Patrick Dahlemanns (SPD) neues Büro in der Staatskanzlei ist auch sein altes – auch als Vorpommern-Staatssekret&aum
Patrick Dahlemanns (SPD) neues Büro in der Staatskanzlei ist auch sein altes – auch als Vorpommern-Staatssekretär nahm er schon an diesem Schreibtisch Platz. Andreas Becker
Staatskanzlei-Chef

Patrick Dahlemann zu seinem neuen Job in Schwesigs Machtzentrale

Vorpommern-Staatssekretär wurde er mit 28 – und nun ist Patrick Dahlemann mit 33 Jahren Chef der MV-Staatskanzlei von Manuela Schwesig. Was das mit ihm macht, verrät er im Interview.
Schwerin

Herr Dahlemann, wir sind hier in Ihrem Büro in der Staatskanzlei in Schwerin – laut Google Maps 249,5 Kilometer weit entfernt von Frau und kleiner Tochter. Wie regelt der Familienvater Patrick Dahlemann seinen neuen zeitintensiven Job?

Ich fahre montags ganz früh gegen 5.45 Uhr in Torgelow los und versuche, am Donnerstagabend wieder in meiner Heimat zu sein. Am Freitag und am Wochenende mache ich dann Termine in meinem Wahlkreis oder per Videokonferenz aus Torgelow. Natürlich vermisse ich in der Woche meine Familie und gerade meine kleine Tochter. Abends telefonieren wir per Face-Time und können uns dann wenigstens sehen. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn ich Donnerstags nach Hause komme und meine Tochter läuft mir freudestrahlend mit ausgestreckten Armen entgegen.

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Und in Schwerin selbst – sind Sie jetzt vom Vorpommern-Kümmerer zum Aktenfresser geworden?

Auch als Vorpommern-Staatssekretär musste ich viele Akten durcharbeiten und resortübergreifend gut in den Themen stecken.

Ein normaler Arbeitstag in der Staatskanzlei beginnt für Sie morgens…

…um acht Uhr und endet in der Regel abends gegen 23 Uhr. Ich arbeite generell abends gerne – dann ist es ruhiger und ich schaffe sehr viel. Aber eines will ich betonen: Es geht tausenden von Menschen so, dass sie lange und viel arbeiten und Entbehrungen tragen müssen. Der Montagearbeiter ist auch die ganze Woche nicht zu Hause. Die Krankenschwester ist im eher familienfeindlichen Schichtrhythmus – ich bin da wirklich nichts besonderes.

In Ihrem Büro fallen die Farben blau-weiß bei Stühlen und Tischen sehr auf, die Farben Vorpommerns. Und Sie haben Familienbilder von Hochzeit, Frau und Kind auf dem Schreibtisch stehen – dazu hängt an Ihrer Pinnwand der Ausdruck eines Wahlergebnisses…

…das ist das Ergebnis der Stadtvertreterwahl 2019 in Torgelow. Da haben wir als SPD 26 Prozent der Stimmen erreicht. Als ich 2004 in die SPD eingetreten bin, hatten wir in Torgelow acht Prozent. Ich brenne für meine Heimat und habe gerne ein bisschen familiäres Vorpommern-Flair in meinem Büro.

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Sind Sie ein Mensch, der Rituale pflegt und feste Strukturen liebt?

Absolut.

Welche denn beispielsweise?

Ich lese um 0 Uhr stets die aktuellen E-Paper-Ausgaben der Zeitungen – natürlich auch meinen heimischen Nordkurier. Und morgens habe ich eine ganz feste Frühstückszeit. Das klingt vielleicht ein bisschen spießig, aber solche Rituale entspannen mich auch.

Gibt es auch schon Rituale im Umgang mit den rund 150 Mitarbeitern in der Staatskanzlei, deren Chef Sie seit drei Wochen sind?

Ja, wenn ich Montagsmorgens von zu Hause nach Schwerin unterwegs bin, nutze ich die Zeit im Auto, um schon mal eine Mail an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Wochenstart zu schicken. Im täglichen Ablauf dann halte ich zu vielen Vorgängen gerne persönliche Rücksprache mit den beteiligten Mitarbeitern. Ich bin ein Freund von flachen Hierachien.

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Die Linke, Ihr neuer Koalitionspartner in der Landesregierung galt dagegen nicht unbedingt als Freund des Vorpommern-Staatssekretärs. Wurde deshalb auch Ihr ehemaliger Stellvertreter als Vorpommern-Staatssekretär, Bernd Schubert, politisch entsorgt?

