Ob „Enkeltrick”, vermeintliche Fernbeziehung, falsche Polizisten oder Unfall-Vortäuschung: Immer wieder versu
Ob „Enkeltrick”, vermeintliche Fernbeziehung, falsche Polizisten oder Unfall-Vortäuschung: Immer wieder versuchen Betrüger durch Anrufe oder im Internet von ihren Opfern Geld zu ergaunern. Nordkurier
Millionen-Schaden

Polizei warnt – Trickbetrüger täuschen Unfall vor

Über eine Million Euro Schaden im letzten Jahr allein an der Seenplatte und in Vorpommern durch Online- und Telefonbetrug. Die Polizei warnt vor dieser neuen Betrugsmasche.
Neubrandenburg

Es kann Menschen überall passieren. Ob in der Seenplatte oder in Vorpommern. Professionelle Trickbetrüger melden sich per Telefon und versuchen durch Panik und Stress eine Hohe Geldsumme von ihren angerufenen Opfern zu erbeuten.

Claudia Tupeit vom Neubrandenburger Polizeipräsidium warnt vor einer neuen Masche, in der von einem tödlichen Unfall und Kaution für Angehörige die Rede ist – und zeigt dies am Beispiel einer 82-Jährigen aus Stralsund.

Horror-Anruf um Geld zu erbeuten

Diese wurde von einer vermeintlichen Polizistin angerufen und in folgendes Gespräch verwickelt:
„Ihre Tochter sitzt völlig aufgelöst mit blutverschmierten Händen hier bei uns im Revier. Sie hat einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine 26 Jahre alte Frau ums Leben gekommen ist.”
Im Hintergrund sind weinerliche Geräusche einer Frau zu hören.
„Können wir mit unserer Tochter sprechen?”
„Nein, Ihre Tochter steht unter Schock und wird psychologisch betreut, Sie können daher nicht mit ihr reden. Bis zur Verhandlung müsste Ihre Tochter drei bis sechs Monate in Haft bleiben – außer, sie wird per Kaution freigekauft.”
„Wie viel beträgt denn die Kaution?”
„Mindestens 30.000 Euro.”
„Wir haben nur 10.000 Euro auf die Schnelle zur Verfügung.”
„Das geht auch, wir vereinbaren für den Rest dann eine Ratenzahlung. Wichtig ist: Legen Sie jetzt nicht auf und informieren Sie niemanden über die Sachlage, denn sonst könnte es in der Zeitung erscheinen”, warnt die „Polizistin” noch.

In diesem Fall der 82-Jährigen verhinderte die Bank noch rechtzeitig den Betrug, bevor die 10.000 Euro abgehoben und an Betrüger übergeben wurden, so Claudia Tupeit.

Über 1,1 Millionen Euro Schaden im letzten Jahr

Rund 1,1 Millionen Euro Schaden hat es in 2020 im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg (Landkreise Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte) durch etwa 110 geglückte Trickbetrüge gegeben, sagt die Polizei.

In 44 Fällen war die Schadenssumme höher als 5.000 Euro. „Love Scamming” (also das Vortäuschen einer Liebes- oder Fernbeziehung meistens per Internet) oder auch Betrügereien mit Geldanlagen und Bitcoins verschaffen den Tätern in der Regel die höchsten Beträge.

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Häufige Betrugsarten, die immer wieder auch mit kleinen Beträgen funktionieren sind Gewinnspielversprechen, „Enkeltrick” („Hallo, weißt du wer am Telefon ist?”) und falsche Polizisten, warnt Claudia Tupeit.

Viele Schockanrufe in Mecklenburg-Vorpommern

Schockanrufe liegen als Masche bei Trickbetrügern aktuell im Trend. Vor allem aus dem Bereich Vorpommern-Rügen werden etliche solcher Trickbetrugsversuche gemeldet. Seit Donnerstag allein 39 Versuche. Und das sind nur die Fälle, die der Polizei gemeldet werden.

Und es sind leider wieder einige geglückt: Nach zwei Fällen in den letzten Tagen, hat es nun eine 84 Jahre alte Frau aus Stralsund getroffen, die 13.000 Euro an Betrüger übergab, weil sie glaubte, ihr Sohn und ihre Schwiegertochter hätten einen Unfall verursacht und könnten aus dem Gefängnis freigekauft werden.

„Kein Geld an Fremde übergeben”

Das ist natürlich völliger Quatsch, betont Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg. „In Deutschland gibt es keine Kaution, mit der jemand vorzeitig aus dem Polizeigewahrsam geholt werden kann. Genauso wenig, wie man bei echten Gewinnen in Vorkasse gehen muss oder echten Polizeibeamten Geld zur Sicherstellung gibt.” Trotzdem sollten dies nicht unterschätzt werden, da die Anrufe und Dialoge doch professionell gemacht sind und dadurch auch echt wirken.

„Bitte bleiben Sie skeptisch, wenn plötzlich jemand am Telefon Geld verlangt, erst recht, wenn derjenige aus irgendwelchen Gründen das Geld nicht selbst abholen kann. Übergeben Sie nie Geld an Fremde”, warnt Polizistin Tupeit.

Nicht zwingen lassen, am Telefon zu bleiben

„Rufen Sie Ihre Angehörigen an und fragen Sie nach, ob diese wirklich gerade Geld benötigen.” Auch sollte umgehend die Polizei alarmiert werden, wenn solche Anrufe mit Geldforderungen eingehen. „Lassen Sie sich nie zwingen, in der Leitung zu bleiben und niemandem von dem Anruf zu erzählen.”

Der Appell der Polizei: Jüngere Angehörige sollten das Thema Betrug, die Maschen und wie man die Echtheit überprüfen kann mit älteren Angehörigen besprechen. Damit Betrüger erst gar keine Chance bekommen.

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