Rund 120 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, den Brand zu löschen.
Rund 120 Feuerwehrleute versuchten vergeblich, den Brand zu löschen. Stefan Tretropp
Brand

Politiker reagieren bestürzt auf Brand in Flüchtlingsunterkunft bei Wismar

Ministerpräsidentin Schwesig und Innenminister Pegel besuchen am Donnerstag die Brandruine des Flüchtlingsheims. Einige fühlen sich an die Anschläge in Rostock Lichtenhagen erinnert.
Groß Strömkendorf

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und weitere Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern haben bestürzt auf den Brand in einer Flüchtlingsunterkunft in Groß Strömkendorf bei Wismar reagiert. Das Feuer hat das Hotel vollständig zerstört. Die Polizei vermutet Brandstiftung als Ursache. Schwesig ließ auf Facebook mitteilen: „Der Vorfall muss vollständig aufgeklärt werden. Ich bin froh, dass niemand körperlich zu Schaden gekommen ist.”

Bisher keine Anzeichen rechtsmotivierter Umtriebe

Bürgermeister Tino Schmidt (SPD) äußerte sich ebenfalls: „Ich bin erschrocken und verärgert”, sagte der Bürgermeister von Blowatz, wozu Groß Strömkendorf gehört, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Bisher habe es in der Region keine Anzeichen für rechtsmotivierte Umtriebe gegeben, erklärte Schmidt mit Blick auf die noch ungeklärte Brandursache.

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Man habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Kriegsflüchtlingen, sagte Schmidt. So waren in dem Hotel zeitweise bis zu 170 Menschen aus der Ukraine untergebracht. Im Sommer habe man zusammen mit den Flüchtlingen und dem DRK, das die Einrichtung betreut, noch ein fröhliches Sommerfest gefeiert. In dem ehemaligen Hotel seien seit dem Frühjahr bereits Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine untergebracht. Die meisten seien vom Kreis inzwischen in andere Unterkünfte gebracht worden.

Dunkle Erinnerungen an Lichtenhagen

Das Feuer in dem großen, reetgedeckten Gebäude war am Mittwochabend ausgebrochen. Mitarbeiter hatten vergeblich versucht, den Brand an einer Hauswand zu löschen. 14 Flüchtlinge und drei Mitarbeiter konnten rechtzeitig flüchten, das Gebäude brannte nieder. Bisher wird wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt. Am späten Vormittag will sich Innenminister Christian Pegel (SPD) ein Bild von der Lage machen.

Am Montag war der Polizei zudem eine Hakenkreuz-Schmiererei im Eingangsbereich gemeldet worden, deren Verursacher noch nicht gefunden werden konnte.

Ole Krüger und Katharina Horn, die Landesvorsitzenden der Grünen, verurteilen den nach ihren Worten „wahrscheinlich rassistisch motivierten Anschlag aufs Schärfste”. Auch sie forderten schnelle Aufklärung. Krüger: "„Die Bilder des Brandanschlages wecken dunkle Erinnerungen an die 90er Jahre, als rassistische Vorurteile und Zukunftsängste zu einer blindwütigen und aggressiven Stimmung verschmolzen. Der Gedanke ist unerträglich, dass diejenigen, die zu uns kamen, um vor Krieg und Verfolgung sicher zu sein, nun auch hier – mitten unter uns – um ihr Leben fürchten müssen.” 1992 fand unter anderem ein Pogrom vor dem „Sonnenblumenhaus”, einer Flüchtlingseinrichtung in Rostock Lichtenhagen statt.

AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer forderte in einer Mitteilung, dass der Rechtsstaat nun alle verfügbaren Mittel ausschöpfen müsse, "um die Täter ausfindig und dingfest zu machen. Brandanschläge auf Menschen sind widerlich und entziehen sich jeglichem politischen Diskurs. Hier muss mit aller Härte des Rechtsstaates reagiert werden."

Reaktion auch von der Kirche

Horn forderte zudem, dass Polizei und Verfassungsschutz in der Pflicht seien zu verhindern, „dass es feige, hinterhältige Angriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten gibt.” Der Vorfall müsse Anlass sein, umgehend die Sicherheitsvorkehrungen vor allen Unterkünften zu erhöhen, so Horn.

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Außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns reagierte zudem Bischof Christian Stäblein, Leiter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, auf den Vorfall. „Das Feuer in der Flüchtlingsunterkunft in Groß Strömkendorf schockiert mich zutiefst. Die Menschen aus der Ukraine sind dem Schrecken des Krieges entkommen. Bei uns suchen sie Schutz und Sicherheit. Dafür müssen wir einstehen. Wer Geflüchtete angreift, greift uns alle an.”

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