Haffhus allerdings hat sich bereits 2018 vom Energiemarkt unabhängig gemacht. „Wir haben dank Photovoltaik und eigener Biomasse null Energiekosten“, ist Dirk Klein stolz.

Trotz der eher mäßigen Buchungssituation blickt der Hotelier optimistisch auf die Saison. „Ich denke, die Besucher werden kurzfristig anfragen. Und mit der Auslastung zu Pfingsten sind wir jetzt schon zufrieden.“ Eine 100-prozentige Buchung strebe man ohnehin nicht an, um eine Überlastung des Personals zu vermeiden. „Es soll ja schließlich entspannt zugehen.“

Drückt Lust auf Fernreise die Buchungszahlen?

Nichts ist mehr wie es mal war, das gilt bisher in 2022 auch für die Hotels am Fleesensee, allerdings im Hinblick auf die „tolle Saison“ der vergangenen beiden Jahre. „In den Sommermonaten 2020 und 2021 hatten wir eine Riesennachfrage“, hieß es seitens der Geschäftsführung der dortigen Resorts. Wie Kathrin Röder von der Geschäftsleitung mitteilte, blicke man diesmal aber noch mit Sorge auf den Hochsommer. „Der Vorbuchungsstand liegt hinter den letzten zwei Jahren.“ Auch hier vermutet man dahinter die aufgehobene Reisebeschränkung anderswohin. Selbst Pfingsten seien die Hotels am Fleesensee nur mit 65 Prozent ausgelastet. Man hofft daher auf Kurzentschlossene.

Ähnliches erleben auch die Gastgeber kleinerer Häuser wie etwa das Gutshaus Below in der südlichen Seenplatte. Die Urlauber kommen gern, aber nicht mehr ganz so kontinuierlich. Viele möchten endlich wieder ins Ausland, hat Hausbesitzer Wolfram Klemm erfahren.

Diese Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen einer Branchenumfrage des Landestourismusverbandes unter 350 Beherbungsunternehmen. Trotz eines insgesamt guten Stimmungsbildes aufgrund eines 75-prozentigen Vorbuchungsstandes zu den bevorstehenden Feiertagen sei bei den meisten noch nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht, bilanziert Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Zudem würden die Unternehmen nach den anstehenden Feiertagswochen einen Rückgang der Nachfrage bis zum Beginn der Sommerferien erwarten. Über den gesamten Juni betrachtet, werden voraussichtlich zwei Drittel der Kapazitäten gebucht sein.

Für Juli und August erwarten die Unternehmen sogar Auslastungen von knapp 90 Prozent, was für eine erneut intensive Sommersaison zwischen Ostsee und Seenplatte spricht. Allerdings gehen rund 40 Prozent der Befragten davon aus, dass Nachfrage und Auslastung gegenüber 2019 sinken werden. Allerdings könne das Neun-Euro-Ticket, mit dem Fahrgäste ab dem 1. Juni bundesweit den Nahverkehr nutzen können, auch Einfluss auf das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern haben.

Gestiegene Preise und lange Hotspot-Regelung

Tatsächlich lassen sich Buchungslücken wohl teilweise mit gestiegenen Preisen begründen, hieß es. Laut Umfrage stiegen diese im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent an, weil in vielen anderen Bereichen auch die Kosten gestiegen seien. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen sieht sich gezwungen, die höheren Kosten ganz oder teilweise an die Gäste weiterzugeben.

Ein Großteil der Befragten sieht jedoch auch die Hotspot-Regelung als Problem, die in MV bis Ende April galt. Rund 60 Prozent der befragten Beherbergungsunternehmen und 49 Prozent der Freizeitanbieter sahen darin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Regionen.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA in MV, Lars Schwarz, findet für die Corona-Maßnahmen der Landesregierung und den seiner Meinung nach auch damit verbundenen Umsatzeinbußen zu Saisonstart deutliche Worte: „Um mehr als 20 Prozent fiel der Umsatz zwischen Januar und April 2022 in den gastgewerblichen Unternehmen des Landes schlechter aus als die Vergleichszahlen des Vor-Corona-Jahres 2019. Auch das Ostergeschäft bildete hier keine Ausnahme. In mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen zwischen Müritz und Ostsee fiel der so wichtige touristische Osterumsatz nicht gut oder schlechter aus. Das ist die Quittung für unsere Betriebe für die deutlich restriktiveren Corona-Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern gegenüber weiten Teilen unserer Republik.“

Die Hoffnungen würden nun auf einer besseren Sommersaison ruhen, gibt Lars Schwarz Umfrageergebnisse des Branchenverbandes wieder. Die Aussichten scheinen gut: Schließlich stelle sich die Buchungs- bzw. Reservierungslage über die Monate Mai bis Juli mehrheitlich befriedigend oder besser dar.

 

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