SCHWERE REGENFÄLLE

Nordosten ächzt unter Wassermassen

Der Starkregen ist vorbei und hat soviel Wasser über das Land gebracht, wie sonst in einem Monat. Zahlreiche Straßen und Keller wurden überflutet, in Brandenburg sackte sogar die Böschung unter einer Autobahn ab.
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Die Böschung an der Anschlussstelle Oranienburg-Süd ist auf einer Länge von etwa 250 Metern abgerutscht.
Die Böschung an der Anschlussstelle Oranienburg-Süd ist auf einer Länge von etwa 250 Metern abgerutscht. Christian Pörschmann
Großeinsatz bei Ivenack
Großeinsatz bei Ivenack Eckhard Kruse
Die Ivenackerin Sindy Andreya - hier mit Einsatzleiter Heiko Peters und dem Ritzerower Wehrführer Christoph Zikreiner - hat für die Feuerwehrleute extra Kuchen gebacken.
Die Ivenackerin Sindy Andreya - hier mit Einsatzleiter Heiko Peters und dem Ritzerower Wehrführer Christoph Zikreiner - hat für die Feuerwehrleute extra Kuchen gebacken. Eckhard Kruse
In Ivenack mussten Häuser mit Sandsäcken abgedichtet werden.
In Ivenack mussten Häuser mit Sandsäcken abgedichtet werden. Eckhard Kruse
Die Feuerwehr hatte auch in Liepgarten bei Ueckermünde alle Hände voll zu tun.
Die Feuerwehr hatte auch in Liepgarten bei Ueckermünde alle Hände voll zu tun. Christopher Niemann
Die Umgehungsstraße in Waren war am Freitagvormittag teilweise knietief überflutet.
Die Umgehungsstraße in Waren war am Freitagvormittag teilweise knietief überflutet. Stephan Radtke
Wasser floss vom Berg ins Dorf, wie die Feuerwehr erklärte.
Wasser floss vom Berg ins Dorf, wie die Feuerwehr erklärte. Christopher Niemann
Neubrandenburg.

Der starke Regen seit Donnerstagabend hat im Nordosten zahlreiche Überflutungen verursacht, viele Feuerwehren sind auch noch am Freitag im Einsatz. Die Umgehungsstraße in Waren wurde am Freitagvormittag von den Wassermassen regelrecht überrollt. Auf einem 20 Meter breiten Streifen wurde die Fahrbahn teilweise knietief überflutet. Die Feuerwehr versuchte mit ihrer Pumpentechnik, den Wassermassen Herr zu werden.

Weitere Einsätze gab es am Warener Kietz. Hier wurde ein Keller überflutet. In Röbel stand der Keller eines Supermarktes in der Mirower Straße unter Wasser und die Freiwillige Feuerwehr rückte zur Unterstützung nach Starsow aus. Hier waren die Feuerwehren Mirow und Wesenberg wegen überschwemmter Straßen im Einsatz, zudem waren drei Grundstücke überflutet. Das Wesenberger Burgfest wurde aufgrund des starken Regens abgesagt. Auch das Testspiel des FC Hansa Rostock gegen den FSV Malchin wurde verschoben. Auch der Sommerempfang in Stavenhagen fiel aus.

Wasser lief vom Berg ins Dorf

In der Müritzregion war die Feuerwehr bereits am Donnerstagabend im Dauereinsatz, auch das Technische Hilfswerk eilte zu Hilfe. In Waren mussten die Einsatzkräfte nach Angaben der Regionalleitstelle im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte rund mehr als 40 Mal ausrücken.

Auch in Liepgarten bei Ueckermünde standen Straßen unter Wasser, Keller und Gärten liefen voll, ein Einwohner musste seine Tiere evakuieren und in einen anderen Stall bringen. Die Kanalisation konnte die Wassermengen nicht aufnehmen, die Feuerwehr pumpte ab. In manchen Kellern habe das Wasser einen halben Meter hoch gestanden, sagte Christian Wloch von der Feuerwehr Liepgarten. "Das Wasser haben wir in Gullys weitergeleitet." Vor einigen Jahren hätten die Kameraden einen ähnlichen Einsatz zu bewältigen gehabt, berichtet Wloch. Der Grund: "Die Wassermassen fließen vom Berg ins Dorf."

