Für die Werft in Stralsund gibt es bereits ein neues Konzept.
Für die Werft in Stralsund gibt es bereits ein neues Konzept. Stefan Sauer
500 Arbeitsplätze garantiert

Nordic wird neuer Eigner von P+S-Werft

Ende einer Hängepartie: Der Verkauf der P+S-Werft in Stralsund ist besiegelt. Nordic-Eigner Jussufow und Insolvenzverwalter Brinkmann unterzeichneten den Kaufvertrag. Drei der vier Großwerften des Landes sind nun in der Hand des russischen Unternehmers.
dpa
Stralsund

Rund 21 Monate nach der Pleite hat die Stralsunder Volkswerft einen neuen Eigentümer. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann und der Eigner von Nordic Yards, Witali Jussufow, unterschrieben den Kaufvertrag, wie beide Seiten am Dienstag in Wismar bekanntgaben. Jussufow garantierte die Zahl von 250 Mitarbeitern bis Ende dieses Jahres. Mindestens 75 Prozent müssen aus dem Kreis der ehemaligen Volkswerft-Beschäftigten stammen, sagte Brinkmann.Der Kaufvertrag sieht vor, dass bis Ende 2016 weitere 250 Mitarbeiter eingestellt werden. „Das heißt, Ende 2016 wird die Volkswerft wieder mindestens 500 Mitarbeiter in unbefristeten Vollzeitstellen haben", sagte Brinkmann. Der Vertrag beginnt am 1. Juni. Dann würden in den ehemaligen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast 1000 Menschen arbeiten, mehr als die Hälfte wie vor der Insolvenz.

Die 21 Monate Insolvenzverwaltung hätten sich vor diesem Hintergrund gelohnt. „Jetzt wird hier wieder aufgebaut", sagte Brinkmann. Die Landesregierung als größter Sicherungsgläubiger der Werft hatte Ende April Zustimmung zum Verkauf signalisiert, nachdem sich Verhandlungen mit anderen Interessenten zerschlagen hatten.

Inoffiziellen Angaben zufolge hat Nordic fünf Millionen Euro für die Werft gezahlt, 1,5 Millionen Euro werden folgen, sobald der Standort Gewinn macht. Nordic werde Betriebsmittel bereitstellen und erheblich investieren.

Neue Projekte im Bereich Offshore und Schiffbau

Nach Worten Jussufows liegt ein auf Stralsund zugeschnittenes Konzept vor. Es sehe den Bau großer Anlagen für die Offshore-Windkraft und auch Schiffbau vor. „Ich gehe fest davon aus, dass wir eine gewisse Zeit brauchen werden, die ersten Projekte für den Standort zu organisieren." Die Beschäftigungsgarantie sei davon nicht betroffen. Jussufow zeigte sich davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell der Standorte Wismar und Warnemünde auch in Stralsund funktionieren werde. Nordic beschäftigt derzeit 1250 Mitarbeiter, die Werften seien ausgelastet.

Mit Blick auf die aktuelle Krise um die Ukraine sagte Jussufow, dass die Nordic-Yards-Projekte davon nicht beeinflusst seien. Diese hätten keinen politischen Bezug und beträfen auch nicht Russland oder die Ukraine. „Und ich würde im Moment mit Sicherheit nicht so weit gehen, dass meine Herkunft in der deutschen Markwirtschaft eine negative Rolle spielen kann." Mit dem Verkauf der Volkswerft an Jussufow sind drei der vier Großwerften in Mecklenburg-Vorpommern in der Hand des russischen Unternehmers.

Der ehemalige Volkswerft-Betriebsrat Jürgen Kräplin begrüßte die Übernahme. „Unter den gegebenen Umständen ist das eine sehr erträgliche Lösung", sagte Kräplin, der zu den im Mai von Nordic übernommenen 48 Volkswerft-Mitarbeitern gehört. Das unmittelbar nach der Insolvenz abgesteckte Hauptziel, die Werft als Ganzes erhalten zu wollen, sei erreicht - Voraussetzung dafür, dass neben Stahlbauanlagen in Zukunft auch wieder Schiffe in Stralsund gebaut werden könnten.

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