INTERVIEW

Neuer MV-Bischof Jeremias will Pommern kennenlernen

Der neue MV-Bischof Tilman Jeremias ist ein waschechter Wessi – aber er lebt seit über 25 Jahren in Mecklenburg. Im Gespräch mit Reporter Benjamin Lassiwe verrät er, was er nun mit der Kirche in MV vorhat.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Tilman Jeremias kurz nach seiner Wahl zum neuer Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern.
Tilman Jeremias kurz nach seiner Wahl zum neuer Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Stefan Sauer
Greifswald.

Pastor Jeremias, Sie sind ab Oktober Sprengelbischof der Nordkirche. Was wollen Sie als erstes anpacken?

Für mich wird es sicher wichtig sein, mich erst einmal in diesem Amt einzufinden. Es wird eine Zeit geben, wo ich vor allem zuhöre, und gerade den Kirchenkreis Pommern und die Leitungsebenen der Nordkirche näher kennenlernen möchte. Da ist mir noch vieles fremd. Es geht also zunächst um ein Wahrnehmen, bevor ich selbst Akzente setzen kann. Aber was ich natürlich mit nach Greifswald nehme, ist meine Liebe zur Ökumene, zu den Partnerkirchen und zu anderen Konfessionen.

In Pommern wie allgemein im ländlichen Raum fühlen sich viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern abgehängt. Was kann Kirche diesen Menschen bieten?

Ich bin erst einmal froh, dass ich in Greifswald wohne, und damit zeige, dass Pommern ein wichtiges und wesentliches Element dieser Nordkirche ist. Wir wollen auf den Dörfern und in den Stadtteilen mit unseren Mitarbeitenden präsent sein, und ihnen zeigen, wie hilfreich es für das Leben sein kann, zusammenzukommen und im christlichen Glauben einen Halt zu finden – von der Taufe bis zum Trauerfall.

Wie sollte die Kirche mit dem Rechtspopulismus umgehen?

Grundsätzlich finde ich es erst einmal wichtig, dass die Kirche ihre Türen weit öffnet, und dass wir Räume schaffen, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Das gilt auch für Menschen, die sagen, man dürfe doch gar nicht sagen, was man denkt. Sie sollten erst einmal willkommen sein, und ihr Anliegen vorbringen. Aber: Es muss auch klar sein, dass mit unserem christlichen Glauben eine rassistische Weltanschauung nicht vereinbar ist. Denn für uns sind alle Menschen Geschöpfe Gottes, egal, welcher Volkszugehörigkeit, Religion oder sexuellen Orientierung sie sind. Wir haben also eine klare Position – und es ist mir trotzdem wichtig, möglichst viele Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Warum sollte heute jemand in die Nordkirche eintreten?

Eintreten heißt ja: Ich werde getauft. Und Taufe heißt für mich, dass Gott mit seiner Liebe und seiner Nähe für mich da ist. Mein Name wird genannt und der Name Gottes. Ich bekenne mich zum christlichen Glauben und mir wird der Segen Gottes zugesprochen. Und das kann für Menschen etwas ganz Wesentliches sein: Für mich ist es jedenfalls etwas ganz Wesentliches, dass ich sage, ich habe mich nicht selbst ins Leben gerufen. Ich bin ein Kind Gottes.

Was heißt das konkret?

Das kann bei den Menschen unterschiedlich sein. Für mich heißt das, dass ich nicht allein im Universum bin. Ich bin ein geliebtes Geschöpf Gottes, und das gibt mir auch Zuversicht über den eigenen Tod hinaus.

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