Hochwasser bedroht Häuser in Ivenack

Mehrere Häuser in Ivenack sind vom Hochwasser bedroht. Die Feuerwehrwehrleute aus Ivenack, Grischow und Ritzerow mussten Sandsäcke vor Terassentüren stapeln. Dennoch lief das Wasser schon in eine Wohnung in der Seestraße. Die Wassermassen fließen schon seit Donnerstagabend von einem Acker über die Straße am östlichen Ortseingang. Dann überfluteten sie die Gartenanlage und flossen bis an die Häuser, berichtete Einsatzleiter Heiko Peters.

Weil der Regen nicht aufhört, laufen die Feuerwehrpumpen auf Hochtouren. Sogar das Technische Hilfswerk aus Demmin rückte mit einer riesigen Spezialpumpe an, die die Wassermassen in den See leitet. Gleichzeitig wurde der Straßengraben ausgebaggert, um den Fluten mehr Raum zu geben. Die Feuerwehr rechnet damit, dass der Einsatz noch bis zum Abend andauern wird.

Regen reichte für einen Durchschnitts-Juni

Susan Tietze von der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes in Angermünde meldete am Freitag für Prenzlau: „Hier wurden als 24-Stunden-Wert von Donnerstag bis Freitag 55,6 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Dieser Wert entspreche in etwa dem Monatsdurchschnitt für Juni. Einige Keller in Prenzlau mussten leergepumpt werden. Relativ gelassen reagierten die Stadtwerke Prenzlau. „Unsere Kläranlage verkraftet solche Regenmengen“, sagte der Technische Leiter Ralf Brücker.

Anders in der Region Mirow und Wesenberg, zu viel Niederschläge in zu kurzer Zeit überforderten dort teils die Regenentwässerung. Am Freitagvormittag pumpte die Mirower Feuerwehr Wasser von drei überfluteten Grundstücken in Starsow ab. Am Donnerstagabend hatten die Kameraden bereits in der Lärzer Straße in Mirow einen Einsatz. „Die Straßengräben waren vollgelaufen, es gab Rückstau und es drückte aus den Abwässerschächten heraus“, beschrieb Mirows Wehrleiter Ingo Mahnke die Lage. Drei Stunden lang sei die Feuerwehr massiv mit dem Abpumpen von Wasser beschäftigt gewesen.

Autobahn unterspült

Nach dem starken Regen ist die Autobahn 14 bei Perleberg wegen einer abrutschenden Böschung gesperrt worden. Der Hang sei auf einer Länge von mehreren hundert Metern abgestürzt, teilte die Polizei in Neuruppin mit. Die Fahrbahn in Richtung Magdeburg zwischen den Anschlussstellen Karstädt und Groß Warnow sei deshalb seit dem Mittag gesperrt. Die Gegenfahrbahn sei bereits aufgrund von Bauarbeiten nicht befahrbar, hieß es. Die Vollsperrung werde nach gegenwärtigem Kenntnisstand mehrere Tage andauern, hieß es. Da neben der A 14 eine Bundesstraße befahrbar sei, rechne man nicht mit größeren Behinderungen.

Völliges Chaos in Berlin

In Rostock, Schwerin und Neubrandenburg blieb es trotz anhaltenden Regens überwiegend ruhig. Bei den Schlossinsel-Festspielen in Wolgast wurde die Premiere der Komödie "In Sachen Adam und Eva" kurzfristig abgesagt, die Besucher mussten die Freiluftbühne aufgrund des Regens verlassen. Das gleiche passierte beim "Jazz-Frühling" in Greifswald: Vom traditionellen Veranstaltungsort, der Klosterruine in Eldena, wechselte die Veranstaltung in einen überdachten Raum.

Chaotisch war die Lage in Berlin: Bis kurz vor Mitternacht zählte ein Sprecher fast 1400 wetterbedingte Einsätze in der Hauptstadt. Örtlich fiel binnen weniger als 24 Stunden mehr als doppelt so viel Regen wie normalerweise im ganzen Juni. Im Stadtteil Charlottenburg musste ein von den Wassermassen unterspültes Haus wegen möglicher Einsturzgefahr evakuiert werden. Der am Donnerstagmittag ausgerufene Ausnahmezustand galt in der Nacht fort. Am Freitagnachmittag beruhigte sich die Lage.

Verschiedene Nordkurier-Reporter sind an diesem Text beteiligt. Mit Agenturmaterial.

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