Das Plasma in Greifswald wird auf extreme Temperaturen erhitzt – diese Wärme könnte unter anderem Turbinen zur
Das Plasma in Greifswald wird auf extreme Temperaturen erhitzt – diese Wärme könnte unter anderem Turbinen zur Stromerzeugung antreiben. Stefan Sauer
Für den längeren Betrieb wurden zuletzt 600 Wasserkühlkreise installiert. In Greifswald soll fusionsrelevantes
Für den längeren Betrieb wurden zuletzt 600 Wasserkühlkreise installiert. In Greifswald soll fusionsrelevantes Plasma nicht wie bisher gängig nur für Sekunden, sondern für eine halbe Stunde erzeugt werden. Stefan Sauer
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) wird am Dienstag in Greifswald das Max-Planck-Institut besuchen.
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) wird am Dienstag in Greifswald das Max-Planck-Institut besuchen. Bernd Von Jutrczenka
50 Millionen Grad

Nächster Schritt bei Sonnenenergie aus Greifswald

In der Krise rund um fossile Energiestoffe blicken viele Menschen nach Greifswald. Dort soll die nächste Experimentierphase im Kernfusionsreaktor starten – mit prominentem Besuch.
dpa
Greifswald

Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald stehen vor der nächsten Experimentierphase. In der Großforschungsanlage Wendelstein 7-X sollen die Versuche intensiviert werden, um die Energieproduktion der Sonne auf der Erde nachzuahmen und so langfristig eine alternative Stromquelle zu erschließen. Der Abschluss eines langwierigen Umbaus wird mit einem Festakt gefeiert, zu dem auch Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) am Dienstagmittag erwartet wird.

Plasma soll bis zu 30 Minuten erzeugt werden

Bei den anstehenden Experimenten geht es darum, die Grundlagen für einen Dauerbetrieb einer Anlage vom Typ „Stellarator” zu erforschen. In der Forschungsanlage befindet sich in einer Vakuum-Kammer elektrisch aufgeladenes Wasserstoffgas, das extremer Hitze ausgesetzt wird. Dieses Plasma wird durch meterhohe Magnetspulen quasi in der Schwebe und so auf Abstand zu den Kammerwänden gehalten. Als Energiequelle dient die Hitze, die bei der Verschmelzung von Atomkernen entsteht.

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Durch den Umbau soll das Plasma nicht wie bisher nur für einige Sekunden, sondern für eine wesentlich längere Zeit erzeugt werden. „Es geht um den Dauerbetrieb. Das ist die eigentliche Mission”, sagt der Physiker und Projektleiter Thomas Klinger der Deutschen Presse-Agentur (dpa). 100 Sekunden unter moderaten Bedingungen gelangen in Greifswald schon. Angestrebt werden nun bis zu 30 Minuten.

50 Millionen Grad Celcius

Für den längeren Betrieb bei Maximaltemperaturen von bis zu 50 Millionen Grad Celsius seien 600 Wasserkühlkreise installiert worden. Damit sollen die „Kacheln” im Innenraum der Kammer gekühlt werden. Herzstück der Anlage ist der Ring aus 50 etwa 3,5 Meter hohen Magnetspulen, die auf minus 270 Grad heruntergekühlt werden.

Die in der Kammer entstehende Hitze soll als Energiequelle genutzt und mittels Wärmetauscher und Dampfturbine zu Strom umgewandelt oder als Direktwärme in Heizsysteme abgeführt werden. Auch Fusionskraftwerke sind nukleare Anlagen. Allerdings falle kein hoch-radioaktiver Abfall an, so Klinger. Die Gesamtkosten für das 1996 gestartete „W 7-X”-Projekt belaufen sich auf 1,3 Milliarden Euro, die Kosten für die Anlage selbst betragen 400 Millionen Euro. Finanziert wird das Vorhaben von Bund, Land und der EU.

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