BEDROHTE OLYMPIASTÜTZPUNKTE

Olympia-Sparpläne schon lange bekannt

Kanurennsport und der Triathlon in Neubrandenburg sind weiter bedroht. Mit den beiden Bastionen könnte auch die Leichtathletik fallen, sollte die Förderung doch gekippt werden. Im Landtag will man das verhindern. Aber warum erst jetzt?
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Was wird nun aus den jungen talentierten Leichtathleten aus Neubrandenburg, wie Sophie Weißenberg? Auch da könnte es für die Bundesförderung Hürden geben. 
Was wird nun aus den jungen talentierten Leichtathleten aus Neubrandenburg, wie Sophie Weißenberg? Auch da könnte es für die Bundesförderung Hürden geben. Heiko Brosin
Schwerin.

Mecklenburg-Vorpommern will unbedingt die vom Aus bedrohten Neubrandenburger Olympiastützpunkte für Kanurennsport und Triathlon erhalten. Einen entsprechenden Antrag haben SPD, CDU, Linke und BMV am Donnerstag gemeinsam im Landtag eingebracht, die AfD wurde nicht eingebunden. Per Pressemitteilung hatte Fraktions-Chef Nikolaus Kramer dies zuvor als Ausgrenzung seiner Partei und Wähler wortreich gegeißelt.

Der Antrag wurde einstimmig angenommen und die Landesregierung damit aufgefordert, sich beim Bund für eine langfristige Sicherung der Standorte einzusetzen. Doch man müsse sich auch selber bewegen, sagte CDU-Abgeordneter Wolfgang Waldmüller. Ebenso wie sein AfD-Kollege Thomas de Jesus Fernandes ließ er durchklingen, dass die Reformpläne des Bundes schon seit Jahren diskutiert werden. Erst jetzt aber wird Druck gemacht.

„Bei den Sportstätten für Spitzensportler stehen wir gut da. Bei den Übungsleitern aber sieht es anders aus“, kritisierte Waldmüller und forderte eine Traineroffensive in MV. Dazu zähle eine gute Altersvorsorge und auch einfach eine bessere Bezahlung: „Sonst ist der Trainer weg und geht in ein anderes Bundesland. Wir müssen attraktiver als die Konkurrenz sein.“

Horst Seehofer ignoriert Landes-Sportministerin

Das scheint auch dringend nötig: Wenn es nach Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und seinen Rotstiftplänen geht, sind bundesweit 30 Stützpunkte bedroht, die sich nun alle einen Kampf um den Erhalt liefern müssen. Anfang November soll bei der Sportministerkonferenz in Saarbrücken beraten werden.

Grund für die Reform sind nicht erfüllte Erwartungen bei sportlichen Großereignissen – sprich: zu wenig Spitzenplätze. Neubrandenburg und das Segeln in Warnemünde waren auf der vorläufigen Streichliste gelandet. Aus einer nicht öffentlichen Sitzung des Bildungsausschusses im Landtag sickerte erst kürzlich durch, dass bei einem Wegfall der Sportarten Kanu und Triathlon auch die Leichtathletik in der Sportstadt Neubrandenburg bedroht sei.

Landesportministerin Birgit Hesse (SPD) hatte sich nach Bekanntwerden mit einem Brief an Seehofer gewandt. „Bis heute habe ich keine Antwort“, kritisierte Hesse nun. Allerdings sei mittlerweile klar, dass die Förderung vorerst bis 2020 weiter laufen soll. Und dann? Spitzensport sei Bestandteil des gesamten Sports im Land, sagt Hesse.

Acht-Punkte-Plan soll Besserungen bringen

Es gehe gar nicht, dass sich „jemand am grünen Tisch Kriterien überlegt hat, die dann einfach auf die Bundesländer angewandt werden.“ Karsten Kolbe von der Linksfraktion weiß, wo der Gegner sitzt: „Das atmet alles weniger einen sportlichen als neoliberalen Geist: Sport soll Gewinn bringen.“ Nötig seien jetzt auch Schritte, die Sportbund-Präsident Bluhm jüngst bei einem Treffen mit Parlamentariern und Regierungsvertretern präsentiert hatte.

In dem Acht-Punkte-Plan werden unter anderem ein Bewegungs-Check bei Grundschülern, eine flächendeckende Sichtung von Talenten oder Karrieremöglichkeiten für Sportler im öffentlichen Dienst angemahnt.

Das alles, sagte Kolbe, hätte auch die AfD erfahren können. Aber weder bei dem Treffen noch im Sportausschuss des Landtages seien deren Vertreter erschienen. AfD-Abgeordneter Jesus de Fernandes entschuldigte das mit Terminüberschneidungen. Seine Fraktion zählt 13  Parlamentarier. Die vierköpfige BMV-Fraktion war mit allen Abgeordneten bei dem Treffen mit dem Landessportbund erschienen. „Empörung scheint ihnen wichtiger als die Sache“, rief Kolbe in Richtung AfD. „Wir werden Ihnen nicht hinterherrennen, wenn Sie die Arbeit verweigern.“

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