MESSERATTACKE AUF BABY

Polizei Rostock hielt Notruf des Täters nicht für Scherz

Die Staatsanwaltschaft Rostock hat einen Bericht der „Ostsee-Zeitung” dementiert, wonach ein Polizist den ersten Notruf zur Messerattacke auf ein Baby nicht ernst genommen habe.
Andreas Becker Andreas Becker
Die Obduktion des Mannes ergab, dass der Messerstecher am Samstag wohl an den Folgen des Sturzes vom Balkon aus der fünften E
Die Obduktion des Mannes ergab, dass der Messerstecher am Samstag wohl an den Folgen des Sturzes vom Balkon aus der fünften Etage gestorben ist. Stefan Tretropp
Rostock.

Es müssen dramatische Minuten am Samstagabend in einer Wohnung im Rostocker Nordosten gewesen sein. Ein 40-jähriger Mann hatte nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen zunächst ein Baby mit Messerstichen durchbohrt und lebensgefährlich verletzt und sich anschließend über die Balkonbrüstung aus dem fünften Stock des Hauses in den Tod gestürzt.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Rostock habe der Messerstecher vor seinem Sturz noch selbst die Polizei per Notruf alarmiert. Er habe bei dem Anruf offenbar zwar auch gelacht, so dass man durchaus zu der Erkenntnis hätte kommen können, er meine das alles nicht ernst, sagte Maureen Wiechmann, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, im Gespräch mit dem Nordkurier. „Doch der zuständige Polizist hat den Anruf ernstgenommen und sofort eine Streife aufgefordert, zum Tatort zu fahren”, sagte die Sprecherin und dementierte entschieden einen Bericht der „Ostsee-Zeitung”. Dort wurde sie mit dem Satz zitiert, dass „die Kollegen in der Leitstelle ihn (den mutmaßlichen Messerstecher, Anm. d. Red.) nicht ernst genommen haben”.

20 Gespräche aufgezeichnet

Wiechmann berichtete dem Nordkurier am Mittwoch, dass während der lautstarken Geschehnisse in der Wohnung 20 Notrufe von Nachbarn und Passanten in der Leitstelle der Polizei eingegangen seien. Diese Gespräche seien alle aufgezeichnet und mittlerweile ausgewertet worden. „Wenn ein Mitarbeiter der Leitstelle eine Situation erheblich falsch einschätzt, könnte dies durchaus eine unterlassene Hilfeleistung sein und auch strafrechtlich relevant werden. Das war am Samstagabend aber nicht der Fall”, betonte die Sprecherin.

Mittlerweile sei das Baby außer Lebensgefahr – ob es bleibende Schäden durch die Messerstiche erlitten habe, sei noch nicht absehbar, teilte Wiechmann weiter mit. Die Staatswanwaltschaft gab auch weitere Details der blutigen Vorfälle in der Wohnung bekannt. So hatte der mutmaßliche Täter, ein Bekannter der Familie, die 18 Jahre alte Mutter des Babys am Samstag offenbar zufällig getroffen. Er sei mit ihr in die Wohnung im Stadtteil Dierkow gegangen.

Wohnungstür mit Waschmaschine verbarrikadiert

Zunächst sei dort alles sehr friedlich abgelaufen. Doch plötzlich soll der 40-Jährige – offenbar durch die Einnahme von Drogen – an Verfolgungswahn gelitten habe. „Er soll gesagt haben, dass er verfolgt werde“, so Wiechmann. Der Mann habe anschließend die Haustür der Wohnung mit einer Waschmaschine verbarrikadiert, immer wieder den Flur durch den Türspion beobachtet und vom Balkon geschrien. Anschließend habe er das Baby attackiert.

Die Obduktion des Mannes habe ergeben, dass der Messerstecher am Samstag an den Folgen des Sturzes vom Balkon aus der fünften Etage gestorben sei. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen, mit denen geprüft werde, ob der Mann tatsächlich unter Drogen gestanden habe, lägen aber erst in „ein bis zwei Wochen vor”, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

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Kommentare (1)

Investigativer Journalismus sieht anders aus. Das haben eben noch nicht alle verinnerlicht.
Eigentlich Schade, oder muss die Ostseezeitung das Sommerloch bedienen zum Nachteil der Polizei?