Der Standort Rostock der MV Werften könnte für die deutsche Marine interessant werden.
Der Standort Rostock der MV Werften könnte für die deutsche Marine interessant werden. Bernd Wüstneck
Schiffbau

Neue Nutzungspläne der Bundesregierung für MV Werften

Hoher Besuch auf den insolventen MV Werften: Politische Prominenz aus Land und Bund war an die Ostsee gereist, um eine überraschende Botschaft zu verkünden.
Wismar

Das kommt in dieser Form auch nicht alle Tage vor: Mit dem Aus für den Weiterbau des riesigen Kreuzfahrtschiffes „Global One” ist die Politik in den vergangenen zwei Tagen von der Realität überholt worden. Denn eigentlich wollte die rot-rote Landesregierung nach Recherchen des Nordkurier am Dienstag die Fortsetzung der Transfergesellschaft für rund 1500 Mitarbeiter der insolventen MV Werften bis Ende Oktober beschließen. Doch dann kam die Absage der Reederei Stena AB, den Kreuzliner fertig bauen zu lassen und anschließend auf asiatischen Meeren schippern zu lassen.

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„Eine negative Entscheidung”, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Dienstagmittag bei einem Besuch am Werft-Standort in Wismar einräumte. Die SPD-Politikerin war aufgrund der aktuellen Entwicklung kurzfristig an die Ostseeküste gereist, um sich vor Ort ein eigenes Bild von der gedrückten und enttäuschten Stimmung unter den Mitarbeitern zu machen.

„Wir werden jetzt in den nächsten Tagen intensive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter und dem Betriebsrat führen – und dann Anfang oder Mitte Juni eine Entscheidung über die Transfergesellschaft treffen”, kündigte Schwesig an. Eines aber machte die Regierungschefin schon einmal deutlich: „Die Transfergesellschaft kann nur ein Übergang, eine Brücke sein, um die MV-Werften-Standorte in Wismar, Rostock und Stralsund zu erhalten.”

Trotz aller Existenzsorgen der Werftarbeiter versuchte Schwesig, Mut und Zuversicht zu verbreiten. „Sowohl die avisierte Übernahme des Standortes in Wismar ab dem Jahr 2024 durch Thyssen Krupp Marine System als auch ein möglicher Einstieg des Bundes mit einem Marinearsenal in Rostock könnten die benötigten Perspektiven liefern”, sagte Schwesig.

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Dies betonte auch Carsten Schneider, Ostbeauftragter der Bundesregierung. Es bestehe die sehr realistische Option, die Werft in Rostock für die Marine selbst zu nutzen, sagte der SPD-Politiker bei seiner Stippvisite in Wismar. „Das ist – man könnte fast sagen – ein staatlicher Eingriff.” Er betonte, dass der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen sei.

Für den Bund entstünde eine Win-Win-Situation. Es gebe neue Kapazitäten für die Reparatur und die Umrüstung von Marineschiffen. Dann müsste die Marine nicht bei Werften um Termine betteln. Gleichzeitig gebe es für die Werftarbeiter eine klare Perspektive, so der Ostbeauftragte.

Manuela Schwesig bekannte sich derweil grundsätzlich zum Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern. „Hier schlägt das industrielle Herz unseres Bundesland. Die MV Werften sind durch die Corona-Pandemie in Schwierigkeiten gekommen – obwohl die Mitarbeiter sehr gute Arbeit geleistet haben”, so die Ministerpräsidentin.

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