STREIT UM NORD STREAM 2

Ob Trump oder Biden – Sassnitz leidet unter den USA

In Sassnitz liegen Rohre für die Ostsee-Pipeline, Verlegeschiffe legen auf der Insel Rügen an. Die US-Regierung droht Rüganern daher mit Sanktionen. Ob ein neuer Präsident das Verhältnis verbessert?
dpa
Verlegeschiffe des Unternehmens „Allseas” wurden nach den US-Drohungen vom Hafen Sassnitz-Mukran abgezogen. Seitde
Verlegeschiffe des Unternehmens „Allseas” wurden nach den US-Drohungen vom Hafen Sassnitz-Mukran abgezogen. Seitdem war dort die „Akademik Tscherski” im Einsatz. Stefan Sauer
Sassnitz.

Der von Sanktionsdrohungen der USA betroffene Bürgermeister von Sassnitz auf Rügen, Frank Kracht (parteilos), verknüpft keine Hoffnungen mit einem Wechsel im Weißen Haus. Der US-Kongress habe die geplanten Sanktionen gegen Beteiligte am Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 mit sehr großer Mehrheit bestätigt, sagte Kracht. Selbst der ehemalige US-Präsident Barack Obama habe das russisch-deutsche Pipeline-Projekt kritisiert, die russisches Erdgas nach Deutschland bringen soll. Seine einzige Hoffnung sei, dass die Politik mit dem Demokraten Joe Biden „etwas menschlicher” werden könnte.

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Die USA haben am Dienstag (Ortszeit) einen neuen Präsidenten gewählt. Der Demokrat Biden trat gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump an. Wegen der großen Zahl an Briefwählern kam es zu Verzögerungen bei der Auszählung der Stimmen.

US-Behörden setzen Hafen-Angestellte unter Druck

Der Kommunalpolitiker Kracht ist betroffen, weil er aufgrund seines Amtes ein sogenannter geborener Gesellschafter der Fährhafen Sassnitz GmbH ist. In deren Hafen Sassnitz-Mukran lagern die Rohre für den Bau der Pipeline. Die Stadt Sassnitz ist zu 90 Prozent, das Land Mecklenburg-Vorpommern zu 10 Prozent Gesellschafter der GmbH.

Ein Drohbrief von drei US-Senatoren sei an die Fährhafen Sassnitz GmbH gegangen, sagte Kracht. Darin sei den Vorstandsmitgliedern, leitenden Angestellten und Aktionären die Einreise in die USA untersagt worden. Jegliches Eigentum in den USA werde eingefroren.

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Die Mitarbeiter hätten nichts zu befürchten, sagte Kracht. Die Betroffenen hätten sich rechtlich beraten lassen. Er selbst besitze weder Vermögen noch Immobilien in den USA, könnte aber als Bürgermeister nicht mehr in die Partnerstadt Port Washington reisen.

Ein Sprecher des Mukran Port wollte sich zu den Sanktionsdrohungen nicht äußern und verwies auf das Auswärtige Amt. Auch die Nord Stream 2 AG erklärte, man äußere sich nicht zu politischen Entscheidungen.

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Ein Sprecher machte aber auf die Konsequenzen aufmerksam, wenn die Pipeline nicht zu Ende gebaut werde: Ein Stopp würde Investitionen von rund 700 Millionen Euro verhindern, die zum Fertigbau nötig seien. Knapp 8 Milliarden Euro seien bereits in die Pipeline investiert, weitere 3,75 Milliarden in die Leitungen an Land. Es fehlen noch 150 des insgesamt 2360 Kilometer langen Doppelstrangs.

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