Rechtsextremismus in MV
Opferberatung verzeichnet weniger, aber brutalere rechte Angriffe 

Der „Internationale FC Rostock von 1899” hatte auf seiner Instagram-Seite die Attacke auf den 35-Jährigen in Rostock verurteilt und Solidaritat mit allen Betroffenen rechter Gewalt gefordert (Archivbild).
Der „Internationale FC Rostock von 1899” hatte auf seiner Instagram-Seite die Attacke auf den 35-Jährigen in Rostock verurteilt und Solidaritat mit allen Betroffenen rechter Gewalt gefordert (Archivbild).
Stiel, Matthias

2018 hat die Opferberatung Lobbi weniger rechtsmotivierte Angriffe in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Vor allem in einer Stadt war die Zahl der Attacken hoch.

Die Zahl der von der Opferberatung Lobbi registrierten rechtsmotivierten Angriffe ist im vergangenen Jahr leicht gesunken. Demnach schlugen die Täter 96 mal zu (2017: 109). Dabei seien 180 Personen direkt betroffen gewesen (Vorjahr: 172), teilte Lobbi am Donnerstag mit.

Bei 30 Betroffenen habe es sich um Kinder und Jugendliche gehandelt. Trotz des Rückgangs liege die Zahl der Vorfälle weiter über dem Niveau von 2015, als die rassistische Mobilisierungswelle begonnen habe, erklärte Lobbi.

Gefährliche Körperverletzung

Von einer Beruhigung der Lage könne nicht gesprochen werden, vielmehr sinke die Hemmschwelle der Täter, sagte Robert Schiedewitz von Lobbi. Bei 50 Prozent der Angriffe (48) habe es sich um gefährliche Körperverletzungen gehandelt, 2017 waren es 31 Prozent. Lobbi registrierte 2018 außerdem 33 einfache Körperverletzungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Häufigstes Motiv bei Angriffen sei wie in den Vorjahren Rassismus mit 70 Fällen gewesen, doch auch alternative Jugendliche und Verantwortungsträger seien Ziele. Regionaler Schwerpunkt bei Angriffen war demnach Rostock, wo 35 Vorfälle registriert wurden (Vorjahr: 18).

Regionale Verteilung rechtsmotivierter Angriffe:


(Karte: Opferberatung Lobbi. Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Als Gründe machen die Berater kontinuierliche rassistische Propaganda und eine wieder stärker organisierte rechte Szene aus. Gleichwohl gebe es in Rostock auch ein dichteres Unterstützernetzwerk, das Berichte über rechte Angriffe weitertrage und Betroffene an Lobbi vermittele.

Übergriffe nicht angezeigt

Das Innenministerium hatte im Januar unter Verweis auf vorläufige Daten nur 42 rechte Gewalttaten in 2018 gezählt. Viele Betroffene würden Übergriffe jedoch gar nicht bei der Polizei anzeigen, sagte Schiedewitz. "Häufig wollen Betroffene nach dem Angriff einfach zur Ruhe kommen, haben Angst vor weiteren Angriffen aus Rache oder haben schlichtweg andere Problemlagen zu bewältigen und nehmen deshalb Abstand von einer Anzeige."

Auch schlechte Vorerfahrungen mit den Behörden spielten manchmal eine Rolle. Eine konsequente Ächtung rechter Gewalt durch die Gesellschaft und beharrliche Strafverfolgung seien am wirksamsten, um Signale sowohl an die Täter als auch an die Betroffenen zu senden, erklärte Schiedewitz.