Schmierfette getauscht

:

Nord Stream 2 darf im Bodden weiterbaggern

Das Baggerschiff "Peter the Great", auf dem die Havarie aufgetreten war, ist nicht mehr für Nordstream im Einsatz. 
Das Baggerschiff „Peter the Great”, auf dem die Havarie aufgetreten war, ist nicht mehr für Nordstream im Einsatz.
Stefan Sauer

Ab Donnerstag wird im Greifswalder Bodden wieder für die Pipeline Nord Stream 2 gebaggert. Die Bauarbeiten waren nach einer Schmierfett-Havarie eingestellt worden.

Konzertierte Aktion von Behörden und Pipeline-Bauern: Pünktlich um 8 Uhr teilten sowohl das Umweltministerium als auch die Firma Nord Stream 2 am Donnerstag mit, dass die Bagger-Arbeiten für die Erdgas-Pipeline im Greifswalder Bodden wieder aufgenommen werden. Die Arbeiten ruhten seit knapp einem Monat, nachdem es am Wochenende vor Pfingsten zu einer Schmierfett-Havarie auf einem der Baggerschiffe gekommen war.

Wie es nun in der Mitteilung des Umweltministeriums heißt, muss Nordstream künftig strengere Auflagen an dem von dem Unternehmen beauftragten Baggerschiffen einhalten. Für Minister Till Backhaus (SPD) ist das ein Erfolg: „Ich bin ausgesprochen erleichtert darüber, dass wir bei dem Unternehmen Nord Stream 2 unsere Ansprüche an höchste Umweltstandards durchsetzen konnten. Ab sofort wird Nord Stream 2 bei Baggerarbeiten im Greifswalder Bodden in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Vorpommern einen Katalog von Maßnahmen umsetzen, der Schmierfetteinträge in den Greifswalder Bodden vermeiden soll.“

Keine Schmierstoffe auf Mineralölbasis mehr

Backhaus machte auch deutlich, dass die Entscheidung zur Einstellung der Baggerarbeiten am 28. Mai, von denen das Unternehmen stets betont hatte, sie freiwillig getroffen zu haben, tatsächlich „auf Druck” des Umweltministeriums erfolgt war. Weiter schreibt Backhaus, die mineralölhaltigen Schmiermittel auf den Baggerschiffen seien gegen „biologisch leichter abbaubare Schmierstoffe” getauscht worden.

„Wir werden die Arbeit der Baggerschiffe kritisch beobachten“, sagte Minister Backhaus weiter. Unter anderem werde das landeseigene Gewässerüberwachungs- und Ölfangschiff „Strelasund“ Kontrollfahrten im Bereich des Bauvorhabens unternehmen: „Ich erwarte, dass Nord Stream 2 alle neuen Maßnahmen zur Vermeidung von Gewässerverunreinigungen durch Schmierstoffe und Hydrauliköle bei allen offshore-Arbeiten im Nordstream 2-Projekt im gesamten Ostseeraum konsequent zur Anwendung bringt“, sagte der Minister.

Havariertes Baggerschiff ist nicht mehr für Nordstream tätig.

Nordstream-Manager Henning Kothe beteuerte: „Es ist sichergestellt, dass sich ein Zwischenfall wie auf der ‚Peter the Great‘ nicht wiederholen wird. Die Einhaltung der Umweltstandards genießt weiterhin höchste Priorität.“

Weiter hieß es von der Firma, alle Baggerschiffe seien nochmals von einem unabhängigen Zertifizierungsunternehmen geprüft worden. Danach erfolge pro Baggerschiff die Freigabe durch das Nordstream-Management. Erst danach dürften die Bagger ihre Arbeiten wieder aufnehmen. Zudem befinde sich ab sofort auf jedem Baggerschiff ein Unternehmens-Repräsentant, der rund um die Uhr alle Arbeiten an Bord direkt überwachen wird.

Zudem wurde mitgeteilt, das Havarie-Schiff ‚Peter the Great‘ sei nun nicht mehr für das Projekt tätig. Die vorbereitenden Arbeiten für die spätere Rohrverlegung würden von den vier verbleibenden Spezialbaggern wieder aufgenommen. Auf den Zeitplan soll die Maßnahme keine größeren Auswirkungen haben: Bis Ende des Jahres soll die Pipeline im Bodden verlegt sein, so wie es auch genehmigt ist. Zuletzt waren Umweltschützer mit einem Eilantrag gegen das Projekt gescheitert.

Reinigungsarbeiten beendet, weitere Funde möglich

Bei den Reinigungsarbeiten seien inzwischen rund 60 Kilometer Strand- und Küstenabschnitte vom Struck bis Zudar abgesucht und gereinigt worden. Insgesamt seien somit rund 100 Kilogramm der insgesamt etwa 150 Kilogramm eingesammelt worden. Es gebe immer noch neue Funde, die Tendenz sei aber „deutlich rückläufig.” Nordstream erklärte dazu: „Obwohl nun 100 Prozent der Küstenlinie als gesäubert beziehungsweise nicht betroffen gelten, können weitere Neuanspülungen von Fettresten nicht ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund sind weiterhin Beobachter unterwegs, die dann die schnelle Reinigung selbst vornehmen beziehungsweise veranlassen.” Zudem sei unverändert die Hotline für den Fall weiterer Funde geschaltet: 030 288758116.