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Polizei-Bewerber in MV fallen reihenweise durch Sport-Test

Die Polizei in MV leidet unter fehlendem Nachwuchs. Und wenn dann doch Bewerber da sind, gibt es eine hohe Durchfallquote bei der Aufnahmeprüfung. Das hat einen Grund.
Klimmzüge gehören zum Sporttest für Polizei-Bewerber in MV dazu. Doch immer mehr Kandidaten scheitern an den sp
Klimmzüge gehören zum Sporttest für Polizei-Bewerber in MV dazu. Doch immer mehr Kandidaten scheitern an den sportlichen Herausforderungen, die für den Dienst in der Landespolizei erforderlich sind. Christophe Gateau
Schwerin ·

Es war ein legendärer Satz und klang fast schon ein wenig wie ein resignativer Offenbarungseid. Als der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder der kleinen Leonie, die im Januar 2019 in Torgelow von ihrem Stiefvater tot geprügelt worden war, zwischenzeitlich aus dem Polizeirevier in Pasewalk abgehauen war, hieß es seinerzeit von der Polizei: „Der war verdammt schnell.“ Mit anderen Worten: Zu schnell für die Polizisten. Ob es an der mangelnden Fitness der Ordnungskräfte lag? Detailliert wurde das nie aufgeklärt.

Fakt aber ist, dass Bewerber, die sich bei der Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern melden, eine Aufnahmeprüfung absolvieren müssen. Und dazu gehört auch ein Sporttest. Nach Angaben der Polizei-Fachhochschule in Güstrow hat sich die Durchfallquote bei diesem Test in den vergangenen acht Jahren deutlich erhöht.

Durchfallerquote fast verdoppelt

Aus Zahlen, die dem Nordkurier vorliegen, ist ersichtlich, dass sich diese Quote fast verdoppelt hat. Flogen im Jahr 2013 knapp elf Prozent der Bewerber durch den Sporttest, scheiterten in diesem Jahr fast 21 Prozent der Anwärter. Und das, obwohl es zum Bestehen des Sporttests eigentlich ausreicht, wenn man mindestens 25 (Note 4) der maximalen Punktzahl von 70 schafft.

Im Mittelpunkt der Anforderungen steht ein Konditionstest. Dieser besteht aus einer Hindernisbahn in der Sporthalle, die viermal zu absolvieren ist: Dabei muss ein Slalomlauf, das Überwinden eines Schrägkastens, eine Rolle vorwärts und anschließend eine Rolle rückwärts, das Durchkriechen beziehungsweise Überspringen von zwei Turnhockern, das Überspringen von drei Kastenteilen sowie das Überwinden der beiden Holme an einem Stufenbarren geschafft werden.

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Wer den Parcours unter einer Zeit von 2:37 Minuten bewältigt, bekommt die Note 1 und erhält schon einmal 30 Punkte. Wer über 3:18 Minuten benötigt, bekommt die Note 5 und lediglich acht Punkte.

Sporttest, Diktat und ein bisschen Psychologie

Zusätzlich gibt es unter anderem einen 40-Meter-Wendelauf. Wer diesen unter 9:30 Sekunden schafft, darf Note 1 und 15 Punkte einstreichen, wer länger als 11:10 Sekunden braucht, muss sich mit Note 5 und nur vier Punkten begnügen. Punktesammeln können die Bewerber auch mit Klimmzügen im Schräghang. Wer in 20 Sekunden 25 Klimmzüge schafft, darf sich über 15 Punkte und Note 1 freuen, wer nur 14 Klimmzüge erreicht, wird mit der Note 5 und 4 Punkten bewertet. Doch die Anwärter für den Dienst bei Landespolizei müssen nicht nur einen Sporttest bei der Aufnahmeprüfung absolvieren – zu den Grundvoraussetzungen gehören auch ein Diktat, ein kognitiver und ein psychologischer Eignungstest.

Nach Auskunft der Verantwortlichen in Güstrow sei es keine Option, die Tests zu vereinfachen, um mehr Bewerber in den Polizeidienst zu schleusen. Die Tests würden sich an den Anforderungen orientieren, die während der Ausbildung und später im Beruf gestellt werden. Da sich in diesem Jahr zu wenig Bewerber gemeldet haben, hat die Fachhochschule eine zweite Bewerbungsrunde gestartet. Wer sich bewirbt und die Tests besteht, könnte am 1. Oktober seine Ausbildung in Güstrow beginnen.

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Kommentare (5)

Joa, ich sach's mal vorsichtig:
Die deutsche Polizei hätte minimale Personalprobleme, wenn die Leistungsprüfung alle 4 Jahre stattfinden würde.

Der Hansi und Jürgen schaffen bestimmt noch Klimmzüge. Jeder einen.

Das Foto zeigt die klassische Klimmzugtechnik mit dem schwierigen Ristgriff. Der Polizeiaufnahmetest erfordert Klimmzug im Schräghang. Also rücklings schräg zum Boden mit Armkraft an Stange hochziehen. Die Klimmzugtechnik im Foto wird (hoffentlich) später in der Polizeiausbildung bis zur Erschöpfung geübt und gefordert.

aber was solls?
Entweder braucht man dringend Personal oder man zieht sich an der Anzahl der Klimmzüge hoch.
Sportliche Fitness im Polizeidienst ist sicher wichtig. Aber Durchsetzungsvermögen, sicheres und bestimmtes Auftreten, einfach "polizeiliche Aura" und möglichst breit gefächerte praktische Fachkenntnisse, vor allem aber juristisches Grundwissen sind wesentlich wichtiger als ein, zwei Klimmzüge mehr.
Unserer Polizei mangelt es nicht an Klimmzügen und Sekunden im Hundertmeterlauf.
Ihr fehlen Befugnisse und vor allem der Rückhalt durch Öffentlichkeit und Politik.
Und ihr fehlt die Unterstützung ihrer Arbeit durch die Justiz, die immer wieder gefasste und überführte Straftäter mit Samthandschuhen streichelt, sie entweder laufenlässt oder nach strafmildernde psychischen Störungen, Persönlichkeitsdefiziten oder traumatischen Erlebnissen in der Vita der Täter sucht, um Gründe für milde Urteile zu finden, die - ganz nebenbei - die Opfer oft genug verhöhnen oder ihnen gar eine "Mitschuld" attestieren.
Kein Wunder, wenn trotz winkender Verbeamtung und später sicherer Pension niemand diesen Dienst tun will.
Wenn Extremisten von links und rechts und Personengruppen, die ihre ethnischen Stammeskämpfe hier in Deutschland austragen, durch die Medien und einschlägige Parteien und Verbände als "Aktivisten" gefeiert werden und die Polizei sich für ihr Eingreifen auch noch rechtfertigen muss,weil sie unsere deutschen Gesetze nachdrücklich durchzusetzen versuchte,
dann kann alles mögliche machen, nur nicht Polizeidienst.
Schießausbildung kann auch ausfallen. Denn die Polizisten werden noch nicht einmal mit der ungeladenen Pistole nach dem Delinquenten schmeissen, weil sie anschließend wegen Körperverletzung vor den Kadi kommen.
Achso - und wegen Beschädigung von Staatseigentum, falls die Pistole einen Kratzer bekommen hat...

Es geht im NK-Artikel um Pillepalle-Sporttests bevor wer zur Polizeiausbildung zugelassen. Wer das nicht bringt, weil zu faul zum üben, bevor der Test stattfindet, den braucht man nicht in der mehrjährigen Ausbildung.

👌👌👌👍