Kaum Kontrollen

Nach Bränden – TÜV zweifelt an Sicherheit von Windrädern

Die Zahl der Windräder steigt – und damit das Risiko schwerer Zwischenfälle, wie zuletzt an der Seenplatte. Der TÜV fordert schärfere Kontrollen. Das sieht die Branche anders.
Wie häufig es zu Bränden an Windkraftanlagen kommt, darüber gibt es kaum zuverlässige Daten. (Symbolfoto)
Wie häufig es zu Bränden an Windkraftanlagen kommt, darüber gibt es kaum zuverlässige Daten. (Symbolfoto) Guido Schulmann
Kurz nach dem Jahreswechsel brannte eine Windkraftanlage in Ganschendorf bei Demmin aus.
Kurz nach dem Jahreswechsel brannte eine Windkraftanlage in Ganschendorf bei Demmin aus. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg

Nach Ansicht des TÜV sind die Prüfungen von Windkraftanlagen nicht ausreichend, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten. „Wir setzen uns dafür ein, dass bundeseinheitlich die Sicherheit aller Anlagen alle zwei Jahren verpflichtend überprüft wird”, sagte Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands auf Nordkurier-Anfrage.

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Teilweise keine Pflichten für Betreiber

Für Windkraftanlagen, die vor dem Jahr 2003 gebaut worden sind, gebe es bisher keine einheitliche Prüfpflicht, erläuterte er. Nach dem Jahr 2004 errichtete Anlagen müssten eigentlich alle zwei Jahre von unabhängigen Sachverständigen überprüft werden. Allerdings könnten die Betreiber diesen Zeitraum auf vier Jahre verlängern, wenn sie die Anlage regelmäßig warten. Eine solche Verlängerung ersetze eine unabhängige Prüfung jedoch nicht.

Zwei Brände innerhalb weniger Tage

In den vergangenen Tagen hatten Brände von Windrädern in der Region für Aufsehen gesorgt. Kurz vor Weihnachten war in Güstow bei Prenzlau die Gondel eines Windrades in Flammen aufgegangen, nach dem Jahreswechsel brannte in Ganschendorf in der Mecklenburgischen Seenplatte das Maschinenhaus aus. Bei den Bränden in luftiger Höhe konnten die Feuerwehren nicht eingreifen, als mögliche Ursache wurden jeweils technische Gründe genannt. In beiden Fällen hatte es sich um ältere Anlagen gehandelt.

Grundsätzlich seien Windkraftanlagen sehr sicher, erklärte TÜV-Geschäftsführer Bühler. „Trotzdem kommt es immer wieder zu gravierenden Schäden wie abfallende Rotorblätter, Bränden zum Beispiel nach Blitzschlag oder sogar abknickenden Türmen”, stellte er klar. Allerdings gebe es keine Vorgaben, Schäden in einer Statistik zu erfassen.

Keine Daten über die Schäden

Der Bundesverband Windenergie bestätigt, dass es dazu keine offizielle Statistik gibt. Nach einer internen Auflistung habe es seit 2005 bisher 120 Schadensereignisse gegeben, erklärte ein Sprecher. Das sei bei einer Zahl von 30 000 Windrädern eine „verschwindend geringe Zahl”. Abstände und Intervalle bei den Prüfungen der Windräder seien ausreichend. Durch Digitalisierung, Einsatz von künstlicher Intelligenz und Fernüberwachung bestehe inzwischen eine permanente Überwachung der Anlagen. Bürgerinitiativen dokumentieren ihrerseits jedoch deutlich mehr Zwischenfälle – die Zahl von 120 Vorfällen wird schon in den Jahren ab 2014 erreicht.

„Mir wird schon etwas mulmig”, sagte Norbert Schumacher, Chef der windkraftkritischen Partei Freier Horizont, angesichts der jüngsten Brände von Windrädern. „Die Fälle häufen sich offenbar”, meinte er. Schumacher fordert unabhängige Kontrollen der Windräder. Zudem sei erschütternd, dass Feuerwehren wegen der Höhe der Brandherde nicht eingreifen könnten und Schadstoffe in der Umgebung verteilt würden. „Angesichts der vielen Windräder muss man über Löschhubscharuber nachdenken, die von Betreibern bezahlt werden”, schlug er vor.

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