Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) ist angesichts der Energie-Krise sicher: „Wir schaffen das nicht.” Die
Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) ist angesichts der Energie-Krise sicher: „Wir schaffen das nicht.” Die Politik müsse ihre Strategie grundlegend ändern. Bernd Wüstneck
Energie-Krise

Notfallpläne für Winter in MV – Bürgermeister platzt der Kragen

Einem Bürgermeister aus dem Nordosten reicht es mit den Spar-Tipps und Notfall-Szenarien in der Energie-Krise. Er hofft, seine offenen Worte werden einige in Berlin aufrütteln.
Bad Doberan

Seit drei Jahren ist der Jochen Arenz (parteilos) Bürgermeister von Bad Doberan. Über die Stadt hinaus machte er bislang nur selten von sich reden. Nun aber will es Arenz wissen. Sein offener Brief an die Bundesregierung, den er am Samstag im Netz veröffentlichte, erreichte innerhalb kurzer Zeit wohl Zehntausende Menschen.

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„Deutschland rast auf einen Abgrund zu”

Arenz arbeitet sich darin an der Energie-Krise und der aktuellen Politik ab – und er deutet an, dass er für seine Stadt Widerstand leisten will. „Ich sehe Deutschland auf einen Abgrund zurasen, einen Abgrund, der unsere Wirtschaft und unseren sozialen Frieden zerreißen wird”, schreibt er. Ideen die derzeit für die kommenden Monate durch die große Politik geisterten, versetzen den 57-Jährigen offenbar in Rage.

„Als Bürgermeister der Stadt Bad Doberan lehne ich es persönlich ab, Wärmehallen für die frierende Bevölkerung zu planen oder weitergehende Notfallpläne zu entwickeln”, so Arenz. Sollte es soweit kommen, dass solche Pläne gebraucht würden, sei das Land ohnehin nicht mehr zu retten. Dann „wird unsere Wirtschaft aufgrund mangelnder Energieversorgung zusammen- und unsere Gesellschaft auseinanderbrechen”, schreibt er.

Krieg, Frieden und eiskalte Winter

Arenz stellt in seinem Schreiben infrage, ob man sich tatsächlich um einen Frieden im Ukraine-Krieg bemühe, ob die Sanktionen gegen Russland helfen würden die Gewalt zu beenden: „Sind die Sanktionen vielleicht Ausdruck unserer eigenen Hilflosigkeit, weil wir nicht wissen, wie wir sonst helfen und handeln sollen?” Putin sei ein Kriegstreiber, trotzdem müsse man mit ihm verhandeln und eine Lösung erarbeiten, bei der alle Seiten das Gesicht wahren könnten.

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Gleichzeitig fordert von den Landes- und Bundespolitikern auch sehr konkrete Schritte: „Fahrt endlich alle Atom- und Kohlekraftwerke zeitlich befristet wieder hoch. Sollte die Gasversorgung ausfallen, werden die Menschen in ihrer Verzweiflung mit ihren Backöfen und Kochplatten heizen. Das ist nicht vorstellbar? Das war der russische Angriffskrieg auch nicht.”

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