„DAS GRENZT AN VOODOO”

Neue Vorwürfe gegen Polizeiarzt aus MV

Ein gestandener Polizist mit fast 40 Dienstjahren kann kaum fassen, was er bei Polizeiarzt Dr. L aus Mecklenburg-Vorpommern erlebt hat. Sein Bericht reiht sich in eine ganze Serie von Vorwürfen ein.
Über einen Polizeiarzt in MV gibt es Beschwerden wegen seiner Behandlungsmethoden.
Über einen Polizeiarzt in MV gibt es Beschwerden wegen seiner Behandlungsmethoden. NK-Montage, Fotos: @thodonal, @abr68-stock.adobe.com
Schwerin.

Die Vorwürfe gegen einen Polizeiarzt in Mecklenburg-Vorpommern reißen nicht ab. Nach dem Nordkurier-Report über Dr. L., der im Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz MV (LPBK) angestellt ist, melden sich weitere Personen, die von haarsträubenden Begegnungen mit diesem Mann berichten. Die Behörde ermittelt inzwischen – um herauszufinden, wer unsere Redaktion über die unerfreulichen Fakten rund um Dr. L. informiert hat.

Der Beamte, der jetzt weitere Erfahrungsberichte beisteuerte, hat fast 40 Dienstjahre hinter sich und ist gesundheitlich schwer angeschlagen: Bluthochdruck, vergrößerte Prostata, aktuell auch noch eine depressive Episode. Sechs oder sieben Mal war er bei Dr. L, aber er will nie wieder hin. Er erzählt: „Dr. L. hat bei keinem einzigen Termin meinen Blutdruck gemessen oder mich körperlich untersucht.“ Stattdessen habe es unter anderem einen Vortrag über Homöopathie und deren Heilungsmöglichkeiten gehalten.

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Fenster auf, negative Energien raus

Wissenschaftlich gesichert, und das weiß der Polizist offenbar besser als der Arzt, ist allerdings, dass Homöopathie keinerlei Wirkung hat, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Der Polizist weiter: „Das alles war so verquer, das grenzt an Voodoo und Scharlatanerie.“ Auch bei ihm habe L., wie in dem vorherigen Uckermarkkurier-Bericht beschrieben, jedes Mal nach dem Besuch die Fenster weit geöffnet – wegen negativer Energien. „‚Das Negative, was hier im Raum abgelassen wurde, das muss jetzt raus‘, hat er gesagt“, berichtet der Beamte.

Sein Antidepressivum habe der Mediziner eigenständig auf die doppelte und schließlich auf die dreifache Dosis erhöht. „Ein großer Kerl verträgt und benötigt auch eine höhere Dosis“, soll L. zu dem Beamten gesagt haben. Das Problem: Das besagte Antidepressivum führt bei höherer Dosis zu schweren gesundheitlichen Wechselwirkungen mit einem Medikament, welches bei einer vergrößerten Prostata verabreicht wird. Das wusste der kranke Polizist allerdings nicht, der Polizeiarzt aber hätte es wissen müssen, verschrieb die erhöhte Antidepressiva-Dosis aber trotzdem. Prompt traten die schlimmen Wechselwirkungen dann auch auf.

Alles nur eine Schmutzkampagne

Derweil hat der Nordkurier erfahren, dass interne Untersuchungen angelaufen sein sollen. Die Behörde will angeblich erfahren, wer die Vorwürfe gegen den Polizeiarzt öffentlich gemacht hat. Die, so wird unter den Beamten gestreut, seien lediglich eine Schmutzkampagne eines ehemaligen Kollegen gegen L.

Allerdings gibt es schon seit 2016 zahlreiche Vorwürfe von unterschiedlichster Seite gegen den Polizeiarzt. Sie reichen von sexistischen Sprüchen bis zur Schilderung entwürdigender Behandlungsmethoden (wir berichteten).

Die Vorwürfe gegen den Polizeiarzt werden nächsten Donnerstag im Innenausschuss des Schweriner Landtages diskutiert. Die bisherige Antwort von Innenministerium und dem LPBK auf die Vorwürfe gegen L. fiel knapp aus: „Die gegen eine Person im polizeiärztlichen Dienst erhobenen Vorwürfe wurden intensiv geprüft und haben sich als überwiegend haltlos, überzogen oder nicht beweisbar erwiesen.“

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