Die genauen Landeszahlen hielt das Ministerium unter Verschluss und gab stattdessen die Bundeszahlen heraus. Jens Kalaene
Falsche Zahlen

Nichtraucher-Statistik löst sich in Dunst auf

Hat das Sozialministerium versucht, die Öffentlichkeit beim Thema Nichtraucherschutz in die Irre zu führen? Das SPD-geführte Ressort musste einen Fehler einräumen.
Schwerin

Bei den jüngst veröffentlichten Zahlen der Landesregierung zum Nichtraucherschutz in MV geht es offenbar nicht mit rechten Dingen zu: Die Statistik deckt sich bis auf die Kommastelle genau mit den deutschlandweiten Durchschnittswerten. Stark abweichende Landeswerte wurden hingegen bis zu einer Nachfrage des Nordkurier unter Verschluss gehalten.

So hatte das Sozialministerium in der vergangenen Woche stolz via Pressemitteilung verkündet, dass sich der Anteil der rauchenden Jugendlichen in MV von 27,5 Prozent auf 12 Prozent mehr als halbiert habe. Bei den jungen Erwachsenen sei der Anteil der Raucher von 44,5 auf 35,2 Prozent gesunken. Das sind allerdings exakt die Zahlen, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer Studie zum Tabakkonsum in ganz Deutschland nennt. In dem unter Verschluss gehaltenen Prüfbericht des Ministeriums zur Situation in MV heißt es hingegen: „Der Anteil derjenigen, die täglich rauchen, ist von 51 Prozent auf 29 bei Jungen und von 52 Prozent auf 24 bei Mädchen zurückgegangen.“

Landtag entscheidet über Nichtraucherschutz neu

Die seltsame Übereinstimmung einerseits und die bisher geheimen Zahlen andererseits verwundern nicht nur den Gesundheitsexperten der FDP, Rolando Schadowski. „Kann das Zufall sein?“, fragt der Vize-Landesvorsitzende. Zugleich kritisiert er, dass der Prüfbericht für die Öffentlichkeit nicht verfügbar war. Das Papier wurde erarbeitet, weil der Landtag in dieser Woche über das Nichtraucherschutzgesetz neu entscheiden soll.

Das Gesetz war bislang befristet und soll nun auf Dauer entfristet werden. Schadowski bezieht sich zudem auf Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, wonach der Anteil der Rauchenden grundsätzlich vom sozialen Status abhängig ist – ein geringer sozialer Status bewirkt statistisch jeweils eine höhere Raucherquote. „MV hat aber nach allen Statistiken die größten Anteile an sozial Benachteiligten. Wie kann dann die Zahl der Raucher mit der Bundesstatistik der BZgA übereinstimmen?“

Sozialministerium räumt Fehler ein

Auffällig sei noch, dass die Stellungnahme des Landesjugendrings nicht in den Prüfbericht einbezogen wurde. Der Jugendring hatte insbesondere Kritik am absoluten Rauchverbot auf den Geländen von Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe geübt. Das habe sich nicht bewährt, da in der Folge die Jugendlichen vor dem Gelände rauchten. Raucherinseln auf dem Gelände seien daher zu empfehlen.

Das SPD-geführte Sozialministerium räumte am Dienstag zumindest ein, einen Fehler gemacht zu haben. Die veröffentlichten Zahlen seien tatsächlich die deutschlandweiten. In der Pressemitteilung hieß es wörtlich: „Im Land“. „Richtiger hätte der erste Satz also lauten müssen: Daneben ist in Deutschland ein deutlicher Rückgang der Zahl jugendlicher und junger Raucher zu verzeichnen“, so eine Sprecherin. Der Verdacht, dass das Ministerium bewusst getäuscht haben könnte, ist damit allerdings nicht ausgeräumt. Auf die Frage, warum die negativeren Landeszahlen nicht veröffentlicht wurden, fand die Sprecherin eine weitere erstaunliche Antwort: „Dafür gibt es keinen speziellen Grund. Die Bundeszahlen und die Landeszahlen sprechen die gleiche Sprache.“

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