WINDENERGIE

Nordex will Billiglohn-Kritik nicht auf sich sitzen lassen

Die Vergabe einer Krisen-Bürgschaft an den Windradhersteller war in Mecklenburg-Vorpommern mit Vorwürfen und Forderungen aus der Politik verbunden. Jetzt deckt das Unternehmen Teile seines Gehaltskonzeptes auf.
Mit einem Spezialkran wird hier der vormontierte Propeller an das Maschinenhaus einer Windkraftanlage gehoben. Im Windpark Hoo
Mit einem Spezialkran wird hier der vormontierte Propeller an das Maschinenhaus einer Windkraftanlage gehoben. Im Windpark Hoort südlich von Schwerin an der Autobahn A24 hatte Nordex Anfang des Jahres 16 Windkraftanlagen errichtet. Aber seitdem hat die Corona-Krise dem Anlagenbauer schwer zugesetzt. Jens Büttner/dpa
Rostock ·

Der Windradhersteller Nordex hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die rund 1600 Mitarbeiter am Standort Rostock nur unzureichend bezahlt werden. Das Unternehmen verfüge über ein mit dem Betriebsrat gemeinsam entwickeltes und auf Nordex zugeschnittenes Entgeltsystem, sagte eine Sprecherin auf Nordkurier-Anfrage.

Nordex sei allerdings nicht tarifgebunden. Die Vergabe einer Millionen-Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommerns war zuvor im Finanzausschusses des Landtages mit Kritik an der Höhe der gezahlten Löhne einher gegangen.

Staat bürgt für dreistelligen Millionenkredit

Insgesamt benötigt das Unternehmen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die laufenden Geschäfte einen Kredit von 350 Millionen Euro. Für die Hälfte davon, 175 Millionen Euro, soll der Bund bürgen, für 116  Millionen Euro das Land MV und für den Rest die Hansestadt Hamburg. Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Zustimmung zur Bürgschaft verweigert, deren Zahlung bei einer Pleite von Nordex fällig würde.

Darüber hinaus hatten CDU und Linke die Erwartung geäußert, dass der Standort Rostock Nutznießer der Bürgschaft sein sollte, etwa durch Ansiedlung von Forschung und Entwicklung. Größter Anteilseigner von Nordex ist das spanische Unternehmen Acciona.

Sonderzahlung trotz Krise

Nach Angaben der Nordex-Sprecherin berät die Unternehmensleitung zusammen mit dem Betriebsrat regelmäßig kollektive Entgelterhöhungen. Der Abschluss 2020 mit dem Betriebsrat enthalte eine Erhöhung der Gehälter um 2,5-2,8 Prozent. Das liege über den Abschlüssen tarifgebundener Unternehmen, wo in vielen Branchen Null-Runden durchgeführt worden sind. Im vergangenen Jahr seien die Gehälter bei Nordex generell um 1,7 Prozent erhöht worden. Zudem habe Nordex in diesem Jahr gemeinsam mit dem Betriebsrat vereinbart, dass Mitarbeiter eine jährliche Sonderzahlung erhalten, die an das Unternehmensergebnis gekoppelt sei. Diese Beteiligung werde in den nächsten drei Jahren schrittweise auf etwa fünf Prozent des Jahresgehaltes erhöht, so das Unternehmen.

Mitarbeiter verdienen deutlich schlechter

Laut Gewerkschaft IG Metall liegt das Einkommen bei Nordex in der Produktion etwa um ein Drittel unter dem Branchentarifvertrag. „Macht etwa 12 000 Euro im Jahr weniger“, sagte Stefan Schad, Geschäftsführer des IG-Metallbezirks Rostock-Schwerin. Allerdings lägen die Gehälter über dem Niveau anderer Unternehmen. Insider wissen unterdessen zu berichten, dass bei Nordex in MV viele Leiharbeiter und Beschäftigte über Werkverträge arbeiten. Aus Sicht der IG Metall sollte es künftig mehr Stammbeschäftigte bei Nordex geben, wenn der Staat mit einer Bürgschaft einspringt.

Das Unternehmen selbst verteidigt die Arbeitsbedingungen und die Rolle des Standortes Rostock. Die Stadt sei ein großer und bedeutender Produktionsstandort für Nordex. Bereits heute sei ein Teil der Forschung und Entwicklung in Rostock angesiedelt. Zudem wurde den Firmenangaben zufolge in Rostock im vergangenen Jahr die Serienproduktion der neuesten Turbinengeneration gestartet, die heute ein weltweites Erfolgsmodel sei. Zum Nordex-Fertigungsverbund gehören laut Unternehmen Werke in sieben Ländern mit rund 6800 Beschäftigten.

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