AUSBREITUNG DES WOLFES

MV will Unterstützung für Weidetierhalter

In der Diskussion um die weitere Ausbreitung des Wolfes hat sich das Landwirtschaftsministerium in MV für eine stärkere Unterstützung der Weidetierhaltung ausgesprochen.
dpa
Die Ausbreitung des Wolfes ist für die Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern ein Problem (Symbolbild).
Die Ausbreitung des Wolfes ist für die Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern ein Problem (Symbolbild). Klaus-Dietmar Gabbert
Rostock.

Die Diskussion um den Wolf treibt Emotionen an. Am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion in der Universität Rostock sind es eher die bitteren Gefühle, die vom Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf bei Tribsees kommen. „Die Schäfer haben den Wolf nicht begrüßt. Wir können ihn auch nicht begrüßen.”

Er müsse mit Gesamtkosten von bis zu 200.000 Euro rechnen, um mit Zäunen seine Herde zu schützen. Auch wenn die Investition teilweise gefördert wird, bleibe er doch auf hohen Kosten sitzen. „Wo nehme ich das ganze Geld her, ich weiß es nicht.” Nicht einberechnet sei etwa die zusätzliche Arbeitszeit. Dabei seien die Schäfer schon ganz unten in der Verdienstskala.

Bei unserem zweiten Nordkurier-Talk können Sie mitdiskutieren, wie es mit dem Wolf weitergehen soll. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 8. Mai, um 18.30 Uhr im Medienhaus des Nordkurier in Neubrandenburg (Engelsring 29) statt. Neben Backhaus haben Manfred Leberecht, Landwirt und Vizepräsident des Bauernverbandes MV, sowie Stefan Schwill, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes MV, als Diskussionsteilnehmer zugesagt. Die Moderation wird Jürgen Mladek, Chefredakteur des Nordkurier, übernehmen.


Grenze für Ausbreitung der Wölfe?

So richtig helfen kann ihm das Land bei seinen Sorgen nicht, auch wenn der zuständige Abteilungsleiter im Agrarministerium, Hans-Joachim Schreiber, auf die bisherigen Ausgaben verweist. Seit 2013 habe das Land 466.000 Euro für die Tierhalter-Hilfe ausgegeben.

Doch deren Sorgen werden wohl nicht weniger: Im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns lebten Anfang 2018 sechs nachgewiesene Rudel sowie einige Paare und Einzelwölfe. Genauso wie in ganz Deutschland gebe es in Mecklenburg-Vorpommern noch freie Ausbreitungsräume für die Raubtiere. Wo da die Grenze ist, sei nicht bekannt.

Die zugrundeliegenden Zahlen sind beeindruckend: Seit 2007 wurden laut Statistik 466 Haustiere bei Übergriffen gerissen, bei denen der Wolf als Verursacher feststeht oder nicht auszuschließen ist. Allein 2018 waren es 120. Dabei sei der wirtschaftliche Schaden mit ausgezahlten Kompensationsleistungen von 91.000 Euro eher begrenzt. „Perspektivisch wird es nicht in diesem Rahmen bleiben.”

Förderung in Wolfsgebieten

Schreiber verwies jedoch darauf, dass ein Drittel der Wolfsangriffe auf weitgehend ungeschützte Tiere erfolgte. Das Land habe sich für eine stärkere Unterstützung der Weidetierhaltung ausgesprochen. Der Bund sollte innerhalb sogenannter Wolfsgebiete eine zusätzliche jährliche Förderung ermöglichen. Diese finanzielle Unterstützung sei wichtig, um die Belastungen der Halter spürbar zu minimieren.

Hier sieht auch Naturbund-Chef Stefan Schwill die Lösung des Problems. Die Tierhaltung müsse so gestaltet werden, dass Wölfe keine Möglichkeit zum Riss haben. Dafür gebe es viele Möglichkeiten. „Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht, aber beim Schutz ist jede Menge Luft nach oben.” Das gelte vor allem für die Hobbyhalter.

Aggressive Problemwölfe

Im Blickpunkt lägen jedoch die Problemwölfe, die die Distanz zum Menschen verloren haben oder aggressiv auftreten. Der müsse getötet werden, da gebe es keinen Zweifel, sagte Schwill. „Das Beste, was passieren kann, ist ein Wolfsrudel, das erkannt hat, dass der Angriff auf Haustiere mit Schmerz verbunden ist.”

Ein gut konditioniertes Wolfsrudel sorge dafür, dass nicht ständig von außen neue Wölfe dazustoßen und wieder austesten, welche Nahrung am einfachsten zu ergattern ist. Doch genau das passiere, wenn in den Beständen „herumgeschossen” wird. „Das Problem werde nur vergrößert.”

Jagdverband verbittert

Es gebe jede Menge offene Fragen beim biologischen Wolfsmanagement, räumt Schreiber ein. Die würden in der bundesweiten politischen Diskussion sehr lax abgetan. Genau das verbittert den Vizepräsidenten des Landesjagdverbands, Wilfried Röpert. Wie bei den Kormoranen oder Nandus werde jahrelang diskutiert und nichts passiert. „Wir haben nichts in der Hand, gar nichts.”

Die Entwicklung sei besorgniserregend: In Deutschland gebe es aktuell rund 1000 Wölfe, Ende des Jahres werden es 1300 sein. Die Reproduktionsrate liegt bei rund einem Drittel. Die Jäger bräuchten dringend Regelungen und Sicherheiten, um die Tierhalter zu unterstützen.

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