Feine Sahne Fischfilet gehören zu den bekanntesten Bands im Nordosten.
Feine Sahne Fischfilet gehören zu den bekanntesten Bands im Nordosten. Anne Breitsprecher/NK-Archiv
Punk-Band

Nebulöse Vorwürfe gegen Feine Sahne Fischfilet – was ist da los?

Ein rätselhaftes Statement der Punkband Feine Sahne Fischfilet sorgt für Aufregung bei den Fans. Es geht um Vorwürfe, die bald öffentlich gemacht werden sollen.
Neubrandenburg

Viele Fragezeichen schwirren gerade um MVs bekannteste Politpunker. Die Band Feine Sahne Fischfilet hat am Donnerstagnachmittag mit einem langen Post bei Facebook und Instagram für Verwirrung bei ihren Fans gesorgt.

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Band spricht von „verschiedensten Vorwürfen”

„Moin Leute, wir haben mitbekommen, dass es eine Seite im Internet gibt, die vermutlich demnächst gegen uns verschiedenste Vorwürfe veröffentlicht”, beginnt das wortreiche Statement. Allerdings wird nicht richtig klar, um welche Vorwürfe es genau geht.

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Wie die Band damit umgehen wolle, steht jedoch fest. „Wir werden diese Vorwürfe ernst nehmen und uns damit auseinandersetzen. Wir haben auch in der Vergangenheit nie versucht irgendwelche Vorwürfe zu deckeln. Wenn Sachen direkt an uns herangetragen wurden, haben wir uns dazu geäußert und immer das Gespräch gesucht und das wird auch so bleiben.”

Mail-Adresse für Vorwürfe

Etwas konkreter sind dann schon die Formulierungen "Uns ist bewusst, dass eine Band, die nur aus Typen besteht zu Problematiken führen kann” und der Verweis auf die Zusammenarbeit mit „Misc Berlin”, einer „Agentur für kulturellen Wandel”. Man habe eine E-Mail-Adresse eingerichtet, „an die sich alle wenden können, die das Bedürfnis haben, Vorwürfe aufzuarbeiten.”

Drohungen im Netz

Das Foto des Posts zeigt den Schriftzug „Niemand muss Täter sein”, zudem wird ein gleichlautender Hashtag verwandt. Den gleichen Schriftzug zeigen Konten, die bei Instagram (@keinermusstaetersein) und Twitter (@niemandmuss1312) ankündigen, am Donnerstagabend heikle Informationen zu veröffentlichen. „Es wird um jemanden gehen, den ihr wirklich alle kennt, viele die Gerüchte schon gehört und viele sich nicht getraut haben, gegen ihn und seinen Einfluss vorzugehen.”

Personelle Wechsel in der Band

Die Reaktionen sind vielfältig. Sie reichen von „Bitte sagt mir, dass ich nicht die einzige bin, die nur Bahnhof versteht” über „Was sprach dagegen, die Vorwürfe kommen zu lassen und dann erst eine konkrete Reaktion zu posten?” und „Die Zeiten, als eine Band einfach nur Musik machen kann, sind offensichtlich auch vorbei” bis hin zu „Ich finds super, dass ihr euch mit dem Thema Diversität auseinandersetzt”. Wieder andere vermuten hinter den rätselhaften Nachrichten nur eine Promo-Aktion, mit der die Band selber Aufmerksamkeit schaffen will.

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Im April hatten zwei Musiker die Band verlassen, ein neuer Gitarrist und Sänger war neu hinzugekommen. Frontmann Jan Gorkow hatte mit dem ebenfalls im April veröffentlichten Buch „Niemals satt – Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage” Platz 1 auf der Spiegel-Bestsellerliste erreicht.

Update 20:56 Uhr – Vorwürfe ja, aber sehr unspezifisch

Auf den Accounts sind inzwischen tatsächlich Vorwürfe veröffentlicht worden – diese sind allerdings äußerst nebulös. Ohne Angabe von Gründen wird der Leadsänger "Monchi", Jan Gorkow, dabei als „schonungslos,gewalttätig,narzisstisch,hart,maßlos“ bezeichnet sowie als „grenzüberschreitend und bekennender Lokalpatriot“. Auch von  „sexuellen Übergriffen“ ist die Rede. Angeblich zum Schutz der Betroffenen wird auf jedwede Konkretisierung der Vorwürfe verzichtet. Somit bleibt offen, ob an den schwerwiegenden Verdächtigungen etwas dran ist oder ob es sich bloß um üble Nachrede handelt. Die Verfasser der Tweets kündigten aber an, einen Blog einrichten zu wollen, in dem sie näher auf die Themen eingehen wollten.

Dieser wurde am Donnerstag mit einem Artikel veröffentlicht und wiederholte zu diesem Zeitpunkt die unbelegten Anschuldigungen, die bereits auf Instagram und Twitter gepostet worden waren.

Update 13. Mai – 19:10 Uhr:

Auf Anfragen des Nordkurier hat Jan "Monchi" Gorkow und Feine Sahne Fischfilet bis Freitagabend nicht reagiert. Das Label der Band, das Hamburger Unternehmen Audiolith, teilt auf Nordkurier-Anfrage mit, dass die Webseite bekannt sei, die behauptete, dass es "Anschuldigungen sexualisierter Gewalt und des Machtmissbrauchs gegen einen unsere Künstler geben soll". Die erwähnten Anschuldigungen seien dem Label nicht bekannt. "Deswegen weisen wir den Vorwurf der Unterlassung und des Verschweigens klar von uns", heißt es von Audiolith am Freitag.

Die unbekannten Verfasser der Anschuldigungen hatten nebem Gorkow und der Band auch dem Label sowie dem Managment JKP vorgeworfen, über Vorfälle zu schweigen.

Das Label von Feine Sahne Fischfilet betont in diesem Zusammenhang – wie schon die Band – die Zusammenarbeit mit „Misc Berlin” seit letztem Jahr. Auch damals gab es wohl nach Aussage des Labels anonyme Vorwürfe, die über Instagram verbreitet wurden. Für Label-Mitarbeitende und Künstlerinnen und Künstler werden "Sensibilisierungs- und Empowermentworkshops" organisiert.

Das Label habe auch eine E-Mail-Adresse für Betroffene eingerichtet. Auf Nordkurier-Anfrage schreibt Audiolith, dass dort keine Vorwürfe gegenüber Feine Sahne Fischfilet oder einzelne Mitglieder der Band eingegangen seien.

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