CORONA-PANDEMIE

Personeller Kahlschlag bei den MV Werften

Seit Monaten kämpfen die MV Werften mit den Standorten Warnemünde, Stralsund und Wismar ums Überleben. Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab.
Am wirtschaftlichen Abgrund? Die MV Werften kämpfen seit Monaten ums Überleben.
Am wirtschaftlichen Abgrund? Die MV Werften kämpfen seit Monaten ums Überleben. Stefan Sauer
Schwerin ·

Die IG Metall Küste hat die MV Werften und die Politik aufgefordert, Perspektiven für die Beschäftigten an allen drei Standorten in Rostock, Stralsund und Wismar aufzuzeigen. „Ein Kahlschlag ist mit uns nicht zu machen. Bei der Rettung der MV Werften muss es vor allem um den Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte gehen”, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, nachdem die Geschäftsführung am Dienstagabend Verhandlungen über einen massiven Personalabbau mit Betriebsräten und Gewerkschaft angekündigt hatte. „Die Menschen sind für uns der Maßstab, nicht die finanziellen Interessen von Unternehmen, Banken sowie Bund und Land.“

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Die IG Metall Küste erwartet Vorschläge, die die Zukunft der Werften sichern. „Alle Alternativen – mit oder ohne Genting, auch mit staatlicher Beteiligung – müssen geprüft werden”, so Friedrich. Vieles sei denkbar: neben dem Kreuzfahrtschiffbau mit weiteren Aufträgen von Genting zum Beispiel auch Offshore-Plattformen und öffentliche Aufträge etwa für die Marine oder Forschungseinrichtungen. „Das Unternehmen ist hier genauso gefordert wie Bundes- und Landesregierung. Wir brauchen schnell verbindliche Zusagen, mit denen sich die Zukunft des Schiffbaus in Mecklenburg-Vorpommern sichern lässt”, so die Gewerkschaft.

Transfergesellschaften und Abfindungen

Ziel der Gewerkschaft in den anstehenden Verhandlungen mit der Geschäftsführung ist es, alle drei Standorte als funktionsfähige Werften und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. „Da neue Aufträge möglich sind, muss Kurzarbeit mit Qualifizierung weiter für möglichst viele Beschäftigte genutzt werden. So lässt sich das Know-how auf den Werften erhalten”, sagte IG Metall-Bezirksleiter Friedrich. „Für uns ist klar: Wenn Mitarbeiter gehen müssen, dann nur zu angemessenen Bedingungen mit Transfergesellschaften und Abfindungen. Die dafür nötigen Mittel müssen vom Unternehmen bereitgestellt werden.”

Die MV Werften, die unter dem Dach der aisiatischen Genting-Gruppe, stehen, waren in der Corona-Pandemie in schweres wirtschaftliches Fahrwasser geraten. Land Mv und Bundesregierung hatten in den vergangenen Monaten Millionen von Steuergeldern in die MV Werften gepumpt, um eine drohende Insolvenz vorerst abzuwenden.

Kritik an staatlichen Rettungsgeldern

Die AfD, größte Oppositionspartei im MV-Landtag, hatte die staatlichen Rettungsgelder stets kritisiert. „Der Jobabbau kommt mit Ansage. Die Landesregierung verspricht seit Monaten, dass die Jobs erhalten bleiben und stellen den x-ten Rettungsschirm in Aussicht. Die MV-Werften brauchen eine Zukunft, keine Rettungsschirme!”, sagte der AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer. Landesregierung und Regierungskoalition müssten aufhören, den Bürgern und sich selbst die Taschen vollzulügen. Jobrettung auf Steuerzahlerkosten sei weder rentabel noch zukunftsfähig.

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Jede offene und ehrliche Debatte werde nach Einschätzung Kramers vermieden und die Mär vom wirtschaftlichen Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern durch immer neue Werften-Eigner mit der Brechstange am Leben erhalten. „Ob staatlicher, militärischer Schiffbau oder eine andere Spezialisierung: Wir brauchen klare Zahlen und Fakten, welche der Öffentlichkeit präsentiert werden – und eine SPD und CDU, die endlich ehrlich zu den Bürgern ist”, betonte Kramer.

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Kommentare (7)

Kein einziger konstruktiver Vorschlag.

Was bitte ist denn konstruktiv daran diese Werften seit Jahrzehnten mit Millionen von Steuergeldern künstlich am Leben zu halten...und jedem neuen Investor oder Eigner zu subventionieren....dort wird seit 30 Jahren ein wirtschaftlich sinnvoller Wandel verhindert...

Kommt mir eher vor wie Jahre 🙄

Hier hat man seit Jahrzehnten auf das falsche Pferd gesetzt an Stelle sich der Realität zu stellen. Politsche Willensbekennungen sind in der freien Marktwirtschaft nicht der Schlüssel zum Erfolg. Schade wieder um die ganzen Steuergelder. In diesem Land mussten sich viele neu Umorientieren, warum nicht auch die Schiffbauer? Die haben nun sicher wieder einmal Schiffbruch erlitten.

Wieviel hat die ganze Werftenretterei den Steuerzahler an Krediten und Bürgschaften gekosten? Die Werften stehen noch nicht besser da. In der Lausitz gehen tausende von Arbeitsplätzen in der Braunkoleindustrie den Bach hinuter. Das juckt auch keinen Politiker. Alles vom grünen Tisch aus beschlossen. Laßt die Werften sterben. Wenn die noch gebraucht würden, würden die nicht alle fünf Jahre gerettet werden müssen. Das kommt dabei raus, wenn der Staat den Markt ersetzen will.

Die Werften und Zulieferer in MVP brauchen eine Perspektive, dauerhaft tragfähige Konzepte.

Kurzfristig kann es richtig sein mit Steuergeld Hilfe in Krisen zu gewähren, aber das funktioniert nur kurzfristig.

Dauerhaft Hilfen mit Steuergeld helfen Niemanden, auch nicht den Werften und nicht den Menschen.

Das Problem der Werften in Europa, kann nicht regional oder national gelöst werden.
Hier kann immer nur Ergebnisskosmetik betrieben werden.
Es gibt ein paar Werften die recht stabil sind, dies sind aber zumeist Spezis für Fleischdampfer (Kreuzfahrer) oder die grauen Flotten (Marine). Beide Bereiche recht hoch subventioniert.
Das Problem sitzt in Südkorea. Daewoo, Hyundai und Samsung haben mit massiven, international mehr als umstrittenen Staatssubventionen, daß Knoff-Hoff an sich gerissen und eine Vormachtstellung erreicht, die nur international mit der WTO gebrochen werden könnte.
Nebenbei bemerkt, die mit massiven Subventionen gestützten deutschen Reedereien waren hier Grosskunde!
NSB, Hapag-Lloyd, Hamburg Süd und wie sie alle heißen.
Also haben deutsche und europäische Steuergelder in Milliardenhöhe dazu beigetragen, daß in Fernost eine Konkurrenz entstanden ist, die einfach ineinholbar ist für eine kleine Werft in MV.
Was bleibt?
Die Forcierung in den Spezialschiffsbau und das Schließen von Werften. Tut weh, ist aber leider so.
Alles andere ist Augenwischerei und wird das Problem niemals lösen.