Polarium

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Peta kritisiert "Eisbärengefängnis" im Zoo Rostock

Eisbärin Noria ist am Montag im Zoo Rostock eingetroffen.
Eisbärin Noria ist am Montag im Zoo Rostock eingetroffen.
Joachim Kloock

„Vorsätzliche Tierquälerei aus kommerziellen Beweggründen” – das Urteil der Tierrechtsorganisation Peta zum Polarium, das am Samstag eröffnet, ist eindeutig.

Am Samstag eröffnet das neue Eisbärengehege Polarium im Rostocker Zoo. Bereits am Montag trafen die beiden Eisbären Noria und Akiak ein. Auch Pinguine sollen in der neuen Anlage leben. Die Tierrechtsorganisation Peta hat eine klare Meinung zum neuen Polarium: Das sei ein „Eisbärengefängnis” das ständiges Leid über die größten Landraubtiere der Welt bringe. Die Tiere würden dort ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen gehalten.

„Die Haltung der Eisbären, Pinguine und Meerestiere in Rostock hat nichts mit Artenschutz zu tun. Obwohl bekannt ist, wie sehr Eisbären und viele andere Tierarten unter der Enge und Beschäftigungslosigkeit in Zoos leiden, wurden hier viele Millionen Euro für ein Prestige-Projekt ausgegeben, damit der Zoo auf eine neue Knut-Version hoffen kann“, so Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. „Die vorsätzliche Tierquälerei aus kommerziellen Beweggründen muss ein Ende haben”, fordert sie.

Verhaltensstörungen bei Zoo-Eisbären

Nahezu alle Eisbären in deutschen Zoos litten an ausgeprägten Verhaltensstörungen und könnten auch nicht wieder ausgewildert werden, da die Tiere im Zoo die dafür notwendigen Verhaltensweisen nicht erlernen könnten. Auch Pinguine hätten enorme Ansprüche an ihren Lebensraum, die selbst eine gut geführte zoologische Einrichtung kaum erfüllen könne.

Das geplante Aquarium mit Quallen, Haien und verschiedenen Fischarten in Rostock trifft bei der Tierrechtsorganisation ebenfalls auf Kritik: „Bei vielen Tieren ist davon auszugehen, dass es sich um Wildfänge handelt, die ihrer natürlichen Heimat entrissen und über tausende Kilometer nach Deutschland überführt wurden. Bei Fang und Transport von empfindsamen Meerestieren sterben jedes Jahr unzählige Tiere”, empört sich Peta.

CDU-Politikerin findet Peta-Kritik „scheinheilig”

„Die Überlebenden leiden unter Stress und werden den Rest ihres Lebens in vergleichsweise kargen und reizarmen Becken eingesperrt. Insbesondere für hochintelligente Kraken und zahlreiche Fische bedeutet ein Leben in Gefangenschaft meist Langeweile, Depressionen, Aggressionen und oft auch einen frühen Tod.”

Die CDU-Landtagsabgeordnete Beate Schlupp wies die Kritik von Peta als „scheinheilig” zurück. „Mit der Investition von 14,21 Millionen Euro entstand in Rostock eine der modernsten Eisbärenanlagen der Welt. Neben der Sensibilisierung der Menschen für den Artenschutz trägt der Rostocker Zoo mit der Zucht von Eisbären zum Erhalt der Population bei”, erklärte Schlupp.

Die Tierrechtsorganisation habe sich in den vergangenen Jahren mehrfach selbst disqualifiziert, so die CDU-Politikerin weiter und zählte die Versuche von Peta Deutschland auf, Kutschfahrten, das Angeln und die Zucht von Brieftauben einzuschränken oder ganz zu verbieten. Auch den Rechtsstreit um die Rechte eines Affen an seinem Selfie und den Vorwurf der Tötung von Tieren in US-Tierheimen von Peta USA kritisierte Schlupp. Die Organisationen "wären von daher gut beraten, weniger Geld für Anwälte und Pressereferenten zu verwenden und dieses Geld lieber direkt für den Tierschutz in die Hand zu nehmen".

Zoo setzt auf Aufklärung

Auch der Zoo selbst will die Kritik von Peta nicht auf sich sitzen lassen. Im Polarium sei eine größten und modernsten Anlagen für Eisbären in Europa entstanden, sagte René Gottschalk, Marketingleiter im Zoo Rostock, dem Nordkurier. Bei der Konzipierung seien die neuesten Forschungsergebnisse zur Haltung von Eisbären mit eingeflossen. Auf 1800 Quadratmetern Fläche hätten die Tiere drei Mal so viel Platz wie vorher, auf dem ihnen so viel Abwechslung wie möglich geboten werde. 

Mehrere Pfleger sorgen laut Gottschalk für Beschäftigung, die Fütterung finde an an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten statt, um Verhaltensstörungen zu vermeiden. Während im extremen Lebensraum Arktis viele Tiere auf der Futtersuche verendeten, werde in Rostock für die beste medizinische Betreuung der Eisbären gesorgt. 

Ein besonderes Augenmerk richte der Zoo auf Aufklärung, führt Gottschalk weiter aus. In einem großen Besucherzentrum solle über die bedrohten Tiere informiert und zum Nachdenken angeregt werden über alltäglichen Verhaltensweise, die den Lebensraum der Eisbären bedrohen. Zudem unterstütze der Zoo die Stiftung Polar Bears International, die sich für Eisbären in ihrem natürlichen Lebensraum einsetze.