Till Backhaus (SPD) übt Kritik am geplanten neuen Jagdgesetz in Brandenburg. Denn dort plant Landwirtschaftsminister Axel
Till Backhaus (SPD) übt Kritik am geplanten neuen Jagdgesetz in Brandenburg. Denn dort plant Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) ein neues Gesetz, um den Waldumbau zu befördern. Jens Büttner
Streit um Wild

Neues Brandenburger Jagdgesetz reizt MV-Minister Backhaus

Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und damit Jagdminister Backhaus hat ein Qualitätssiegel für Wild vorgestellt. Und kritisierte Brandenburger Wald- und Jagdpläne.
Berlin

Im Innenhof der Mecklenburger Landesvertretung in Berlin erklangen Jagdhornbläser. Und die am meisten getragene Kleidungsfarbe war an diesem Abend das Grün der Förster und Jäger. Denn der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) stellte in der Bundeshauptstadt sein Qualitätssiegel „Wild aus MV“ vor: Das im Land an der Küste geschossene Wild soll als qualitativ hochwertiges Lebensmittel nicht nur zwischen Wismar und Usedom, sondern etwa auch in Berlin verkauft werden. Und das Siegel soll dazu dienen, die Rehrücken und Hasenkeulen entsprechend auf dem Markt zu positionieren.

Backhaus: Deutsche essen zu wenig Wild

Denn die 170.000 Stücke Schalenwild, die die Jäger in Mecklenburg-Vorpommern pro Jahr erlegen, sollen besser an den Mann oder die Frau gebracht werden. „In Mecklenburg-Vorpommern fallen jedes Jahr 5400 Tonnen Wildfleisch an“, sagte Backhaus. Doch der durchschnittliche Deutsche verzehre pro Jahr nur ein Kilo Wild. Am Minister liegt das freilich nicht: „Ich selber koche besonders gerne Spargelsuppe mit frischen Erdbeeren“, gestand Backhaus. „Und danach dann einen Rehrücken, mit einer leichten Note eines italienischen Käses darübergeraspelt.“

Deutliche Kritik indes äußerte Backhaus am Nachbarland Brandenburg: Denn dort plant Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) ein neues Jagdgesetz, um den Waldumbau zu befördern. Eigenjagden sollen künftig bereits ab 10 Hektar möglich sein. Und der Landesjagdverband fürchtet ein Ende der Jagdgenossenschaften.

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Landesjagdgesetz sei ein „kardinaler Fehler“

„Das Brandenburger Landesjagdgesetz ist ein kardinaler Fehler“, schlug sich Backhaus auf die Seite der Kritiker. Die Jägerschaft werde damit auseinanderdividiert, dem Wild werde ein Bärendienst erwiesen. „Mit mir wird es das nicht geben“, sagte Backhaus. „In Mecklenburg-Vorpommern gehören Wild und Wald zusammen.“

Applaus gab es dafür vom Präsidenten des Mecklenburger Landesjagdverbands,Volker Böhning, der auch Präsident des Deutschen Jagdverbands ist. Er kündigte an, den Minister gelegentlich an dieses Versprechen zu erinnern.

Deutliche Unterschiede zwischen den beiden Bundesländern gibt es indes auch in der Vermarktung des Wildbrets. Ein eigenes Siegel für Wild aus Brandenburg gibt es nicht. Stattdessen entschied sich die Kenia-Koalition in Brandenburg in ihrem Koalitionsvertrag dafür, das Wildbret in das neue Brandenburger Regionalsiegel aufzunehmen. Die im Januar vorgestellten Qualitätssiegel für Brandenburger Produkte beziehen sich allerdings bislang nur auf landwirtschaftliche Erzeugnisse.

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Haben Brandenburger Jäger genug Nachfrage für Wild?

Wie die Sprecherin des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums, Frauke Zelt, auf Anfrage mitteilte, hätten Brandenburger Jäger kein Vermarktungsproblem für Wildbret. „Im Gegenteil, der Markt würde deutlich mehr Wildbret aufnehmen als derzeit angeboten wird“, sagte sie. Der größte Teil des erlegten Wilds werde von den Jägern selbst verzehrt oder an Familienangehörige, Freunde und Verwandte weitergegeben.

„Der Wildfleischmarkt ist ein Nischenmarkt und wird das zukünftig bleiben“, so Zelt. Zeigten die Anbieter Engagement bei der Vermarktung, würden sie von der Abnehmerseite auch tatsächlich gefunden. „Es bedarf keiner aktiven staatlichen Einflussnahme in diesem Marktsegment.“

Doch der Präsident des Brandenburger Landesjagdverbands, Dirk-Henner Wellershoff, hielt dagegen: Die Brandenburger Jäger würden sich durchaus mehr Engagement des Landes bei der Vermarktung von Brandenburger Wildfleisch wünschen, sagte er. Neben einem Qualitätssiegel, „das ein guter Aufschlag wäre“, gelte das auch für die Einführung der „Waldfleisch-App“: Sie soll interessierte Käufer mit Jägern aus ihrer Nachbarschaft zusammenbringen, und so bei der regionalen Vermarktung von Wildfleisch helfen.

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