AUF USEDOM GETÖTET

Öffnete Maria ihrem Mörder selbst die Tür?

Maria lebte in Zinnowitz auf der Insel Usedom. Ihr gewaltsamer Tod ist noch ein einziges Rätsel. Die Polizei ermittelt intensiv und in alle Richtungen.
Holger Schacht Holger Schacht
Simone Schamann Simone Schamann
Voller Leben, voller Freude an der Veränderung. Maria aus Zinnowitz hatte den Mut dazu – nicht nur bei der Haarfarbe.
Voller Leben, voller Freude an der Veränderung. Maria aus Zinnowitz hatte den Mut dazu – nicht nur bei der Haarfarbe. privat
Maria mit einem Freund am Ostseestrand.
Maria mit einem Freund am Ostseestrand.
Blick auf das Seebad Zinnowitz.
Blick auf das Seebad Zinnowitz. Stefan Sauer
Die Mülltonnen vor Marias Haus wurden mit Flatterband abgesperrt, damit sich niemand daran zu schaffen machen konnte.
Die Mülltonnen vor Marias Haus wurden mit Flatterband abgesperrt, damit sich niemand daran zu schaffen machen konnte. Tilo Wallrodt
Die Waldstraße in Zinnowitz: Hier starb die 18-jährige Maria. Sie war von Stralsund auf die Insel Usedom gezogen.
Die Waldstraße in Zinnowitz: Hier starb die 18-jährige Maria. Sie war von Stralsund auf die Insel Usedom gezogen. Stefan Sauer
Zinnowitz.

Als am Dienstag um kurz nach sechs Uhr die Sonne über der Insel Usedom aufging, begann der letzte Tag im Leben der 18-jährigen Maria. 18 Jahre jung, die erste eigene Wohnung, man konnte von dem Haus in der Waldstraße in Zinnowitz den Strand fast riechen. Noch zwei Tage bis zum Frühlingsanfang. Maria sollte ihn nicht mehr erleben. Am Abend fand man ihre Leiche in ihrer Wohnung. Sie wurde umgebracht, erstochen.

Am Mittwoch sprach sich die Tat wie ein Lauffeuer auf der Insel herum. Schnell wusste auch jeder, wer das Opfer war. Die Polizei bestätigte da nur, dass es tatsächlich einen Todesfall gegeben hatte. Man müsse aber die Obduktion abwarten.

Usedom unter Schock

Die wurde am Mittwoch dann sofort durchgeführt. Ergebnis: Die junge Frau wurde erstochen. Eine Bekannte, die Zugang zur Wohnung hatte, habe sie am Dienstagabend leblos in ihrer Wohnung gefunden. Der Notarzt konnte ebenfalls nur noch den Tod feststellen.

Die Insel Usedom steht seitdem unter Schock. Der Zinnowitzer Bürgermeister Peter Usemann war einer der Ersten, die das in Worte fassten, was wohl alle hier dachten: „Schrecklich“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Und: „Ich habe immer gehofft, dass so etwas bei uns nicht passieren kann.“

Bei uns: Das ist das Seebad Zinnowitz mit seinen 4000 Einheimischen, die im Winterhalbjahr in beschaulicher Ruhe leben. Wie also, fragen sich alle, wie konnte ausgerechnet hier so etwas geschehen? Warum musste Maria sterben?

Angebliche Schwangerschaft

Die Polizei ermittelt natürlich in alle Richtungen. Eine davon, und das ist in solchen Fällen naheliegend, ist natürlich auch die Aufklärung der Umstände ihrer angeblichen Schwangerschaft. Von der wissen nicht nur Bekannte in den sozialen Netzwerken, sondern auch in Zinnowitz war das ein Thema, das kein Geheimnis war.

Maria, diese auf ihren Facebook-Fotos so selbstbewusst wirkende Frau, die aber manchmal auch noch zerbrechlich wie ein Teenager auftrat, erwartete demnach selbst ein Kind. Dabei war sie selbst doch vielleicht noch nicht ganz erwachsen. Zumindest nicht so, wie sich eine bürgerliche Gesellschaft das vielleicht vorstellt.

Die Haare mal blond, mal pink, sanftes Lächeln, sanfte braune Augen – das war Maria. Coole Wollmütze auf den langen Haaren, freches Piercing, wenig Make-up. Das war sie auch. In erster Linie aber: eine ganz normale junge Frau.

Maria stammte aus Stralsund

Sie stammt aus Stralsund, freute sich auf Facebook über ihre erste eigene Wohnung auf Usedom. Wer hätte ahnen können, dass sie dort dann auch sterben würde? Ließ sie den oder die Täter womöglich sogar selbst in das Haus, das zum Nest für eine kleine Familie hätte werden können? Auch das müssen die Experten der Kripo jetzt ermitteln.

Maria soll oft zu Gast im Zinnowitzer Jugendzentrum gewesen sein. Kickern, Billard, Quatschen. Was man halt so macht, mit Freunden. „In ihrer Wohnung waren wir auch mal“, erzählt einer, der sie kannte.

Suche nach der Tatwaffe

„Da haben wir Musik gehört und Party gemacht. Ganz normal.“ Das sei im Januar gewesen. In der 3-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss lebte Maria ihren Bekannten zufolge allein mit ihrer Katze. Die Nachbarn, viele ältere Leute, kannten sie nicht weiter.

Ein Großaufgebot der Polizei stellte am Mittwoch dann noch die Umgebung der Wohnung auf den Kopf – Suche nach der Tatwaffe und möglichen Spuren. Auch ein angrenzendes Waldstück wurde durchsucht, routinemäßig wurden natürlich auch die Müllbehälter abgesperrt, damit sich niemand daran zu schaffen macht. Ergebnisse wurden aber noch nicht bekannt.

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