MISSBRAUCH, MOBBING, KORRUPTION

Immer wieder Skandale bei der MV-Polizei

Polizisten, die sich an Minderjährige heranmachen, ein verurteilter Beamter als Dozent, SEK-Beamte, die Munition bunkern... Bei der Polizei im Land läuft einiges schief.
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
Der Fall von SEK-Beamten, die Munition gebunkert haben sollen, ist nicht das erste Mal, dass die MV-Polizei unrühmliche Schlagzeilen macht.
Der Fall von SEK-Beamten, die Munition gebunkert haben sollen, ist nicht das erste Mal, dass die MV-Polizei unrühmliche Schlagzeilen macht. Jens Büttner
Schwerin.

Der Fall von SEK-Beamten, die Munition gebunkert haben sollen, ist nicht das erste Mal, dass die MV-Polizei unrühmliche Schlagzeilen macht. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Kohlrouladen-Fall

Die jetzt unter Verdacht stehenden Beamten können sich die Hände mit einem Kollegen aus dem LKA reichen, der vor zweieinhalb Jahren Schlagzeilen machte. Damals wurden er und eine Komplizin wegen Bestechlichkeit und Bestechung zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Der Ex-LKA-Beamte sah sich als „Provinz-Bond“, wie es der Richter seinerzeit ausdrückte. Seiner Komplizin hatte er über Polizeidatenbanken Informationen verschafft und dafür 270.000 Euro erhalten. Einen Treffpunkt gab er den Tarnnamen „Kohlroulade“.

Der Polizist und Hitler

Im September vorigen Jahres deckte der Nordkurier den Fall eines Polizeibeamten aus dem Präsidium Neubrandenburg auf, der sich frisch, fromm und frei vor einem Hitlerbild und anderen Utensilien aus dem dritten Reich fotografieren ließ. Der Mann wurde strafversetzt.

Der Direktor und das Mobbing

Auch LKA-Direktor Ingolf Mager selbst steht nicht ganz lupenrein da – er wurde, wenngleich in einem geringfügigen Fall, wegen Mobbings verurteilt. Mager und der damalige Chef des LKA, Ingmar Weitemeier, sollen einem Experten für Polizeistatistik das Leben schwer gemacht haben. Der Mann hatte sich unter anderem geweigert, eine Zielvereinbarung zu bestimmten Fallzahlen in der Polizeistatistik umzusetzen. Er hatte dies als unwissenschaftlich zurückgewiesen. Das Land MV wurde zu 2500 Euro Schadenersatz verurteilt.

Der Präsident und der verurteilte Dozent

Der aktuelle Chef des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, Nils Hoffmann-Ritterbusch, sorgte jüngst landauf, landab für Unmut als er aus heiterem Himmel das Fusions-Festival unter Druck setzte. Dabei kam gleich auch noch heraus, dass ein wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilter Beamter und ehemaliger AfD-Politiker nun an der Polizeifachhochschule Güstrow als Dozent lehrt. An den Mann, der eine wissenschaftliche Arbeit zum Festival betreute, sollen Informationen des Präsidiums geflossen sein.

Der geflohene Mordverdächtige

Der Fall der kleinen Leonie, die im Januar in Torgelow zu Tode kam, bestürzte das Land. Eine Polizei-Panne machte den Fall noch schlimmer: In Pasewalk ging den Polizei-Beamten, die Leonies Stiefvater wegen Mordverdacht festnehmen wollten, der Mann durch die Lappen. Der Fall wurde nicht besser dadurch, dass die Behörden die Flucht des Mannes zunächst geheim hielten, bis er durch die Medien ans Licht kam. Erst knapp eine Woche später wurde der Geflohene nach tagelanger fieberhafter Suche gefunden. Er sitzt bis heute in U-Haft.

Der AfD-Chef und die „Neger“

AfD-Landtagsfraktionschef Nikolaus Kramer war vor seiner Politiker-Zeit – Polizist. Im Landtag machte er bundesweit auf sich aufmerksam, als er Menschen mit dunkler Hautfarbe als Neger bezeichnete. Als Beleidigung sieht Kramer den Begriff nicht – wohl aber die Betroffenen. Sollte Kramer sein Mandat mal nicht mehr wahrnehmen, kann er wieder in den Polizeidienst zurück.

Unverhältnismäßige Härte?

Immer wieder gab es auch Vorwürfe von Demonstranten, die sich alljährlich in Demmin einem Nazi-Aufmarsch entgegenstellen. Sie kritisierten ein aus ihrer Sicht unverhältnismäßig hartes Vorgehen.

Polizisten mit Avancen

Der aktuelle Fall überlagert sich mit dem Skandal um zwei Polizisten, die sich unberechtigt Daten von minderjährigen Mädchen beschafft und sich dann an sie herangemacht haben sollen. Der Fall und der eines dritten Polizisten, der einer Betroffenen gedroht haben soll, um sie zur Rücknahme einer Anzeige gegen seinen Sohn zu bewegen, war erst durch den Bericht des Datenschutzbeauftragten des Landes aufgeflogen.

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