Das Thema Impfpflicht rückt immer stärker in den Vordergrund – in MV beziehen Unternehmer klare Position.
Das Thema Impfpflicht rückt immer stärker in den Vordergrund – in MV beziehen Unternehmer klare Position. David Crigger
Corona-Pandemie

MV-Wirtschaft will Impfpflicht und macht Druck auf Schwesig

In MV geht die Angst vor einem erneuten Lockdown um. Aus der Wirtschaft sind deshalb immer mehr Signale zu vernehmen, die in Richtung Impfpflicht blinken – und die Regierungschefin in die Pflicht nehmen.
Schwerin

Was vor Wochen noch undenkbar erschien und stets ins Reich der Märchen abgestempelt worden war, rückt offenbar immer näher in den aktuellen politischen Fokus – die Einführung einer Impfpflicht. Nicht nur namhafte Ministerpräsidenten wie Markus Söder (CSU, Bayern) und Wilfried Kretschmann (Grüne, Baden-Württemberg) machen sich vor dem Hintergrund der rasant steigenden Infektionszahlen für eine Impfpflicht stark, auch in MV mehren sich gerade aus der Wirtschaft vermehrt Stimmen, die eine Impfpflicht für das derzeit wohl einziges Mittel halten, um die Corona-Pandemie mittelfristig in den Griff zu bekommen.

Angst vor erneutem Lockdown ist groß

Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, nimmt aus der Wirtschaft „die Angst vor einem erneuten Lockdown“ wahr. Und bevor ganze Betriebe erneut für Monate schließen müssten und Mitarbeiter durch eine Infizierung oder dem Abgang in andere Branchen oder Bundesländer ausfallen, solle lieber eine Impfpflicht beschlossen werden, so die „eindeutigen Signale aus den Betrieben“.

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Zwar wissen Haasch und die IHK-Mitglieder, dass eine Impfpflicht kurzfristig nicht helfen werde, die aktuelle vierte Welle zu brechen. Mit einer Impfpflicht aber könne nach vorne geschaut und wahrscheinlich eine mögliche fünfte Welle verhindert oder zumindest abgemildert werden. „Am Ende sichert uns nur eine hohe Impfquote den Ausstieg aus der Pandemie“, sagte Haasch.

Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände in MV, nimmt beim Thema Impfpflicht auch die Landesregierung und deren Führung in die Pflicht. „Eine zeitnahe Runde der Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer ist zwingend erforderlich. MV-Regierungschefin Manuela Schwesig ist dann gefordert, Stellung zu beziehen. Der Bund muss für eine allgemeine Impflicht ab Januar 2022 jetzt die notwendigen Voraussetzungen schaffen“, stellte Müller klar.

Schwesig will sich nicht festlegen lassen

Doch so leicht und schnell will sich Manuela Schwesig in Sachen genereller Impfpflicht nicht festlegen lassen. Auf Nordkurier-Anfrage sagte die SPD-Politikerin am Freitag: „Wir müssen besonders die vulnerablen Gruppen schützen. Die Länder haben bei der Ministerpräsidentenkonferenz in der vergangenen Woche die Bundesregierung gebeten, schnellstmöglich eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einzuführen.“ Sie halte es für wichtig, dass der Bund das jetzt schnell umsetzt“, betonte Schwesig.

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Derweil gab Schwesigs rechte Hand, Staatskanzlei-Chef Patrick Dahlemann, gestern Abend noch aktuelle Impfzahlen bekannt. Demnach habe sich die Zahl der Erstimpfungen mehr als verdoppelt. In den ersten vier Tagen der Woche wurden 12 300 Erstimpfungen registriert, in der Vorwoche waren es 5500. „Die neuen Corona-Regeln zeigen Wirkung“, sagte Dahlemann. Die Zahl der Auffrischungsimpfungen in den ersten vier Tagen der Woche gab die Staatskanzlei mit 45 200 an. Auch dieser Wert habe sich verdoppelt.

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