GEWÄSSER

Neuer Öko-Alarm ist reine Utopie

Fast alle Gewässer in MV und brandenburg sind in schlechtem Zustand, meldete die Tagesschau. Wirklich? Unserer Recherche ergibt ein etwas anderes Bild.
Carsten Korfmacher Carsten Korfmacher
Das Wasser ist so sauber wie seit vNielen Jahrzehnten nicht, trotzdem gibt es Öko-Alarm: Das Usedomer Achterwasser.
Das Wasser ist so sauber wie seit vNielen Jahrzehnten nicht, trotzdem gibt es Öko-Alarm: Das Usedomer Achterwasser. NK-Archiv
Neubrandenburg.

Zu Ostern, wenn alle Experten schlecht erreichbar sind und offenbar auch die Tagesschau nicht so genau hinschaut, lancierten die Grünen ihre Meldung: Nur 6,6 Prozent der vom Umweltbundesamt nach EU-Kriterien bewerteten Flüsse, Bäche und Seen seien ökologisch in gutem Zustand, gerade einmal 0,1 Prozent in sehr gutem Zustand.

Zu den am schlechtesten bewerteten Gewässern in Mecklenburg-Vorpommern gehören der Malchiner See, das Achterwasser bei Usedom und die Saaler, Barther und Jasmunder Bodden um Rügen. In Brandenburg wurden 40 Prozent der Gewässer als mäßig, 39 Prozent als unbefriedigend und 15 Prozent als schlecht eingestuft. In Deutschland insgesamt, so das vernichtende Fazit, sind mehr als 93 Prozent aller Gewässer in keinem guten Zustand.

Experten halten EU-Bewertung für praxisfremd

Diese Zahlen führten über die Feiertage zu teils alarmierenden Berichten. Experten korrigierten indes am Dienstag gegenüber dem Nordkurier diese Darstellung. Grund für die schlechte Beurteilung sei nicht etwa die Qualität des Wassers – die wird übrigens immer besser – sondern die völlig praxisfremde EU-Bewertung. Diese geht auf die im Jahr 2000 eingeführte Wasserrahmenrichtlinie zurück, die definiert, wann sich ein Gewässer in einem guten oder sehr guten Zustand befindet.

„Dieser Zustand ist aber rein hypothetisch und in der Realität wird es ihn nie geben“, sagt Jens Uhthoff, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Untere Peene. Die Anforderungen seien schlicht zu hoch und beinhalteten Kriterien, die sich heute nicht mehr verändern ließen. So werde zum Beispiel ein begradigtes Gewässer niemals die Bestnote erhalten, auch keines mit Schleusen. Auch wenn Biber, Lachs und Fischotter sich wieder ausbreiten.

Früher wurden Gewässer rein chemisch bewertet

Auch das Umweltbundesamt in Dessau, auf dessen Untersuchungen die Meldungen basieren, teilt diese Einschätzung. „Die alarmierenden Zahlen sind auch ein Produkt der anspruchsvollen Gesetzgebung“, erklärte ein Behördensprecher am Dienstag auf Anfrage. Früher seien Gewässer rein chemisch bewertet worden. Heute würde jedoch der sogenannte „ökologische Zustand“ bewertet.

Dieser untersuche die in den Gewässern vorhandenen Lebensgemeinschaften – zum Beispiel Fische, Pflanzen und wirbellose Organismen. Veränderungen in diesen Gemeinschaften werden als Indikatoren für Belastungen in den Gewässern betrachtet. Von einer schlechten Bewertung, so der Experte, ließen sich aber keine Rückschlüsse auf die chemische Qualität des Wassers ziehen.

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Kommentare (1)

Denn wenn man sich die alarmierenden ökologischen Zustände der Gewässer in Europa anschaut, dann fragt man sich, woher der Autor seine Expertise nimmt. Erst vor ein paar Tagen kam die Meldung, dass in 1800 Wasserproben aus Schweizer Bächen, 128 verschiedene landwirtschaftliche Pestizide nachgewiesen wurden. In 80% der Proben gab es mindestens einen Wirkstoff der die Grenzwerte überschritten hat. Die Folgen dieser Pestizidcocktails in kleinen Gewässern sind fatal für das Ökosystem, da sich Pestizide gegenseitig potenzieren und niemand die Cocktaileffekte für Mensch und Tier kennt. Und wenn man als aufgeklärter Verbraucher im Internet nach „Pestizide Gewässer“ sucht, findet man tausende Berichte über die alarmierenden Zustände über Pestizidcocktails und Artensterben in Bächen, Tümpeln, Seen und Flüssen - seit Jahren. Weiß der Autor und sein zitierter Experte nicht, dass bereits antibiotika-resistente MRSA Keime in zahlreichen deutschen Gewässern gefunden werden. Kein Wunder, bei den 800 Tonnen Antibiotika die jedes Jahr in der Massentierhaltung eingesetzt werden und über den Dung ins Grundwasser sickern.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gefaehrliche-Keime-in-Baechen-Fluessen-und-Seen,keime302.html


Auch durch Pestizide wie Glyphosat, ebenfalls ein von Monsanto patentiertes Antibiotikum, können sich antibiotikaresiste Keime in Gewässern massiv ausbreiten. (Brigitta Kurenbach, 2017)

Was meint der Redakteur also mit zu strengen Höchstgrenzen. Die Behörden müssen normalerweise ständig die Höchstgrenzen für Giftstoffe in Trinkwasser anheben, z.B. für Arsen von 0,01mg/l (1986) auf 0,04mg/l (2001), damit das Trinkwasser noch bezahlbar und verkehrsfähig ist. Oder die Wasserwerke müssen weitere Milliarden in Aktivkohle- und Ozonfilter investieren, um die Pestizide und Medikamente überhaupt noch auf ein tolerierbares Maß zu reduzieren. Genauso wie 1996 die Rückstände von Monsantos krebserregendem Glyphosat in Linsen um das hundertfache auf 20mg/kg angehoben wurden, weil die US Farmer die Grenzwerte nicht mehr einhalten konnten. Auch bei den krebserregenden PCBs und Dioxinen gibt es keine harmlosen Rückstandsmengen für den Menschen, dennoch müssen die Stoffe in Milch, Ei und Fleisch toleriert werden, weil die tödlichen Erfindungen von Monsanto und Bayer selbst Jahrzehnte nach dem Verbot noch in der Natur zu finden sind. Was meint der Autor also damit, dass der Öko-Alarm eine Utopie sei?