Bernd Schubert ist einer der loyalsten Mitarbeiter, die man sich vorstellen kann und ein ganz feiner Kerl. Er hat riesige Verdienste in Vorpommern – beispielsweise beim Neubau des Krankenhauses in Anklam. Das Problem war, dass es bei Einladungen oft den Wunsch gab, dass der Vorpommern-Staatssekretär persönlich kommt. Die Funktion eines formellen Vertreters hat sich nicht wirklich bewährt. Bernd Schubert ist jetzt in den wohlverdienten Unruhestand gegangen, ist aber weiterhin als Bürgermeister in Ducherow aktiv. Ich bin ihm sehr dankbar für die wirklich gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren.

Und Heiko Miraß als Ihr Nachfolger ist jetzt nicht nur Staatssekretär für Vorpommern, sondern auch für das östliche Mecklenburg. Ein Zugeständnis an die Linke, die den ländlichen Raum insgesamt stärken wollte?

Nein. SPD und Linke haben in den Koalitionsgesprächen die Köpfe zusammengesteckt und versucht, das Amt weiterzuentwickeln. Es gab immer wieder Anfragen beispielsweise aus Friedland, Mirow oder Gnoien, dass der Vorpommern-Staatssekretär helfen solle. Wir haben deshalb das Arbeitsgebiet auch geografisch in Richtung A19 erweitert.

Apropos Linke: Die beiden neuen Ministerinnen der Linkspartei, Simone Oldenburg und Jacqueline Bernhardt, sind jetzt Mitglied der Landesregierung und haben ihr Landtagsmandat zurückgegeben. Herr Dahlemann, Sie und auch sechs andere SPD-Minister sind parallel auch noch Landtagsabgeordneter. Geht das überhaupt – ein Politiker, zwei Fulltime-Jobs?

Ich möchte die Entscheidung der Linken nicht kommentieren. Jeder Regierungspartner entscheidet das für sich selbst. Aus Sicht der SPD ist wichtig, dass Regierungs- und Parlamentsarbeit eng miteinander verzahnt sind und dadurch alle in den Themen stecken. Ich lasse mich am Ende der Legislaturperiode gerne an meiner Präsenz in meinem Wahlkreis messen. Vorpommern und mein Wahlkreis liegen mir am Herzen – das wollte ich nicht aufgeben.

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Die Staatskanzlei gilt als Machtzentrale Manuela Schwesigs. Sie sind durch ihre neue Tätigkeit noch näher an die Ministerpräsidentin herangerückt. Wie oft telefonieren oder simsen Sie am Tag mit der Chefin?

Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und pflegen einen engen Austausch. Sicherlich haben wir mehrmals am Tag Kontakt.

Und wie ist die Ministerpräsidentin als Chefin?

Es ist immer wieder erstaunlich wie tief Manuela Schwesig in den Themen steckt. Ich versuche ebenfalls, immer gut vorbereitet zu sein und im Stoff zu stecken. Das Verhältnis ist sehr, sehr angenehm. Sie erkundigt sich auch nach der Familie, ob privat alles klappt. Das zeichnet sie aus.

Seit fast zwei Jahren werden das private Leben und auch der Berufsalltag der Menschen von der Corona-Pandemie weitgehend bestimmt. Was kann die Politik den zermürbten Bürgern noch zumuten?

Ich muss an dieser Stelle ganz ehrlich sagen: Mein Verständnis schwindet zunehmend, dass in Deutschland knapp ein Drittel der Bevölkerung sich nicht impfen lässt. Es ist für mich nicht mehr nachvollziehbar, warum sich Menschen aus ideologischen Gründen nicht impfen lassen. Ich denke vor allem an meine Familie und versuche alles, um sie zu schützen. Deshalb: Impfen, impfen impfen – das ist der Weg aus der Pandemie.

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Und der berufliche Weg von Patrick Dahlemann? Kritiker sagen: Entweder ist Patrick Dahlemann in fünf Jahren Minister oder er ist politisch verbrannt…

Das ist kein Thema für mich. Ich habe meine berufliche Karriere nicht am Reißbrett geplant. Ich bin vor fünf Jahren als Vorpommern-Staatssekretär nicht angetreten, um jetzt Chef der Staatskanzlei zu werden, sondern ich habe ich mich in voll in meine Aufgabe reingehängt. Jetzt bin ich Chef der Staatskanzlei. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe – gleichzeitig bin ich bis in die Haarspitzen motiviert, um mit den hervorragenden Mitarbeitern in der Staatskanzlei einen verdammt guten Job für Mecklenburg-Vorpommern zu machen.

 

 

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