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Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste im Nah- und Regionalverkehr deutschlandweit für 9 Euro pro Monat fahren können. Daniel Karmann
Reinhard Meyer (SPD) ist Wirtschafts-, Tourismus- und Verkehrsminister in Mecklenburg-Vorpommern.
Reinhard Meyer (SPD) ist Wirtschafts-, Tourismus- und Verkehrsminister in Mecklenburg-Vorpommern. Jens Büttner
9-Euro-Ticket

MV-Verkehrsminister befürchtet überfüllte Züge im Sommer

Eigentlich sollten die Bürger in MV mit dem kräftig verbilligten Nahverkehrsticket entlastet werden. Doch noch vor dessen Einführung formiert sich massiver Widerstand.
Schwerin

Reinhard Meyer ist kein Mann der schnellen und lauten Worte. Der Wirtschafts- und Verkehrsminister Mecklenburg-Vorpommerns gilt eher als Politiker, der seine Argumente gut und sorgfältig abwägt. Insofern ist es umso überraschender, wie eindeutig und entschieden sich der SPD-Politiker gestern in der Fahrt aufnehmenden Debatte um das 9-Euro-Ticket positioniert hat.

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„Das Ticket droht zu einem Strohfeuer zu werden. Zu wenig Personal bei den Verkehrsunternehmen und zu volle Waggons in der Hauptsaison werden nicht für eine wachsende Akzeptanz im ÖPNV sorgen”, mahnte Meyer gestern im Anschluss an die Verkehrskonferenz der Länder in Bremen. Völlig ungeklärt sei darüber hinaus, was in der Zeit nach dem 9-Euro-Ticket komme. Die Fahrgäste würden nach Einschätzung Meyers überzeugende Angebote erwarten, die die Länder aufgrund der noch zusätzlich fehlenden Regionalisierungsmittel aber nicht finanzieren könnten.

MV muss 34 Millionen Euro bezahlen

Das Nahverkehrsticket ist Teil des Entlastungspakets der Ampelkoalition im Bund aus SPD, Grünen sowie FDP zur Kompensation der gestiegenen Energiekosten. Das Ticket, mit dem die Bürger für 9 Euro im Monat den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen können, soll im Juni, Juli und August gültig sein.

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„Wir fordern mit aller Deutlichkeit, dass der Bund zur Aussage im Koalitionsvertrag steht und die Länder beim Ausbau des ÖPNV durch Aufstockung der Regionalisierungsmittel unterstützt. Das muss auch bereits in diesem Jahr kommen. Das ist notwendig, um das bestehende Angebot im ÖPNV aufrechtzuerhalten”, sagte Meyer. Von den insgesamt 2,5 Milliarden Euro für das 9-Euro-Ticket entfallen gemäß dem Verteilschlüssel des Bundes bislang 34,1 Millionen Euro auf Mecklenburg-Vorpommern.

Zu wenig Fahrzeuge verfügbar

Laut Meyer würden bei den Verkehrsunternehmen hohe Erlösausfälle befürchtet – insbesondere in den Tourismusregionen in MV. Der Minister rechnet durch das 9-Euro-Ticket teilweise mit einer Überlastung auf einigen Strecken im Tourismusland MV. Vor allem die Verbindungen im Schienenpersonenverkehr aus Berlin und Hamburg zu den Tourismusgebieten an der Ostsee würden betroffen sein, aber auch der öffentliche Personennahverkehr vor Ort in den touristischen Gebieten.

Hauptproblem sei vor allem die Verfügbarkeit von Fahrzeugen. Dies sei für MV als Urlaubsland mit hohen Besucherzahlen im Sommer nicht akzeptabel, stellte Meyer klar. „Der Bund muss jetzt gemeinsam mit den Anbietern darauf hinwirken, dass genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Niemand möchte mit überfüllten Zügen in den Urlaub fahren”, so der SPD-Politiker.

In den Jahren 2020 und 2021 war ein Rettungsschirm von Bund, Ländern und Kommunen für den ÖPNV aufgespannt worden. Auf der Konferenz in Bremen hat der Bund nun weitere 1,2 Milliarden Euro für pandemiebedingte Kosten der Länder im Nahverkehr zugesagt. „Das begrüßen wir ausdrücklich”, sagte Meyer.

 

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