Mord an Khashoggi
Peene-Werft Wolgast ordnet Kurzarbeit an

Eins der Patrouillenboote für Saudi-Arabien auf der Wolgaster Peene-Werft (Archivbild).
Eins der Patrouillenboote für Saudi-Arabien auf der Wolgaster Peene-Werft (Archivbild).
Tilo Wallrodt

Die Peene-Werft in Wolgast hat die Produktion von Küstenschutzbooten für Saudi-Arabien ausgesetzt und zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Ein Treffen mit Glawe in Schwerin ist geplant.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) wird sich am kommenden Donnerstag in Schwerin mit dem Eigner der in die Krise geratenen Peene-Werft in Wolgast treffen. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher dem Nordkurier am Donnerstagnachmittag. Bei dem Treffen mit Peter Lürßen soll es um die Marktchancen des Unternehmens gehen.

Wegen des vorläufigen Ausfuhrstopps deutscher Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien hat die Peene-Werft Wolgast den Bau von Patrouillenbooten eingestellt und große Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt. Die Entscheidung sei angesichts der hohen und fortwährenden Unsicherheit für die Exportgenehmigung weiterer Boote gefallen, teilte das Unternehmen mit. Es sei ein schwerer Schlag, sagte der Technische Geschäftsführer Harald Jaekel.

Auftrag aus Saudi-Arabien

Von der Kurzarbeit betroffen sind den Angaben zufolge große Teile der Mitarbeiter aus den Neubau-Abteilungen. Die zur Lürssen-Gruppe gehörende Peene-Werft hat rund 300 Beschäftigte, davon arbeiten 250 im Neubau. Die Mitarbeiter wurden am Donnerstag informiert. Wie viele genau von der Kurzarbeit betroffen sind, werde gerade ermittelt, hieß es.

Den Auftrag zum Bau der Küstenwachboote hatte Lürssen nach eigenen Angaben vor mehr als fünf Jahren vom saudi-arabischen Innenministerium bekommen. Die Fertigung in Wolgast erfolgte seit 2016. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind von 35 bestellten Booten erst 15 ausgeliefert.

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Die Schiffe 16 und 17, deren Auslieferung bereits im März genehmigt worden war, sind fertig. Sie sollten ursprünglich im November nach Saudi-Arabien gehen, liegen aber noch auf der Werft. Der Bau von acht weiteren Schiffen hatte begonnen, ruht aber nun.

Keine Produktion ohne Exportgenehmigung

„Selbstverständlich respektieren wir jede politische Entscheidung über die Ausfuhr der Patrouillenboote”, erklärte Jaekel. Die Produktion ohne Exportgenehmigung fortzuführen, würde allerdings zu einer „enormen Planungsunsicherheit” führen. Damit stiege das kaufmännischen Risiko für die Peene-Werft. Auch weitere geplante Aufträge, darunter der Bau der Hinterschiffe der neuen Korvettenklasse K130, könnten das zu erwartende Auslastungstief nicht kompensieren.

Mord an Jamal Khashoggi

Die Bundesregierung hatte als Reaktion auf den Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens angekündigt, für die Zeit der Ermittlungen keine weiteren Rüstungslieferungen mehr zu genehmigen.

Die Küstenwachboote von der Peene-Werft sind nach Unternehmensangaben für polizeiliche Aufgaben vorgesehen, wie den Schutz von Offshore-Anlagen, die Verhinderung von Schmuggel und die Seenotrettung. Sie seien nicht für Kriegseinsätze konzipiert.

Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) appellierte an die Bundesregierung, rasch Klarheit über die Zukunft der Exporte nach Saudi-Arabien zu schaffen. „Es ist die Unsicherheit, die zu diesem Schritt geführt hat”, sagte er. Auch Zulieferer seien betroffen. „Wir haben große Fragezeichen.”

Weigler verwies auf die schwierige geografische Lage von Wolgast im Landkreis Vorpommern-Greifswald, nahe der polnischen Grenze. Schlimm wäre es, wenn die hochqualifizierten Mitarbeiter abwandern würden, sagte er. „Wir reden über einen richtigen Tiefschlag.”

Kommentare (4)

Die Leidtragenden sind nun wieder die Werftarbeiter und ihre Familien. Das hat die Politik doch vorher gewusst , was bei den Saudis los ist. Wenn jemand solche Boote haben will, dann ist doch wohl klar, dass man diese nicht als Nobelkreuzer oder Segeljacht nutzt. Das wäre ja genauso als wenn sich jemand ein Auto kauft, aber der Hersteller verbietet , das man damit fahren darf. Somit hätte man einem solchen Handelsvertrag von Anfang an nicht zustimmen dürfen.

Aber auch dann wären die Leidtragenden die Werftarbeiter und ihre Familien gewesen. Der Deal diente nach meinem Verständnis von Anfang an dazu, das Überleben der Werft zu sichern. Die wirtschaftliche Ausrichtung des Unternehmens ist jedoch nicht Sache der Politik, sondern die der Eigentümer.

Genau, und der Personalbestand ist ja auch extra für diesen Großauftrag aufgestockt worden. Und wenn die Werft nicht liefert , wegen dem Exportverbot, werden sich die Saudis die Schiffe eben woanders beschaffen. Denn Geld spielt bei denen keine Rolle. Letzten Endes ist der Werftstandort in Stralsund in Gefahr. Und daran ist meiner Meinung die Bundesregierung mit dem verhängten Exportverbot schuld. Man lobt sich immer wie man es schafft die Arbeitslosenquote zu senken und die Realität sieht so aus wie zZ in Stralsund. Wie auf dem Hamburger Fischmarkt, oben legt der Händler einen Fisch rauf, unten zieht er gleichzeitig zwei weg.

Ich meinte natürlich die Werft in Wolgast