SCHMIERFETT IN DER OSTSEE

Nord Stream 2 übernimmt Verantwortung

Nach den Schmierfettfunden im Greifswalder Bodden haben Umweltminister Till Backhaus (SPD) und Vertreter des Unternehmens Nord Stream 2 sich vor Ort ein Bild gemacht.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Henning Kothe (Mitte), Geschäftsführungs-Mitglied von Nord Stream, äußert sich zur Schmierfett-Havarie.
Henning Kothe (Mitte), Geschäftsführungs-Mitglied von Nord Stream, äußert sich zur Schmierfett-Havarie. Gabriel Kords
Lubmin.

"Wir bedauern die Verunreinigung der Küste und wir übernehmen dafür die Verantwortung" - mit diesem Satz hat Nordstream-Geschäftsführungsmitglied Henning Kothe am Montag dem Umweltminister Till Backhaus (SPD) fast die Schau gestohlen: Denn genau dieses Schuldeingeständnis hatte das Unternehmen nach den Schmierfett-Funden am Greifswalder Bodden. bislang vermieden. Nun aber hat der Pipeline-Bauer deutlich gemacht, dass man zu seiner Verantwortung für die Umwelt stehen will.

Wobei es, wie kurz darauf betont wurde, nicht Nordstream 2 selbst, sondern ein von Nordstream beauftragtes Baggerunternehmen gewesen sei, dass den Schmierfettverlust auf einem seiner Schiffe letztlich zu verantworten habe, was für die strafrechtliche Aufarbeitung der Affäre noch von Bedeutung sein könnte.

Reinigung der Strände läuft noch

Ansonsten mühten sich sowohl Kothe und auch Backhaus bei dem Termin am - natürlich blitzsauberen - Strand von Lubmin um Schadensbegrenzung: Nach bisherigen Erkenntnissen seien lediglich rund drei Zentner des schwach giftigen Schmierfetts ausgetreten, von denen etwa die Hälfte wieder eingesammelt worden sei. "Wo noch etwas auftaucht, werden wir es beseitigen", hieß es von Nordstream. Auch die Beräumung der schwerer zugänglichen Strandgebiete laufe noch. 

Umweltminister Till Backhaus (SPD) hielt sich mit Kritik an dem Unternehmen zurück, was offenbar der Tatsache geschuldet war, dass die Firma sich - wie man hörte, erst wenige Stunden zuvor - doch noch entschieden hatte, die Verantwortung für den Vorfall zu übernehmen. Dies sei neuen Laboranalysen geschuldet, hieß es: Diese würden aus Sicht des Unternehmens belegen, dass die Fette von dem Schiff stammen. Zuvor hatten die Behörden offenbar im Hintergrund den Druck auf den Konzern erhöht.

"Die Bagger bleiben so lange stehen, bis alles geklärt ist", sagte nun Backhaus und bekräftigte damit eine Ankündigung, die auch Nordstream 2 schon macht hatte. Er forderte zudem den Einsatz biologisch abbaubarer Schmierfette. Das havarierte Fett hat diese Qualität nicht, es ist auf Mineralölbasis hergestellt.

Backhaus: Waren weder langsam, noch unentschlossen

Backhaus verteidigte seine Behörden gegen Vorwürfe des Nabu, zu langsam und zu unentschlossen gehandelt zu haben: "Die Wasserschutzpolizei hat uns am Sonntagabend, unmittelbar nach einem Hinweis aus der Bevölkerung eingeschaltet", sagte Backhaus. Am Montag seien erste Strände kontrolliert und Proben genommen worden, am Dienstag habe der Vorgang auf seinem Schreibtisch gelegen: "Wir haben uns gekümmert. Und wir haben, anders als in vielen anderen früheren Fällen, den Verursacher ermittelt und zwar ganz alleine." Das macht auch deutlich: Die Behörden sind verstimmt darüber, dass der Baggerfrüher die Havarie auf seinem Schiff nicht von sich aus angezeigt. "Dazu wäre er verpflichtet gewesen", sagte Backhaus.

Der Minister betonte auch: Gemessen mit anderen Vorfällen, bei denen in den vergangenen Jahren Paraffin an der Ostseeküste angespült worden sei, handle es sich um eine geringe Menge. Seinerzeit habe es sich jeweils um mehrere Tonnen gehandelt.

Gleichwohl bleibt der Fall - unter anderem wegen der nicht erfolgten Schadensmeldung - auch weiterhin ein Thema für Polizei und Staatsanwaltschaft. Wie lange die Ermittlungen dauern werden, ist ebenso unklar wie die Frage, wann die Bauarbeiten im Bodden wieder aufgenommen werden.

Der Bau der Pipeline kostet etliche Milliarden

Nord-Stream-Mann Kothe betonte am Montag aber, dies sei unbedingt geplant. Die Pipeline nicht zu bauen, liege für das Unternhemen nicht im Bereich des Vorstellbaren, auch wenn noch nicht aus allen beteiligten Ländern Baugenehmigungen vorliegen: "Sollte es wider Erwarten aus einem Land keine Baugenehmigung geben, ändern wir den Verlauf der Pipeline", kündigte Kothe an. Kein Wunder - ein Scheitern des international umstrittenen Projekts wäre ein Fiasko: Das Unternehmen hat bereits rund vier Milliarden für die Herstellung der Rohre ausgegeben. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf rund neun Milliarden. Keine Frage: Die Beräumung einiger Dutzend Strände am Greifswalder Bodden ist angesichts dieser Kosten ein Pappenstiel.

Am Rande der Veranstaltung gab es noch Ärger mit der Polizei: Weil Backhaus offenbar Angst vor Aktionen von Umweltschützern hatte, sicherte die Polizei den Termin - und hielt dabei einen Fotografen der Deutschen Presse-Agengtur (dpa) auf. Die Polizisten nahmen die Personalien des Mannes auf und wollten ihm verbieten, sie zu fotografieren - was sie ihm nicht hätten verbieten dürfen. Später war von einem Missverständnis die Rede

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