MANUELA SCHWESIG

Frisur, Corona, Zukunft - erstes großes Interview nach dem Krebs

MV-Ministerpräsidentin Schwesig (SPD) hat sich in einem Interview zu ihrer überstandenen Brustkrebserkrankung und ihren Entscheidungen in der Corona-Krise geäußert. Auch ihre Frisur thematisiert sie.
„Ich weiß: Wir kämpfen uns zurück”, sagt MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
„Ich weiß: Wir kämpfen uns zurück”, sagt MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Jens Büttner
Schwerin.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat sich nach ihrer überstandenen Brustkrebserkrankung sehr berührt vom öffentlichen Zuspruch der vergangenen Monate gezeigt. Sonst hätten Politiker häufig mit Wut und Anfeindungen zu tun: „Ich habe gelernt, dass die Gesellschaft oft viel menschlicher ist, als wir meinen”, sagte Schwesig dem „Zeit Magazin”. Die vergangenen Monate mit der Krebserkrankung und der Corona-Krise hätten „ihre ganze Kraft gefordert.”

Als die Pandemie begann, habe gerade das letzte Drittel ihrer Krebstherapie angefangen. „Die schlimmste Zeit lag zum Glück hinter mir.” Deshalb habe sie beschlossen, als Ministerpräsidentin weiterzumachen: „Wenn wir jetzt von Ärzten, Schwestern und Verkäufern erwarten, dass sie an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen oder dass sie den Laden am Laufen halten – dann gilt das erst recht für mich als Ministerpräsidentin.”

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Ihr sei dabei klar gewesen, dass sie gesundheitlich ein besonderes Risiko eingehe. Sie habe aber entschieden: „Die Kapitänin geht als Letzte von Bord. Irgendwie habe ich gedacht, das schaffst du jetzt auch noch.” Die Zeit der Therapie habe sich wie ein Marathon angefühlt. „Man wird demütig vor dem Leben”, sagte Schwesig.

Entscheidungen in Corona-Krise unabhängig vom Krebs

Auf ihre Entscheidungen in der Corona-Krise habe ihre Erkrankung jedoch keinen Einfluss gehabt. „Vielleicht hat mich meine Krankheit allenfalls noch fokussierter gemacht, weil ich selbst erfahren habe, wie wichtig ein gutes Gesundheitssystem ist”, sagte die Ministerpräsidentin. „Und vielleicht habe ich auch besser verstanden, dass es viele Millionen Menschen im Land gibt, die zur Risikogruppe gehören: Ältere, Vorerkrankte. Und, ja, Krebspatienten.”

Sie hätte jedoch alle Entscheidungen auch ohne ihre Krankheit so getroffen, da sie als MV-Gesundheitsministerin bereits mit anderen Krisen wie der Schweinegrippe oder Ehec zu tun hatte, sagte Schwesig weiter. „Da habe ich gesehen, dass man schnell, klar handeln muss. Wir hatten im Norden 14 Tage Vorsprung,den mussten wir nutzen.” Dafür seien schwere Entscheidungen nötig gewesen. „Aber keiner sollte glauben, dass wir sie leichtfertig getroffen haben. Als Ostdeutsche tut mir weh, dass vieles in vollem Lauf gestoppt werden musste, was wir in 30 Jahren aufgebaut haben. Aber ich weiß: Wir kämpfen uns zurück.”

Wenig Aufwand für viel positives Feedback

Schwesig hatte ihre Brustkrebserkrankung im September 2019 öffentlich gemacht. Vor wenigen Wochen sagte die 46-Jährige, sie sei wieder gesund. Ihr Amt führte sie trotz der Therapie fast ohne Einschränkungen weiter. Ihr Vorgänger Erwin Sellering war wegen einer Krebserkrankung zurückgetreten. Sie habe jedoch gewusst, dass ihre Krebserkrankung „völlig anders” sei als die von Sellering, so die SPD-Politikerin. „Auch mit ihm habe ich viel gesprochen, und auch er hat mir viel Mut gemacht.”

Bemerkungen über ihre neue Kurzhaarfrisur nimmt die Ministerpräsidentin mit Humor. „Das war jetzt wenig Aufwand für viel positives Feedback”, sagte Schwesig der „Zeit”. „Ich bin das ja schon gewohnt aus den vergangenen Jahren: Wenn man jünger und blond ist, wird das ständig thematisiert. Ich bin da gelassen.”

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Kommentare (1)

Ob eigentlich jemandem aufgefallen ist, dass der Snutenpulli in AfD-Farbe strahlt.