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Pfusch am Bau schuld an A20-Krater

Zweimal am Tag prüfen Experten derzeit den Zustand des Lochs in der Autobahn 20.
Zweimal am Tag prüfen Experten derzeit den Zustand des Lochs in der Autobahn 20.
Bernd Wüstneck

Die Baukosten für die A20 sollten gesenkt werden, darum versinkt jetzt ein Teil der Trasse im Moor. Umweltschützer wundert das nicht.

Pfusch am Bau ist Ursache für den Krater in der Autobahn 20 bei Tribsees. Davon geht Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) aus. „Leider hat sich – salopp formuliert – die Redewendung ,Wer billig kauft, kauft doppelt' bestätigt“, sagte er.

In der Hoffnung auf eine Kostenersparnis sei im Bereich des 2005 freigegebenen Teilstücks ein „neues innovatives System“ genutzt worden. „Statt der traditionellen Bauweise einer Moorbrücke mit mächtigen Betonpfeilern wurden sehr viel schlankere Säulen, dafür aber wesentlich mehr davon, eingesetzt, um die Straße zu tragen.“ Das Ergebnis: Nur zwölf Tage nach der Vollsperrung brach die abgesackte Trasse in sich zusammen. Auf 40 mal 10 Metern klafft rund zweieinhalb Meter tiefes Loch.

„Wir werden jetzt nachträglich eine traditionelle Moorbrücke errichten müssen“, kündigte Christian Pegel an. Kosten und Zeitdauer lassen sich gegenwärtig nicht abschätzen. Von Millionen und Jahren ist die Rede.

BUND: Erddamm war „Kardinalfehler”

Zur Frage der Gewährleistung heißt es aus dem Verkehrsministerium, dass „bei Bauwerken grundsätzlich vier Jahre vorgesehen sind, die Fristen aber im Einzelfall auch davon abweichend vereinbart werden können“. Vieles spreche dafür, dass im Falle der A20 bei Tribsees „die maßgeblichen Gewährleistungsfristen verjährt sind“.

Der Bund für Umwelt und Natur Deutschlands ist nicht überrascht vom Debakel im Trebeltal. „Der Baugrund wurde offenbar überhaupt nicht richtig untersucht“, sagte Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. Es sei ein „Kardinalfehler“ gewesen, das Flussmoor nicht mit einer durchgehenden Brücke zu überspannen. „So haben wir es immer gefordert und mit viel Druck im Peenetal bei Jarmen durchgesetzt.“

Dort führen 1110 Meter Brücke übers Flusstal. An der Trebel wurde stattdessen eine Kombination aus zwei Brücken und einem Erddamm errichtet. Sowohl die 530 Meter lange Talbrücke als auch die 9 Meter breite Brücke über den Prahmgraben sind intakt, während der Damm dazwischen untergeht.

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Kommentare (5)

Man könnte 10 Meter Schotter aufschütten, diesen lagenweise sorgfältig verdichten und die Straße würde immer noch absacken. Ein Moor ist kein tragfähiger Untergrund! Doch Schuld ist nicht das Unvermögen deutscher Ingenieure. Vielmehr lag es am Kostendruck. Nun bauen sie es zweimal, nicht "innovativ" sondern traditionell.

Straßenbau, v.a. im Norden mit seinen teils komplizierten eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Bodenverhältnissen, ist eine komplexe Problemlösung. Angefangen von der Auswahl der richtigen Planungsverfahren, der Baugrunduntersuchung, der darauf folgenden Grob- und Detailplanung inkl. Abwägung unterschiedlicher Konstruktions- und Ausführungsalternativen über die eigentliche Bauplanung und -Ausführung (mit den Faktoren Wetter, Materialgüte, Ausführungswissen) bis hin zu externen Faktoren wie Politik, Zeitmanagement und Kostendruck gibt es sehr viele Rädchen, die ineinandergreifen müssen. Kleine Fehler können sich zu größeren aufsummieren. Was da nun ursächlich war (neben Kosten- und Zeitdruck), wird hoffentlich ein Gutachter herausfinden können. Und an den Schlauberger-Kommentar über mir: richtiges Lesen und Verstehen dieses und vorheriger Artikel hätte ergeben, dass auch der jetzt abgesackte Moordamm mit Säulen auf tragfähigem, mineralischen Untergrund gegründet worden ist. Nix mit schwimmendem Knüppeldamm.

ist zufällig Ingenieur. Die Brücke über das Moor hätte auf ihrer ganzen Länge von Anfang an auf dicken freistehenden Stahlbetonpfeilern gegründet werden MÜSSEN. Das ist drei mal teurer. Aber jetzt wird es noch viel viel teurer.

sollten kuenftig besser an chinesische Konsortien vergeben werden. Aus Kosten und Termingruenden und der Sicherheit unbedingt ueberlegenswert. 2x in den letzten 3 Jahren war ich in Hongkong...was dort geleistet wurde ist unglaublich. Da koennten sich Politiker, Planer u. Ausführende mehrere Scheiben von Abschneiden da wird aber auch nicht gefragt ob eine Richtung HALAL ist oder einen Feldhamster oder eine Fledermaus stoert.

fachliches Versagen auf dem Dienstweg von oben nach unten, A20, BER, Grenzsicherung, IT Stand Wirtschaftsstandort D, Rente, kontraproduktive Regierung, Steuern, usw. aber täglich werden neue Hiobsbotschaften, Erfolgsmeldungen und Illusionen unters Volk gestreut für ein D in dem wir gut und gerne leben (wollen!!!) - auf Hartz 4 Niveau und wenn es geht noch Bargeld los???