Digitale Transformation

Neubrandenburg oder Greifswald – wer ist digitaler?

In Mecklenburg-Vorpommern entstehen sechs digitale Innovationszentren, davon zwei im Osten des Landes. Beide haben ihre Spezialthemen.
Koordinatorin Daniela Zorn mit Christoph Bruch (links) und Martin Horst im Digitalen Innovationszentrum Neubrandenburg.
Koordinatorin Daniela Zorn mit Christoph Bruch (links) und Martin Horst im Digitalen Innovationszentrum Neubrandenburg. Jörg Spreemann
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Neubrandenburg

Am 19. November, ab 15 Uhr, werden in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und anderen Bundesländern mancherorts die Rechner heiß laufen. Dann beginnt zum vierten Mal ein Online-Format, dass inzwischen auf eine wachsende Fangemeinde stößt.

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An jenem Freitagnachmittag erhalten Menschen mit Lust am programmieren ihre Aufgabe: Innerhalb von 48 Stunden muss ein analoges oder digitales Spiel zu einem noch geheimen Thema entwickelt werden. Beim letzten „Game Jam”, so nennt sich dieses Format des Digitalen Innovationszentrums Neubrandenburg (DIZ), lautete das Thema „Märchenstunde”.

Spieleentwicklung ist Aushängeschild

Die Fäden für das interaktive Projekt laufen bei Christoph Bruch zusammen, Berater im Innovationszentrum, das vor knapp zwei Jahren, begleitet von Kritik, seine Arbeit begonnen hatte. Zum Start sei noch nicht absehbar gewesen, dass Spieleentwicklung einmal zu den Aushängeschildern des DIZ gehören könnte. „Inzwischen gibt es in der Region und darüber hinaus ein ganzes Netzwerk aus kleinen Firmen und Startups, die Spiele programmieren”, erklärt Bruch, der das Netz zwischen den Gamern geknüpft hat. „Das sind zum Beispiel junge Leute, die mit einer spannenden Tätigkeit in der Heimat bleiben wollen”. sagt er. Für den Game Jam in zwei Wochen haben sich schon fast 50 Teilnehmer angemeldet.

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„Wir sind mit unseren 68 Quadratmetern das kleinste unter allen sechs Innovationszentren im Land”, sagt DIZ-Koordinatorin Daniela Zorn. Sie zeigt sich trotzdem zufrieden, zumal bald nach dem Start die Corona-Einschränkungen viele Pläne verhagelt hätten. „Es ist gelungen, Alleinstellungsmerkmale für uns zu finden”, meint sie. Dazu gehöre neben der Spieleszene mit ihren Startups vor allem die Digitalisierung auf dem Land. Glasfaserkabel seien dafür lediglich die technische Grundlage.

Sechs-Digitalzentren gibt es im Land

Im Zuge ihrer Digitalstrategie hatte die Landesregierung 2018 die Einrichtung von sechs digitalen Innovationszentren in Mecklenburg-Vorpommern beschlossen. Neben Wismar, Rostock, Schwerin, Stralsund und Neubrandenburg zählt auch Greifswald zu den Standorten. Das dortige Innovationszentrum hat gegenüber Neubrandenburg schon einen Riesenvorteil: Die Landesregierung bezahlt 27 Millionen Euro für den Umbau der Alten Mensa in Zentrumsnähe, der insgesamt mit 30 Millionen Euro veranschlagt ist.

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„Nach der Fertigstellung stehen uns mehr als 8000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung”, sagt zufrieden Wolfgang Blank, Geschäftsführer der städtischen DIZ-Betreibergesellschaft Witeno. Haupthema des Greifswalder DIZ werde die Verbindung von Gesundheitswissenschaften und Medizin mit digitalen Anwendungen. Im Innovationszentrum in der Alten Mensa soll es laut Blank neben Büros auch Räume geben, in denen vernetzte Arbeitsplätze für zeitweilige Nutzer angeboten werden, so genannter Co-Work Space. Mit eingeplant sind auch Konferenzräume und ein Bistro. Unter dem Strich sollen laut Wirtschaftsministerium rund 230 Arbeitsplätze im Greifswalder DIZ vorhanden sein.

Die Nachfrage steigt

In Neubrandenburg musste Koordinatorin Daniela Zorn schon Interessenten absagen, die zeitweilig Arbeitsplätze im DIZ mieten wollen. „Dazu fehlt uns der Platz”, erklärt sie. Sie spüre eine wachsende Nachfrage nach solchen flexiblen Angeboten. Das DIZ nutzt in einem abgelegenen Gewerbegebiet im Norden der Stadt Räumlichkeiten der Werbeagentur 13°, angemietet durch die Hochschule Neubrandenburg. „Wir sind gerade dabei, für eine Übergangszeit größere Räume in der Innenstadt zu suchen”, erklärt Projektleiter Gerd Teschke, Rektor der Hochschule Neubrandenburg.

Das wird sich nicht vermeiden lassen, denn die Standortfrage ist in Neubrandenburg auch zwei Jahre nach dem Start des DIZ ungeklärt. Laut einem Gutachten, das Mitte Oktober Stadtvertretern vorgestellt worden war, würde sich das Areal des verfallenden Lokschuppens unmittelbar am Bahnhof am besten für die Bedürfnisse eines Innovationszentrums eignen. Mögliche Baukosten für rund 6000 Quadratmeter: 18 Millionen Euro. Allerdings ist für den Standort auch eine neue Schwimmhalle im Gespräch. Von einem nahen Baubeginn, wie in Greifswald, ist das Neubrandenburger DIZ noch weit entfernt.

Mehr Tempo für das DIZ mahnt Martin Horst an. Der Chef von 13° ist Kooperationspartner des Zentrums. „Wir hinken im Vergleich zu anderen schon hinterher”, findet er. Horst sieht jetzt den Ball im Feld der Stadt, die sich zu ihrem DIZ zumindest per Beschluss bekannt hat. „Wir benötigen eine Betreibergesellschaft, die die Dinge vorantreibt”, fordert er, nicht zuletzt mit Blick auf Greifswald. Das sieht auch Rektor Teschke so. Zu oft seien der Hochschule die Hände gebunden, etwa wenn es um Fördergelder gehe.

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