CORONA-AKTIONSPLAN

MV verbietet wegen Coronavirus Veranstaltungen ab 50 Personen

In MV wurden insgesamt zehn Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen werden untersagt und öffentliche Einrichtungen werden geschlossen.
In Mecklenburg-Vorpommern bleiben auch die Schulen und Kindergärten geschlossen.
In Mecklenburg-Vorpommern bleiben auch die Schulen und Kindergärten geschlossen. Jens Büttner
Schwerin.

Wegen der Coronavirus-Epidemie wird das öffentliche Leben in Mecklenburg-Vorpommern massiv eingeschränkt. Von Montag an bleiben sämtliche Schulen und Kitas geschlossen. Hochschulen stellen den Lehrbetrieb ein. Theater und Museen machen dicht, für Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser gelten Besuchsverbote. Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern sind in der Regel verboten und können nur in begründeten Fällen auf Antrag genehmigt werden.

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Mit all diesen einschneidenden Maßnahmen, die zum Großteil bis einschließlich 19. April gelten, solle die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. „Wir haben uns entschieden, das öffentliche Leben bis über Ostern massiv herunterzufahren. Das bedeutet erhebliche Einschnitte für alle”, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Samstag nach einer fast neunstündigen Sondersitzung ihres Kabinetts in Schwerin, bei der mit den Kommunalverbänden ein zehn Punkte umfassender Maßnahmeplan erarbeitet und beschlossen wurde. «Nur wenn sich das Virus langsam verbreitet, können Menschenleben gerettet werden», betonte die Regierungschefin.

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Flächendeckende Schulschließung

Wir bereits am Mittag bekannt geworden war, werden Schulen, Kitas, Horte, Berufsschulen und Universitäten bis zum 20. April geschlossen. Der Montag wird jedoch ein Übergangstag sein und es wird ab Dienstag eine Notfallbetreuung für alle Eltern geben, die in systemrelevanten Berufen arbeiten. Nur für diese Kinder wird eine Betreuung in den Schulen, Kindergärten, Kitas und Horten ermöglicht. Für welche Berufsgruppen diese gilt und was Eltern, Schüler, Erzieher sowie Lehrer beachten sollten, finden Sie hier.

An den Schulen und Berufsschulen lernen laut Bildungsministerium insgesamt etwa 185.000 Schüler. Rund 110.000 Kinder besuchen Krippen, Kitas, Tagesmütter oder den Hort. Vor Mecklenburg-Vorpommern hatten schon zwölf andere Bundesländern zum Wochenbeginn flächendeckend Schulschließungen angeordnet.

 

„Wenn wir die Ausbreitung des Coronavirus in Mecklenburg-Vorpommern verlangsamen und Infektionsketten unterbrechen wollen, muss auch der reguläre Hochschulbetrieb ausgesetzt werden”, erklärte Kultusministerin Bettina Martin (SPD). Gleiches gelte für für den Betrieb der Kultureinrichtungen, in denen sich ebenfalls oft viele Menschen begegneten.

Neue Testzentren werden eingerichtet

Es ist außerdem geplant drei weitere Testzentren in Mecklenburg-Vorpommern einzurichten. In diesen werden bei Verdachtsfällen Abstriche genommen. Ein Patient, der befürchtet, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, soll sich zunächst bei seinem Hausarzt telefonisch melden. Der Arzt prüfe dann, ob ein begründeter Verdachtsfall vorliegt. Anschließend solle der Patient auf Weisung des Arztes in ein Abstrichzentrum gehen.

Der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock, Emil Reisinger, schätzt die Zahl der bislang vorgenommenen Tests auf landesweit etwa 1500. Der Mediziner rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Infektionsfälle in den kommenden Wochen. «Wir stehen am Anfang. Deshalb kommt die Schließung der Schulen und Kindergärten jetzt zum richtigen Zeitpunkt. Je besser es gelingt, die Infektionsketten zu unterbrechen, desto weniger Menschen werden auch schwer erkranken», sagte Reisinger. Besonders gefährdet seien Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Um die Virusausbreitung zu verlangsamen, wird die medizinische Versorgung weiter hochgefahren. Es gibt ein Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen sowie medizinischen Einrichtungen. Alle öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmhallen, Museen, Schlösser und Kinos werden bis zum 20. April geschlossen. Die Verwaltung und Justiz sollen heruntergefahren werden, aber handlungsfähig bleiben. So werden beispielsweise die Finanzämter in MV am Montag für den Besucherverkehr geschlossen. Wie schon andere Stellen zuvor, appellierte die MV-Regierung an alle Rückkehrer aus Risikogebieten, 14 Tage zu Hause zu bleiben.

Museen bleiben geschlossen

Den Angaben zufolge bleiben voraussichtlich bis zum 20. April 2020 unter anderem die Staatlichen Museen in Schwerin, Güstrow und Ludwigslust, das Historisch-Technische Museum in Peenemünde, das Deutsche Meeresmuseum samt Ozeaneum in Stralsund, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald sowie das Archäologische Museum in Groß Raden (Kreis Ludwigslust-Parchim) geschlossen. Keine Besucher empfangen zudem das Dokumentationszentrum für die Opfer der Diktaturen in Schwerin und die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow.

Das Mecklenburgische Staatstheater mit seinen Spielstätten in Schwerin und Parchim stellt nach Ministeriumsangaben den Spielbetrieb ebenfalls ein. Theater in kommunaler Trägerschaft hatten zum Teil schon am Freitag mitgeteilt, dass die Aufführungen zunächst bis Ende März ausfallen.

Hilfe für die Wirtschaft

Um die Folgen der Epidemie für die Wirtschaft abzumildern, gewährt die Landesregierung Kredit-Hilfen, mit denen die Hilfsprogramme des Bundes ergänzt werden sollen. Dafür stellt das Land nach Angaben von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) 100 Millionen Euro bereit, insbesondere um Kreditbürgschaften zu erhöhen. Laut Ministerium klagen erste Firmen im Land über Liquiditätsengpässe.

Schwesig kündigte für Montag ein Treffen mit den Spitzen der Unternehmensverbände und der Gewerkschaften im Nordosten an. Dabei solle es neben den finanziellen Hilfen auch darum gehen, wie die Firmen dazu beitragen können, die Kinderbetreuung abzusichern, unter anderem durch verstärktes Homeoffice. Schwesig rief dazu auf, Kinder möglichst nicht den Großeltern zu überlassen, weil für diese eine Infektionen mit Covid-19 besondere Risiken berge.

Das gesamte Maßnahmenpaket der Landesregierung finden Sie hier.

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