Zurück in der ersten politischen Reihe: Peter Ritter, der neue Co-Landeschef der Linken in MV.
Zurück in der ersten politischen Reihe: Peter Ritter, der neue Co-Landeschef der Linken in MV. Christian Charisius
Landeschef

Nach Wahl-Desaster - wie die Linke MV erobern will

Nach der Schlappe bei der Landtagswahl 2021 setzt die Linke in MV neue Segel – mit einem erfahrenen Kapitän. Hier spricht Peter Ritter über seine Pläne.
Schwerin

27 Jahre im Landtag, davon elf Jahre Parlamentarischer Geschäftsführer, jahrzehntelanges Mitglied in Kommunalparlamenten und von 2001 bis 2009 bereits acht Jahre Landesvorsitzender der Linkspartei – Peter Ritter ist in Mecklenburg-Vorpommern ein politisches Urgestein. Und zugleich unverwüstlich – denn eigentlich wollte sich der heute 62-Jährige nach der Landtagswahl im September 2021 aus der ersten politischen Reihe zurückziehen. Doch jetzt, seit wenigen Tagen, ist der gebürtig aus Riesa (Sachsen) stammende Ritter erneut Landeschef der Linken in MV.

Gemeinsam mit der 21-jährigen Vanessa Müller aus Rostock bildet Ritter die neue Parteispitze und damit das Führungsduo einer Partei, die ein „dramatisch schlechtes Ergebnis“ (O-Ton Peter Ritter) bei der Landtagswahl kassierte. Die Linke erzielte ihr historisch schlechtestes Ergebnis, rutschte unter die 10-Prozent-Marke und muss jetzt den Weg aus der Krise finden.

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Vom Wähler abgestraft, politisch aufgestiegen

Genau da sieht sich Ritter in der Pflicht, will den politisch verfahrenen Karren aus dem Morast ziehen. Wobei selbstverständlich berücksichtigt werden muss, dass die Linke trotz der Abstrafung durch den Wähler die politische Karriereleiter nach oben gefallen ist – und mit der SPD die neue rot-rote Landesregierung bildet.

Um die Zukunft aber zu gestalten, muss oftmals die Vergangenheit aufgearbeitet werden. Dies will auch die Linke auf einer Landesbasiskonferenz machen – bisher hatte die Corona-Pandemie ein solches Treffen unmöglich gemacht. Unabhängig von dieser Konferenz ist Ritter überzeugt, dass das Wahlergebnis vom vergangenen September weder an der Programmatik noch am Personal gelegen habe. „Wir sind an einer übermächtigen SPD und einer noch übermächtigeren Ministerpräsidentin gescheitert“, glaubt Ritter. Und: „Die Dissonanzen in der Bundespartei und einige handwerkliche Fehler bei Wahlauftritten und Wahlplakaten könnten auch ihren eher negativen Einfluss gehabt haben.“

Ritter nimmt seine Vorgänger in Schutz

Eines macht Ritter bei der Fehleranalyse deutlich: Die bisherigen Landesvorsitzenden Wiebke Brügdam und Torsten Koplin seien definitiv nicht die Schuldigen für den schlechten Wahlausgang im vergangenen Jahr.

Dass die Linke eine alternde Partei ist und laut des Rostocker Politikwissenschaftlers Wolfgang Muno entweder an die SPD oder an den Friedhof Wähler verliert, will Ritter künftig nicht akzeptieren. „Schauen wir uns die Umfragen an, sehen wir, dass den Menschen sichere Arbeitsplätze und gute Löhne ganz wichtig sind. Und genau das sind doch klassische linke Themen.“

Um damit aber auch beim Wähler durchzudringen, müsste die Linke nach Einschätzung Ritter ökologischer – allerdings mit einer sozialen Abfederung –, weiblicher und jünger werden. Wohlwollend hat der 62-Jährige in dem Zusammenhang auch zur Kenntnis genommen, dass aktuelle Umfragen die Linke in MV leicht im Aufschwung sehen und die oftmals von Kritikern prophezeite Bedeutungslosigkeit – hervorgerufen durch die Juniorrolle in der Landesregierung – eher Wunschvorstellung dieser Kritiker denn Realität sei. „Unser Ziel muss es sein, bei den in zwei Jahren anstehenden Kommunal- und Europawahlen wieder politisch schlagkräftig zu sein“, so Ritter.

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Wie ist das mit Russland?

Auch den Vorwurf aus vor allem konservativen Kreisen, SPD und Linke hätten in den vergangenen Jahren zu sehr die Nähe zu Russland gesucht, will Ritter nicht unkommentiert stehen lassen. „Die CDU, die ja 15 Jahre mit am Koalitionstisch in Schwerin gesessen und alles mitgetragen hat, sollte ihre Anschuldigungen mal ganz schnell fallen lassen. Denn die CDU macht jetzt wieder das, was sie am besten kann – vergessen.“ So wie die CDU es auch 1990 getan habe: „Als seien alle 1989 geboren worden“, keilt Ritter in Richtung der Christdemokraten aus.

Gleichzeitig stellt der Linke unmissverständlich klar: „Es gibt kein Aber, zu dem was Putin jetzt in der Ukraine macht. Es gibt keinen Grund, einen solch brutalen Krieg zu führen. Es gibt kein Verständnis. Die Waffen müssen schweigen. Putin muss seine Truppen zurückziehen.“

Gegen Aufrüstung der Bundeswehr

Ritter spricht sich in dem Zusammenhang auch gegen das 100-Milliarden-Programm zur Aufrüstung der Bundeswehr aus. „Frieden kriegt man nicht“, zitiert der neue Landeschef seinen ehemaligen Landtagskollegen André Brie. Aufrüstung würde hingegen mehr Risiken, mehr Spannungen und schließlich heiße Kriege provozieren, sagt Ritter und glaubt, dass eine linke Partei jenseits des Militärischen wichtiger denn je sei.

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